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Eilenburg Seit einem Monat vermisst: So kämpft die Familie um Oliver
Region Eilenburg Seit einem Monat vermisst: So kämpft die Familie um Oliver
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20:52 10.02.2019
Ein Foto, als die Welt noch in Ordnung war: Oliver Schneider (31) mit seiner kleinen Schwester Cindy (24). Quelle: privat
Eilenburg

Seit 33 Tagen ist Oliver Schneider aus Eilenburg verschwunden. Von dem 31 Jahre alten Mann fehlt seit dem 8. Januar jede Spur. „Für uns ist es sehr schwierig, gerade ein normales Leben zu führen“, sagt Cindy Schneider, die Schwester des Vermissten, und ringt mit den Tränen. Die Familie sei mit den Nerven am Ende. „Uns geht es sehr schlecht. Wir wissen schon gar nicht mehr, wo wir noch alles suchen sollen.“

Hunderte Plakate verteilt

Immer wieder gehen die Schneiders Wege in Eilenburg ab, die Oliver möglicherweise gegangen sein könnte. Er angelt gern, ist auch ein „kleiner Abenteurer“ und neugierig auf Entdeckungen, erzählt die Schwester. Hunderte Plakate in A4-Größe mit dem Bild des Vermissten hat die Familie kopiert, in Geschäften in Eilenburg, Bad Düben, Delitzsch und Leipzig mit Hilfe von Freunden aufgehängt und verteilt. Auch in Torgau wollen sie jetzt aktiv werden in der Hoffnung, jemand hat Oliver gesehen.

Veruzweifelter Hilferuf

Im Internet-Netzwerk Facebook postet Cindy Schneider regelmäßig, um ihren Bruder zu finden oder Leute, die ihn möglicherweise gesehen haben. Erst vor ein paar Tagen schrieb die 24-Jährige verzweifelt: „Oliver, wo bist du nur? Jeder neue Tag ist eine Qual für mich. Tausend Fragen gehen mir durch den Kopf... Geht es dir gut? Wo bist du? Warum bist du weg? Ist dir was passiert? Diese Ungewissheit macht mich fertig. All deine Freunde und Bekannte und Familie vermissen dich genau so sehr wie ich. Ich bete jeden Tag, dass es dir gut geht. Bitte, bitte gib ein Lebenszeichen. Du fehlst unendlich doll.“

Vater schreibt rührendes Gedicht

Ihr Vater hat sogar ein Gedicht verfasst: „Oliver, jeder braucht mal eine Pause. Mann, das kann ich gut verstehen. / Vielleicht machst Du eine Sause, werd ich dich mal wieder sehen. / Ich hab gedacht, wir wären Freunde. Nicht nur Vater und sein Sohn. / Mann, nun sag’, was soll ich denken. Du verschwindest ohne Ton. / Deine Schwester, ja die Kleine, kann das alles nicht verstehen. / Macht sich Sorgen, ist am Weinen, ich hoff’ wir werden uns wieder sehen.“

Familie bangt und hofft

Als am Mittwoch bei Großbothen (Landkreis Leipzig) eine Wasserleiche gefunden wurde, gingen den Schneiders wieder „1000 Sachen durch den Kopf“. Handelt es sich um den seit Wochen vermissten Christian Morgenstern (20) aus Leisnig oder vielleicht doch um ihren Oliver? „Wir haben Verwandtschaft in Colditz und Grimma. Er könnte ja auch dorthin unterwegs gewesen sein.“ Letztlich handelte es sich bei der Leiche um den vermissten Christian Morgenstern. Die Ungewissheit ist unerträglich für die Familie. „Im Grunde sind uns die Hände gebunden. Wir können nur weiter warten. Die Familie in Leisnig tut mir unendlich leid.“

Vermisstenbeschreibung zu Oliver Schneider

1,65 Meter groß

scheinbares Alter: 40 bis 45 Jahre

schlanke Gestalt

kleine Knollnase

dunkelblonde, kurze Haare

trug zuletzt schwarze Turnschuhe, eine schwarze Mütze mit dem weißen Aufdruck „LE“, hellblaue Jeans, eine dunkelgraue Jacke und einen grünen Rucksack

Die Polizei fragt: Wer hat Oliver Schneider seit dem 7. Januar gesehen? Wer weiß, wo er sich aufhält? Die Polizei sucht vor allem im Raum Eilenburg, Bad Düben und Leipzig nach dem Vermissten. Hinweise nimmt die Kripo Leipzig unter der Telefonnummer 0341 96646666 entgegen.

Trotz zahlreicher Aufrufe gibt es kein Lebenszeichen von Oliver Schneider. Der Beitrag in der MDR-Sendung „Kripo Live“ habe zwar zu einem Hinweis aus Chemnitz geführt, weiß die Schwester, der brachte aber letztlich doch nichts. Auch dass ihr Bruder angeblich im Zug von Leipzig nach Eilenburg gesehen wurde, hatte sich nicht bestätigt. Eine Suche der Polizei per Fährtenhund und Hubschrauber in Eilenburg blieb ebenfalls ergebnislos.

Das sagt die Polizei

Aktuell hat die Polizei keine heiße Spur. Die Kripo-Beamten fragten zuletzt im Umfeld von Bekannten und Verwandten nach – neue Hinweise gebe es nicht, sagt Uwe Voigt, Sprecher der Polizeidirektion in Leipzig. Große Suchaktionen seien deshalb erstmal nicht geplant.

Cindy Schneider und ihre Familie gehen allmählich auch vom Schlimmsten aus: Oliver könnte nicht mehr am Leben sein. Ein Indiz dafür: Die junge Frau hat in den Briefkasten von Olivers Wohnung in Eilenburg-Ost eine Nachricht gesteckt, wonach er sich einen Scheck vom Jobcenter bei ihr abholen könne. „Normalerweise braucht Oliver Geld, er muss ja von irgendwas leben. Würde er das lesen, wäre er längst bei mir gewesen, um den Scheck zu holen.“ Die Wohnung hat er aber seit dem 8. Januar offensichtlich nie wieder betreten. Die Familie hofft trotzdem, dass alles wieder gut wird.

Von Nico Fliegner

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