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Eilenburg: Stadträte halten an neuem Standort für Edeka in Stadtmitte fest

Einkaufsmärkte Eilenburg: Stadträte halten an neuem Standort für Edeka in Stadtmitte fest

Auch nach den Plänen, an der Eilenburger Ortsumfahrung wieder einen Großversorger anzusiedeln, stehen die Räte zu ihrem Mehrheitsbeschluss. Mit dem Verkauf eines Grundstücks an Edeka an der Ziegelstraße bekommt hier ein neuer Vollversorger eine Chance. Können sich zwei große Einkaufsmärkte halten?

Das Einkaufszentrum an der B 87 in Eilenburg soll wieder einen Lebensmittel-Großversorger bekommen.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Zwei neue, größere Einkaufsmärkte – zentrumsnah an der Ziegelstraße und künftig auch wieder an der Ortsumfahrung der B 87 – das Thema ist Stadtgespräch in Eilenburg. Auch bei den Ratsmitgliedern, die erst jüngst mit großer Mehrheit dem Verkauf eines städtischen Grundstücks an Edeka an der Ziegelstraße zustimmten. Um in der Innenstadt wieder für einen sogenannten Vollversorger den Weg zu ebnen. Und um den ehemaligen Marktkauf an der B 87 zu ersetzen.

„Den Eigentümerwechsel an der B 87 und die neuen Pläne dort hätten wir gern früher auf dem Tisch gehabt, nachdem wir lange Zeit mit der früheren Grundstücksbesitzerin um eine Lösung gerungen haben“, kommentiert Ratsmitglied Torsten Pötzsch (SPD) die neuesten Entwicklungen An der Schondorfer Mark. „Wir können erst mal zur zuschauen, was passiert.“ Pötzsch ist der Meinung, dass man nunmehr die Entscheidungen der Händler abwarten müsse. Dass sich zwei Großversorger in Eilenburg halten, ist für den SPD-Fraktionschef „schwer vorstellbar“. Schließlich würden sich bei den Großhändlern ganze Abteilungen mit betriebswirtschaftlichen Entscheidungen befassen. „Wir haben die Investition an der Ziegelstraße mehrheitlich aus dem Wissen heraus unterstützt, dass seit der Marktkauf-Schließung den Bürgern etwas fehlt.“ Es wäre nicht gut, würde Kaufkraft abwandern. Edeka könnte in der Stadtmitte die Handelslandschaft dort positiv beeinflussen, die Trennung zum Ost-Teil überwinden helfen.

Chronologie der Ereignisse

Das Einkaufszentrum an der Schondorfer Mark (Marktkauf) in Eilenburg eröffnete 1995. Im Frühjahr 2014 erklärte die Edeka-Unternehmensgruppe Nordbayern, Sachsen, Thüringen, zu der die Marktkauf-Niederlassung seit 2006 gehörte, dass der Mietvertrag für das Objekt gekündigt ist. Grund: die anhaltend angespannte wirtschaftliche Situation. Marktkauf machte im September 2014 dicht. Ein sogenannter Vollsortimenter fehlte damit in der Stadt. Im Frühjahr 2015 wurde die Nachfrage eines potenziellen Investors nach dem ECW-Kraftwerksgelände offiziell. Der Verkaufsbeschluss an Edeka fiel im Stadtrat am 1. Februar dieses Jahres. Edeka war Favorit unter sieben Bewerbern. Für das Objekt Schondorfer Mark war zwischenzeitlich ein Antrag auf Umbau gestellt und von der Stadt genehmigt worden. Einen Nachmieter oder neuen Eigentümer gab es aber lange Zeit nicht. Verhandlungen scheiterten offenbar an hohen Forderungen der Alteigentümer. Schließlich verkauften sie doch. Vorigen Donnerstag gingen die neuen Eigentümer an den Start: Die Marga Center Gesellschaft will bis zum Frühjahr 2017 dort ebenfalls wie Edeka in der Ziegelstraße einen Vollsortimenter ansiedeln.

Christiane Prochnow (Die Linke) begrüßt „die Absicht, den Standort ehemals Marktkauf wiederzubeleben. Die bebaute Fläche sollte wieder nutzbar gemacht werden, da ein etwaiger Rückbau leerer Gebäude nicht erwartet werden könnte.“ Ob die Lage am Stadtrand „unzeitgemäß“ sei, wie OBM Ralf Scheler (parteilos) ausführte, könne sie nicht beurteilen. Die Grundversorgung in den Stadtteilen sei laut neuem Einzelhandelskonzept gegeben. Damit wäre eine Ansiedlung von Edeka als sogenannter Vollsortimenter an der Ziegelstrasse nicht notwendig. Das werte Eilenburg als Mittelzentrum zwar auf und locke „Ortsfremde“ an. „Darin erkenne ich aber keine qualitativen Vorteile für mich als Eilenburgerin.“ Für die Bürger bedeute das mehr Verkehr, mehr Lärm und Schmutz, höhere Aufwendungen für die Strassenunterhaltung. „Deshalb habe ich im Stadtrat auch gegen diesen Standort gestimmt.“ Für den wöchentliche Großeinkauf und für umliegende Ortschaften bedürfe es nicht unbedingt einer zentralen Lage.

Peter Burck (Bündnis 90/Die Grünen) verwies auf die kompetente Präsentation von Edeka im Stadtausschuss und viele Gespräche mit Ex-OBM Wacker, wie das Auseinanderdriften von Ost und Mitte eingedämmt werden könnten. Auch für ihn ist der neue Edeka-Standort von Vorteil. Darauf, dass sich die frühere Eigentümerin des Marktkauf-Standortes lange nicht kompromissbereit zeigte und der Nachfolger nun neue Pläne hegt, sollte die Stadtverwaltung jetzt „keine Rücksicht mehr nehmen“. Mehr Verkehr in der Stadt sah Burck deswegen nicht: „Im Stadtausschuss war von einem 40-Tonner pro Tag mit neuen Waren die Rede.“ Das Ratsmitglied befürchtet eher, dass viele Bürger, die nicht nur Discounter bevorzugen, nach Wurzen oder Leipzig ausweichen. Dennoch zeigt sich Burck froh, dass die Kämmerin zur Sicherheit eine Kreditaufnahme – mit zwei Millionen Euro etwas weniger als der Grundstücksverkauf an Edeka nach den erforderlichen Formalitäten einbringt – eingeplant hat. „Ein Rückzieher würde sonst den ganzen Haushalt durcheinanderwirbeln.“ Auch Stadträtin Ellen Häußler (FUW) steht zur Standortentscheidung Ziegeleistraße. Das Edeka-Konzept mit dem Frische- und Regionalangebot, der Kombination von höherwertigen mit preiswerten Sortimenten habe sie ebenfalls überzeugt. Für den Toom-Baumarkt an der B 87, bedauert sie, sei die „Situation zurzeit aber nicht so toll“.

Volker Enigk (CDU) wollte sich zum Thema später äußern. „Ich möchte darüber zuerst mit meiner Fraktion und dem Oberbürgermeister reden.“

Von Karin Rieck

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