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Eckardt Wenzel belustigt mit subversiver Desinformation in der Eilenburger Bader-Galerie

Eckardt Wenzel belustigt mit subversiver Desinformation in der Eilenburger Bader-Galerie

 Eilenburg. Ja, das sei so ein Problem mit dem Wenzel, stöhnt Andrea Bader. Wer den Liederpoeten einmal erlebt, wird zum Wiederholungszuschauer. Und so waren die Karten für den Sonnabend-Auftritt in der Eilenburger Galerie Bader ratzbatz ausverkauft.

Denn der ist schon Tradition im Januar, erlebt in diesem Jahr seine siebente Auflage. Hans-Eckardt Wenzel rundet dann auf der Bühne großzügig auf: Er sei wohl zum 40. Mal da. „Das nächstes Jahr haben wir also das 45. Jubiläum“, verkündet er feixend. Die „Lieder, Lügen und Geschichten“ sind also Programm. Bei aller Bekanntheit: Immerhin müsse man sich nach einem Jahr neu kennen lernen. Wie das so ist bei neuen Partnern: Es sollte ein Sympathie-Bonus erworben werden, konkret gesagt: Man müsse sich ein wenig einschleimen. Das macht der Wenzel, Jahrgang 55, mal charmant und mal mit spitzer Zunge: Mal erzählt er, dass er sich kleinstadtgemäß bewegen müsse, nicht so große Gesten, nicht so sehr auffallen. Dann nennt er Johann Wolfgang von Goethe einen Eilenburger Dichter. Von dem hat er etwas vertont. Das mit dem Land, in dem die Zitronenbäume blühen. „Dahin, dahin“, singt das Publikum mit. Immerhin seien die Deutschen das Volk, „das immer weg will und dann doch dableibt“, erklärt Wenzel zur Idee, den Text ins Programm zu nehmen. Mit Weimar geht er dafür hart ins Gericht, deutet an, was passiert „Wenn ein Dorf zum Mekka“ wird, sich der Reichtum an Stumpfsinn vermehrt. Aber ein Gutes habe er dort auch entdeckt: Den Imbissstand mit den Fischröllchen. Reklame macht er auch für seine CD. Seit der Rechtschreibreform würde die Mehrzahl übrigens „Cededata“ heißen, streut er subversiv Desinformation, um bald die Kurve zum dem zu bekommen, „was ihn im vergangenen Jahr besonders stolz gemacht“ habe: der Dankeschön-Choral. Der sei der DDR begonnen und nun vervollständigt worden, denn „wir danken unserer Regierung gar nicht mehr. Wir nehmen es einfach so hin, dass sie sich bereichern“. So beginnt er mit dem Dank früher, als uns die Mütter „hier in die Welt pressten und nicht im Westen“. Dank bekommen auch die „roten Funktionäre und die rote Feuerwehr“ ab. Und weiter geht’s mit den Schwaben und Hessen, niemals sei der Mut zu vergessen, mit der sie uns von der Mauer befreiten. Außerdem sei zu danken für Oktoberfestspaß, Porsche, Opel, Geldanlagen. Falls jemand heute wie damals nicht so viel Dankbarkeit verspürte und verspürt, sich aber wundert, dass er nun ruhiger ist und das möglicherweise mit Altersweisheit begründet, der bekommt die einfache Erklärung in „Ohne Brille kann ich nicht mehr lesen“: Wer nicht mehr so scharf sieht, regt sich nicht mehr so auf. Nach spannend eingeleiteter Pause, Hölderlin, Bananen, vergessenen österreichischen Schriftstellern in wechselnder Begleitung von Akkordeon, Gitarre und Piano fragt Wenzel gegen Viertel zwölf letztmalig: „Fragen von Ihrer Seite?“ Bis zum nächsten Januar könnten sich die Eilenburger darüber nachdenken. Immerhin seien sie gar nicht so gefräßig und hinterlistig, wie alle sagten. Dafür gebe es nun den Refrain, für alle, die am Montag einer sinnloser Tätigkeit nachgehen: „Das ist die Zeit der Irren und Idioten“. Und das klingt überhaupt nicht traurig. Jedenfalls so, dass man dazu gut gelaunt seinen Mercedes glatt selbst putzen könnte. So jedenfalls das Beispiel, das er bei dieser Gelegenheit immer im Schwabenland anbringe. Gibt’s in Eilenburg sinnloses Tun? Belustigtes Schweigen im Publikum. „Aha, nicht mal das“, bilanziert Wenzel. Zwei Zugaben applaudieren sich die Eilenburger. Mit der letzten wünscht Wenzel „Gute Nacht für alle“. Heike Liesaus

Heike Liesaus

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