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Dreifacher Rückzug und der Blick nach vorn

Dreifacher Rückzug und der Blick nach vorn

Selbst historische Feste wandeln sich. In Eilenburg gibt es diesen Wandel mit einem dreifachen Rückzug. Erstens zog sich der Burgverein aus der Organisation des Reginenfestes zurück (wir berichteten).

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August der Kahle, Ernst Georg von Wolkenstein (im Hintergrund) und Herr Burkhardt von und zum Walde zeigen nach spannenden Ritter- und Wortduellen gemeinsam, dass sie mit ihren Pferden auch den Sprung durchs Feuer wagen.

Quelle: Ilka Fischer

Eilenburg. Zweitens kehrte das Fest, das zuletzt 2012 wegen Bauarbeiten rund um die Nikolaikirche gefeiert wurde, wieder auf den Burgberg heim, und drittens gab es auch zeitlich einen Rückzug. Denn das Reginenfest, das im Dreißigjährigen Krieg des 17. Jahrhunderts seine Wurzeln hat, wurde nun ins Mittelalter verlegt.

Eberhard Heieck vom Veranstalter Coex führte dafür zwei Gründe an: So hätte es ja auch im 17. Jahrhundert durchaus Marktstände aus den Epochen davor gegeben. Doch der Hauptgrund, so analysiert er offen und ehrlich, sei, dass er mit seiner Mannschaft auf die Ritter als Zugelement nicht verzichten könne. Denn wenn er schon sieben Taler Eintritt nehmen müsse, wolle er auch was bieten.

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Eilenburg. Selbst historische Feste wandeln sich. In Eilenburg gibt es diesen Wandel mit einem dreifachen Rückzug.

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Dass es nicht einfach ist, für ein Fest Geld zu verlangen, was bisher kostenfrei war, ficht er nicht an. "Wir geben uns daher auch drei Jahre Zeit. Erst danach lässt sich verlässlich sagen, ob es funktioniert. Für 2015 ist Eilenburg bei Coex am 22/23. August jedenfalls fest eingeplant." Bei seinem ersten Reginenfest hätte sich der Cottbuser allerdings trotzdem mehr Besucher gewünscht. 800 zählte er am Sonnabendabend, etwa doppelt so viele hätte es für eine schwarze Null sein müssen. "Doch wir glauben an das Reginenfest in Eilenburg. Die Location jedenfalls ist für solche Feste hervorragend geeignet", findet er. Und es hätte eben etliche Eilenburger gegeben, die am Eingang wieder umgekehrt seien. Nun setzt der Veranstalterauf die beste Werbung nicht erst seit dem Mittelalter: auf die von Mund zu Mund. Das könnte klappen. Denn jene, die da waren, zeigten sich durchaus beeindruckt von der Vielfalt der Stände, der Gauklerschule, den hexischen Geschichten, dem blasebalgbetriebenen Schmiedefeuer. Auch einen feuerspuckenden Fakir sieht man nicht alle Tage. Und eine Boa Constrictor oder einen Tigerpython zum Anfassen gab es ebenfalls. Der Burgverein teilte die aktuelle Burgbergzeitung aus, beim Verein Altair zeigte Lars Rohland physikalische Experimente, die "man so vielleicht schon im Mittelalter gemacht hat". Erfahren ließ sich hier, mit welchem Wissen es Jesus gelungen sein könnte, übers Meer zu laufen oder auch, was ein Kilo auf der Venus wiegt.

Doch Höhepunkte des Festes waren neben der Feuerschau am Abend natürlich die Ritterturniere, die mit mehr und weniger Feuer in verschiedenen Ausführungen erfolgten. Und selbst für die Ritter gab es eine Premiere. Denn Narr Laut'n Hals begrüßte um 17 Uhr keinen geringenen Gast als den Landesfürsten Stanislaw Tillich (CDU). Ein Landesfürst, so lobhudelte er, sei er, der über eine silberne Glockenstimme verfüge und Sachsen einen goldenen Glanz beschere, gegen den die Sonne eine Funzel sei. August der Kahle übernahm das Kämpfen für den Ehrengast und musste nach diversen Schikanen mit Lanze, Gurke und bestochenen Knechten wohl auch deshalb den Sieg davon tragen. Das gewonnene Fass Bier wurde mit den Eilenburgern geteilt. "Wo steht das nun eigentlich", hatte der Narr noch nachgefragt. "Leider links von mir", entgegnete der Ministerpräsident, was die einzigen als Wahlbotschaft zu interpretierenden Worte waren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.08.2014

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