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Eilenburg Ehemalige ECW-Kraft und Wasserwerker treffen sich in Eilenburg
Region Eilenburg Ehemalige ECW-Kraft und Wasserwerker treffen sich in Eilenburg
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22:00 31.03.2017
Die Runde der ehemaligen ECW-Kraftwerker hat sich fürs Gruppenfoto auf der Treppe des Gartenlokals Schlossaue aufgestellt. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Sie ließen das industrielle Herz der Stadt schlagen, lieferten Strom, Wasser, Dampf fürs Eilenburger Chemiewerk: die ECW-Kraftwerker. Mit der Insolvenz des Betriebs Mitte der 90er Jahre war auch das Ende ihres Betriebsteils besiegelt. Reichlich 20 Jahre später treffen sich ehemalige Maschinisten, Ingenieure und Laboranten im Gartenlokal Schlossaue. Stimmengewirr über den Tischen. Rainer Richter, der den Treff zum zweiten Mal organisierte, nimmt’s locker, dass die Aufmerksamkeit für die Bilder, die er aus den Dateiordnern seines Laptops zusammensucht und auf die Leinwand beamt, sehr geteilt ist. Es gibt auch immer wieder Diskussionspunkte: Wann wurden denn nun eigentlich die alte Hochbahn weggerissen? Noch in den 80er-Jahren oder erst nach der Wende? „Naja, jetzt kann man’s sagen: Dort erfolgten verbotene Begehungen vom südlichen in den Nordteil des Werk“, bringt Richter den berühmten Spruch aus DDR-Zeiten „aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen“ ins Spiel. Irgendetwas wurde in Zeiten der Mangelwirtschaft im Privaten immer gebraucht. Doch damals rauchte noch der ECW-Schornstein, fuhr die Kohlebahn, wurde die Asche über Kilometer auf die Halde am Oberförsterwerder gefördert. „Zum einen steckten überall jede Menge ingenieurtechnische Leistungen drin, die zum mit jeder Menge Manpower in Gang gehalten wurden“, schätzt Marion Zapf ein, die später lange Geschäftsführerin von Remondis Eilenburg und der Stadtwirtschaft war. „Gerade im Winter, wenn alle Rollen der Kohleförderbänder einfroren“, erinnert sich Frank Krenzmann, der später als Maschinist im Tagebau Breitenfeld anheuerte, der heute ein See ist. Günter Tyrala wiederum gehört zu den wenigen, die ihre Arbeit für die Energiebelieferung der Muldestadt noch bis vor kurzem fortsetzen konnten. „Ich hatte am Dienstag meinen letzten Tag im Blockheizkraftwerk“, freut sich der 61-Jährige auf die passive Phase der Altersteilzeit.

Der letzte Kessel

Im ECW-Kraftwerk, das von den neu gegründeten Stadtwerken übernommen worden war, lief zum Schluss nur noch ein Schwerölkessel. Die Wohnungen im Stadtteil Ost mussten mit Fernwärme versorgt werden. „Das hat uns in dieser Zeit die Arbeit erhalten“, sagt Tyrala. Dafür wurde ab 1998 das Blockkraftwerk in der Ernst-Mey-Straße von den Stadtwerken gebaut. Das stillgelegte alte Kraftwerk und das Betriebswasserwerk sind längst abgerissen, der ECW-Schornstein gesprengt. Auch davon kann Richter Bilder zeigen, genauso von Brigadefahrten, oder Jubiläumsfeiern. Zu den Jüngsten, die nun rätseln, wer wer ist, dürfte Rainer Schröder gehören, der inzwischen im neuen Biomassekraftwerk in Delitzsch Südwest arbeitet. Als einer der ältesten wird Günter Buchheim ausgemacht. Der heute 83-Jährige „hat dafür gesorgt, dass die Hochspannungsschalter immer im betriebsfähigen Zustand waren“, lobt Elektroingenieur Ernst Gottlebe, der noch weiß: „Wenn es ganz schlimm war, dann wurde unser Betrieb in den Sicherheitszustand gefahren und dann haben wir als einziges Kraftwerk in der Region das Krankenhaus versorgen können.“

Wasserturm

Der ECW-Wasserturm steht nach wie vor weithin sichtbar und als Namensgeber auf dem Industrie-Gelände, auf dem noch vor zehn Jahren viele Bauwerke abgerissen wurden und wo sich nun schon neue Firmen ansiedelten. Auf der Kraftwerks-Brachfläche im südlichen Teil neben der einstigen B87 wird nun ein Einkaufsmarkt geplant. Was sagt die Runde der Kraftwerker dazu? „Warum nicht? Bevor es dort noch grüner wird.“

Von Heike Liesaus

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