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Eilenburg Doberschütz verabschiedet langjährigen Bauamtsleiter
Region Eilenburg Doberschütz verabschiedet langjährigen Bauamtsleiter
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10:16 28.04.2018
Der langjährige Doberschützer Bauamtsleiter Claus Heinrichsen geht in Rente. Quelle: Wolfgang Sens
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Doberschütz

Hinter dem scheidenden Doberschützer Bauamtsleiter Claus Heinrichsen liegen fast fünf Jahrzehnte Arbeitsleben und 66 Jahre. Da kommt man an Udo Jürgens Hit nicht vorbei. Fängt für den Wildschützer mit dem Ruhestand im Mai das Leben an? Claus Heinrichsen, der sich nun noch mehr seinen fünf Enkeln und seinem Interesse für alte Obstbäume widmen möchte, bleibt sich da treu. Er wägt auch dieses Mal seine Worte vorsichtig ab: „Alle jubeln, doch mir gefällt nicht, dass mit der Rente ja auch der letzte Lebensabschnitt beginnt.“

Fünf Arbeits-Jahrzehnte

Als er als Maschinenbauer und Schlosser vor fast fünf Jahrzehnten in Wildschütz sein Arbeitsleben begann, war nicht abzusehen, wo es ihn einmal verschlagen sollte. „Es lag wohl daran, dass ich schon zu DDR-Zeiten kritischer als andere war, dass ich nach der Wende in Wildschütz als Bürgermeister gewählt wurde“, schätzt er ein. „Als Parteiloser“, betont er, dem die Meisterausbildung wegen politischer Nichteignung verwehrt wurde, und dies sei er auch immer geblieben. Geblieben ist er auch immer in seinem Elternhaus. Und obwohl er nie umzog, wurde er im Kreis Torgau geboren, wuchs er im Kreis Eilenburg auf, wechselte zurück nach Torgau und lebt nun im Landkreis Nordsachsen.

Plötzlich Bürgermeister von Wildschütz

Die Anforderungen an ihn wandelten sich. Denn als Wildschützer Bürgermeister musste er plötzlich das Steinbruch-Gelände für die Kommune sichern, einen Campingplatz sowie ein Freibad leiten. Da waren plötzlich in der DDR unwichtige Grundstücksfragen zu klären, mit den Dauercampern erstmals schriftliche Verträge abzuschließen. „Ich weiß, dass ich mir damals nicht nur Freunde gemacht habe.“ Doch er wäre nicht Claus Heinrichsen, wenn er das, was richtig ist, nicht durchsetzen würde wollen, ruhig, aber dennoch nicht weniger bestimmt.

Lieber mehr erhalten als neu bauen

Nicht immer gelang ihm das. „Ich habe als Bauamtsleiter immer darauf gedrängt, lieber weniger neu zu bauen, dafür mehr zu erhalten.“ Dass er sich da nicht durchsetzen konnte, wurmt ihn noch immer. Dabei kann er sehr hartnäckig und ausdauernd sein.

Eben weil er sich so richtig reinhängen kann, hatte er 1995 den Betriebswirt in der Tasche. „Wie ich das damals geschafft habe, weiß ich nicht mehr“, erinnert er sich an die gleichermaßen chaotische wie spannende Zeit. Denn seit 1994 wirkte er ehrenamtlich als Wildschützer Bürgermeister, stand aber auch bereits dem Bauamt der Gemeinde Doberschütz vor. „Wir wären heute nicht die Gemeinde, die wir sind, wenn Claus sich nicht immer mit ganzer Kraft für diese eingesetzt hätte“, lobt ihn Bürgermeister Roland Märtz, der „den Claus schon 1990 als hilfsbereiten und freundlichen Amtskollegen“ kennenlernte.

Die größten Doberschützer Herausforderungen

Neben der Fertigstellung der kompletten Erschließung der Wohnbebauung in Sprotta Siedlung war der Straßenbau Bahnhofstraße / Siedlungsweg sein erstes eigenes Projekt in Doberschütz. Wie das gelungen ist, darauf ist er ebenso stolz wie auf die komplette Umgestaltung der Breiten Straße. „Dass da vorher alles unbefestigt war, daran erinnert sich heute kaum noch einer.“ Doch die meisten Nerven und Zeit habe ihn das Gewerbegebiet Sprotta-Paschwitz gekostet. „Das war bei meinem Amtsantritt zwar schon zu 90 Prozent erschlossen. Doch es stellten sich bei der Bauausführung Mängel über Mängel heraus.“ Der daraus resultierende Rechtsstreit habe enorm viel Aufwand und Kraft gekostet und endete erst nach sechs Jahren mit einem Vergleich.

Hochwasser bleiben unvergesslich

Unvergesslich bleiben dem Wildschützer die beiden Hochwasser. Wie all die 24 Jahre in Doberschütz tagein tagaus, so erwähnt er ganz beiläufig nebenbei, habe er auch damals abwechselnd mit dem Bürgermeister telefonische Bereitschaft gehabt. „Wir bekamen Deichbrüche in Mörtitz und im benachbarten Gruna gemeldet. Meine erste Aufgabe war da, Big Packs zu besorgen.“ Er trieb in Leipzig wirklich welche auf, doch die Brücken in Eilenburg und in Bad Düben waren beim Rückweg dicht. „Erst in Pouch kam ich quasi in letzter Minute drüber.“ Dass die Big Packs am Ende nicht funktionieren, ahnte damals keiner. Heute, kleinere und ein großes Hochwasser von 2013 sowie etliche Deichreparaturen später, ist man schlauer. „Damals bin ich ein paar Tage nicht nach Hause gekommen“, konstatiert er, der sich mit seinem Job mehr als identifizierte nüchtern. Er hat es gern gemacht, selbst wenn man in diesem Job oft für Dinge verantwortlich gemacht wird, für die man nichts kann. Warum es irgendwie trotzdem Spaß gemacht hat? Ein kleines Lächeln huscht über sein Gesicht, als er antwortet: „Da ist zum einen das tolle Team. Und zum anderen: Dass wir uns beim Hochwasser für die Mörtitzer damals so gedreht haben, das hat uns auch viel Anerkennung gebracht.

Von Ilka Fischer

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