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Eilenburg Eilenburg: Jugendliche nach versuchtem Diebstahl freigesprochen
Region Eilenburg Eilenburg: Jugendliche nach versuchtem Diebstahl freigesprochen
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16:16 10.03.2019
Symbolfoto. Quelle: dpa
Eilenburg

Zwei heranwachsende Männer, 17 und 20 Jahre, sitzen mit traurigem Blick auf der Anklagebank im Eilenburger Amtsgericht, mit jeweils einem Anwalt an ihrer Seite. Beide sehen sehr jung aus. Sie schauen hin und wieder mit ängstlichem Blick zu ihren Angehörigen in den Besucherreihen.

Im Sommer 2017 sind die beiden 15 und 18 Jahre alt, treffen sich regelmäßig mit Freunden in einer Garage in Sandersleben (Bitterfeld), um an ihren Motorrädern zu schrauben.

Einbruch löst Alarm aus

Doch eine leichtsinnige Idee führt Anfang Juni zu verheerenden Folgen: Gemeinsam mit zwei weiteren Jungen wollen sie in eine benachbarte Garage einbrechen – einer der Freunde weiß, dass dort mehrere Motorräder stehen. Womit die Gruppe nicht rechnet: Der Einbruch löst einen Alarm auf dem Smartphone des Garagenbesitzers aus, der sich sofort auf den Weg macht. Die Jugendlichen flüchten, der Garagenbesitzer verfolgt sie – und fährt einen der Jungen um, er stirbt.

Verfolgungsjagd: Ein Junge stirbt

Nun müssen sich zwei der Jugendlichen, die beide im Landkreis Nordsachsen wohnen, vor dem Amtsgericht wegen gemeinschaftlich versuchten Diebstahls im besonders schweren Fall verantworten. Nachdem die Anklage vorgetragen ist, geht Richter Franzen mit beiden die Personalien durch, stellt Fragen zur aktuellen Lebenssituation. Die Angeklagten antworten sachlich, sie wirken beide konzentriert. Die Aufregung ist ihnen anzumerken.

Die Verhandlung nimmt einen schnellen Lauf. Sowohl Verteidigung, Staatsanwaltschaft als auch Richter sind sich einig: Zum Tatzeitpunkt fehlte den Jungen eine ausgeprägte persönliche Reife. Der Richter stuft die Tat für beide deshalb als typisches jugendliches Fehlverhalten ein. Sie seien zudem durch den Tod ihres Freundes stark traumatisiert. So fällt die Entscheidung zugunsten der Angeklagten aus: Der Delikt fällt für beide unter das Jugendstrafmaß – nicht nur für den zum Tatzeitpunkt 15-Jährigen, sondern auch für den damals 18-Jährigen.

Typisches jugendliches Fehlverhalten

Bei Heranwachsenden, also 18- bis 20-Jährigen wird insbesondere geprüft, ob der Heranwachsende von seinem Reifezustand zur Tatzeit im Hinblick auf die konkrete Tat noch einem Jugendlichen gleichzustellen war oder ob er eine jugendtypische Tat begangen hat.

Die beiden müssen nun lediglich ihre Anwaltskosten tragen, die Gerichtskosten übernimmt der Staat. Die Trauer und Reue ist den jungen Männern anzusehen. Nachdem das Urteil gesprochen ist, umarmen die Angehörigen die befreundeten Jungs. Mit dem Satz: „Dieser Fehler wird die beiden ihr Leben lang begleiten“ verlässt einer der Verteidiger die Verhandlung im Amtsgericht.

Der Prozess um den Todesfall des Freundes wird in Sachsen-Anhalt ausgetragen.

Von Maria Sandig

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