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Eilenburg Eilenburg ist sachsenweite Hochburg von Puppenstuben
Region Eilenburg Eilenburg ist sachsenweite Hochburg von Puppenstuben
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00:19 22.06.2017
Petra Zimmermann und Peter Solluntsch auf der Schmetterlingswiese im Eilenburger Stadtpark. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Dass Eilenburg eine Stadt mit grünem Herzen ist, ist hinlänglich bekannt. Dass sie aber auch sachsenweit als eine der Hochburgen von Puppenstuben gilt, dürfte sich so noch nicht herumgesprochen haben. Gemeint sind damit aber nicht die selbst gebastelten Häuser im Miniatur-Format fürs Kinderzimmer, sondern Grünflächen, die faltergerecht bewirtschaftet werden und damit für Schmetterlinge und andere Insektenarten wie Wildbienen oder Heuschrecken wieder neue Lebensräume erschließen.

Eilenburg stellt Flächen zur Verfügung

Die Muldestadt will ein Beispiel geben, wie die Artenvielfalt bei Schmetterlingen und Bienen erhöht beziehungsweise erhalten werden kann. 2016 schloss sich Eilenburg deshalb in Sachsen der Mitmachaktion an. An verschiedenen Standorten, darunter im Stadtpark und in der Fischeraue, in der Schreckerstraße am Landratsamt und in der Dobritzmark stellte die Stadt Flächen zur Verfügung, die durch eine spezielle Mahd – und diese auch nur zwei- bis dreimal pro Jahr – ökologische Funktionen erfüllen sollen.

Aktion trifft nicht nur auf Akzeptanz

Das ist der Anspruch, dem sich die Eilenburger stellen. Diesen der Bevölkerung verständlich zu machen, stößt auch auf Hindernisse, weiß Peter Solluntsch vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen. Er begleitet die Aktion und ist froh über die „fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt Eilenburg“. Um über Sinn und Zweck zu informieren und zu erklären, warum an dieser Stelle Blumen, Gräser und Pflanzen zeitweise ungehinderten Wuchs haben, wurden auf den betreffenden Flächen Schilder mit der Aufschrift: „Diese Wiese wird als Lebensraum für Schmetterlinge bewirtschaftet“ aufgestellt. Abgedruckt ist auch ein QR-Code, über den, eingelesen übers Smartphone, weitere Infos über das Projekt zu haben sind. Ganz so wie erwünscht ist die Akzeptanz allerdings nicht immer. Die ersten Schilder mussten schon wieder ersetzt werden, eines wurde wenige Tage nach dem Wiederaufstellen erneut beschädigt.

Viele Fragen zur Rasen-Mahd

Dass die Informations-Weitergabe aber durchaus sinnvoll ist, zeigen Fragen von Eilenburgern und Gästen, die angesichts ungepflegt wirkender Rasenflächen im Stadtgebiet an Stadtverwaltung und Verband immer wieder herangetragen werden. Der Grund dafür ist aber ganz einfach: Die meisten Schmetterlings-Arten leben in gehölzfreien oder nur mit einzelnen Gehölzen bewachsenen Lebensräumen wie Wiesen, Trockenrasen, Waldlichtungen, Gehölz- und Wegrändern. Diese Wiesenart zu erhalten, bedeutet sie zu beweiden oder zu mähen. Mit moderner Mahd-Technik, so mahnt die Stiftung, könnten große Flächen zwar an einem Tag komplett gekürzt werden. Neben moderner Technik wie Motorsägen, Rasenmäher, Laubbläser und -sauger aber kommen auch Chemie und Pestizide und Dünger zum Einsatz. Dabei aber würden die meisten Entwicklungsstadien der Schmetterlinge vernichtet, das hat europaweit mittlerweile zu einem drastischen Rückgang der Tagfalter geführt.

Und so sind Bahnen, Streifen und Wellen, Kreise oder andere Muster durchaus gewollt, wie Petra Zimmermann vom Fachbereich Bau sagt. „Wir legen aber schon Wert darauf, dass die Abgrenzung zu den Wegen ordentlich ist.“ Kurzrasige Grasflächen würden dem Anliegen nicht gerecht.

Das Programm „Puppenstuben gesucht“ richtet sich als sachsenweite Mitmachaktion an Gartenfreunde, Großvermieter, Schulen, Kindergärten oder andere Nutzer von Grundstücken, auf denen wieder Schmetterlinge fliegen sollen. Und mit den Faltern werden auch andere Insekten wie beispielsweise Wildbienen und Heuschrecken zurückkommen. Bislang verzeichnet das Projekt über 60 registrierte Schmetterlingswiesen. Weitere Akteure sollen gewonnen werden.

Für Fragen steht der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen (Dr.-Belian-Str. 4, 04838 Eilenburg, Tel. 03423 70973924) zur Verfügung, weitere Informationen im Internet unter www.schmetterlingswiesen.de

Von Kathrin Kabelitz

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