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Eilenburg Eilenburg hat mit Andreas Irmscher einen Integrationskoordinator
Region Eilenburg Eilenburg hat mit Andreas Irmscher einen Integrationskoordinator
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07:00 28.02.2017
Andreas Irmscher an seinem Arbeitsplatz im Eilenburger Haus VI. Quelle: Matthias Klöppel
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Eilenburg

Noch geht es für Andreas Irmscher vor allem darum, Fuß zu fassen und ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Der 35-jährige Soziologe arbeitet seit Jahresbeginn als kommunaler Integrationskoordinator in Eilenburg. Hat damit eine Stelle inne, die erst kürzlich geschaffen wurde und von der nur neun weitere im Landkreis Nordsachsen existieren. Im Interview spricht er über die großen Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit, die aktuelle Situation in der Muldestadt sowie bestehende und geplante Angebote für Asylbewerber.

Herr Irmscher, was genau sind die Aufgaben eines kommunalen Integrationskoordinators?

Wie der Name schon sagt: Ich koordiniere alles, was mit dem Thema Flüchtlinge zusammenhängt. Das klingt jetzt erst einmal sehr abstrakt. Konkret bedeutet es, dass ich in Eilenburg der zentrale Ansprechpartner in Integrationsfragen bin. Für den Landkreis, Schulen und Kitas, Ärzte, Verbände, Sozialarbeiter, Ehrenamtliche – eben alle Akteure aus den Bereichen Asyl und Integration.

Sie sind sozusagen das Bindeglied zwischen Landkreisebene, ehrenamtlichen Helfern und den Flüchtlingen selbst?

Genau. Meine Aufgabenliste ist dementsprechend lang und vielfältig. Ich erarbeite unter anderem integrative Konzepte, pflege und stelle Kontakte her, betreibe Öffentlichkeitsarbeit, organisiere Veranstaltungen, ermittle Weiterbildungsmöglichkeiten für Ehrenamtler. Mit den Alltags- und Behördenproblemen der Asylbewerber bin ich hingegen selbst nicht konfrontiert. Dafür ist der Sozialarbeiter (Stefan Krippendorf, Anm. d. Red.) zuständig.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen in der Arbeit mit Migranten?

Zum einen ist da die Sprachbarriere. Damit sich Flüchtlinge selbst einen Beruf suchen können, müssen sie ja mit ausreichenden Sprachkenntnissen ausgestattet sein. Das zu gewährleisten, ist schwierig und geht nicht von heute auf morgen. Dafür braucht es einen längeren Atem. Auf der anderen Seite wollen viele Zuwanderer sofort arbeiten und Geld verdienen. Sie davon zu überzeugen, dass eine Ausbildung oftmals die bessere Perspektive bietet, ist ebenfalls eine große Herausforderung. Das haben mir auch die Erfahrungen aus Magdeburg und Wittenberg gezeigt, die ich dort zwei Jahre lang als Flüchtlingssozialarbeiter gesammelt habe.

Inwiefern unterscheidet sich die Situation in diesen Städten mit der in Eilenburg?

In Eilenburg leben meines Wissens nach rund 180 Asylbewerber, plus etwa 90 Personen mit einem befristeten Bleiberecht. Im Ganzen ist das eine vergleichsweise niedrige Zahl. Auch deshalb hat sich hier – anders als etwa in Wittenberg – das Straßenbild kaum verändert. Das Besondere an der Muldestadt ist jedoch der hohen Familienanteil. Zudem sind hier alle Flüchtlinge dezentral in Wohnungen untergebracht. Probleme, die mit Gemeinschaftsunterkünften verbunden sind, bestehen demnach nicht. Vielmehr ist es weitgehend ruhig und entspannt. Ich würde sogar sagen: Es ist wieder ein Stück weit Normalität eingekehrt.

Das liegt sicherlich auch daran, dass das ehrenamtliche Engagement in Eilenburg relativ groß ist. Worauf können Sie zum Beispiel verweisen?

Hervorzuheben sind natürlich die Flüchtlingspaten, die sich einmal im Monat treffen und auf vielfältige Weise Unterstützung leisten. Da läuft alles sehr professionell ab. Im Haus VI werden regelmäßig Sachspenden entgegengenommen. Zuletzt waren das vor allem Spielsachen, Haushaltsgegenstände und Fahrräder. Immer gut besucht ist das Café International. Dort können sich Flüchtlinge und Eilenburger Bürger bei Kaffee und Kuchen kennenlernen. Außerdem wird jeden Mittwoch ein Handarbeitskurs in der Arche veranstaltet. Das ist gerade für die zugewanderten Frauen positiv. So haben sie eine Möglichkeit, aus ihrem häuslichen Umfeld herauszukommen.

Und welche spezifischen Angebote sind für die Zukunft geplant?

Relativ zeitnah soll ein integrativer Sporttreff etabliert werden, der jedem Alter und Geschlecht offensteht. Die Turnhalle der Volkshochschule wäre eine entsprechende Bühne. Dort könnte zum Beispiel Fußball gespielt werden. Von Seiten der Stadtverwaltung gibt es schon länger die Idee, einen Schwimmkurs für Flüchtlingskinder anzubieten. Viele können sich nämlich nicht von alleine über Wasser halten. Schließlich wird überlegt, auf dem großen Platz vor dem Haus VI zu einer Verkehrsschulung für Asylbewerber einzuladen. Mit der Polizei ist darüber schon gesprochen worden. Das kann Spaß machen und hätte einen sinnvollen Effekt.

Von Matthias Klöppel

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