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Eilenburg soll stolpern

Eilenburg soll stolpern

Vor einem Jahr hatte die Muldestadt keinen - jetzt hat sie zehn. Bildhauer Gunter Demnig verlegte am Montag in der Bergstraße, Am Ehrenfriedhof und in der Eckartstraße fünf neue Stolpersteine.

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Putzen gegen das Vergessen: Gunter Demnig hat an der Bergstraße drei Stolpersteine im Pflaster versenkt und putzt sie sauber. Eilenburg hat jetzt insgesamt zehn dieser Erinnerungsstücke.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Jene kleinen Beton-Quader, die mit einer beschrifteten Messingplatte versehen vor den letzten Wohnorten an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. In diesem Fall, wie berichtet, an Familie Suchestow, an Werner Glaser und an Otto Tuchel.

Mit seinem Kunstprojekt hat der Kölner europaweit Zeichen gesetzt. In Eilenburg möglich gemacht hatte dies ein Projekt vom DGB, dem Verein Erich-Zeigner-Haus Leipzig und dem Rinckart-Gymnasium. 2013 begannen Neuntklässler unter Anleitung ihrer Lehrerinnen Steffi Schober und Sylvia Kristalla, die Geschichte von fünf Holocaust-Opfern zu erkunden. "Ich war anfangs skeptisch", bekennt Kristalla. Immerhin hatte es der Museums- und Geschichtsverein versucht, verfolgte das Projekt aber nicht weiter, weil er den Anspruch an Vollständigkeit der Fakten nicht erfüllt sah. Die Schüler konnten auf diesen Ergebnissen sowie Recherchen des Vereins aufbauen. Im Mai war Demnig erstmals da, fünf Steine wurden an der Bergstraße, in Kospa und in der Puschkinstraße verlegt. Danach wurde das Projekt fortgesetzt. Nach Gesprächen mit Zeitzeugen, Recherchen in Archiven und dem Lesen von Zeitdokumenten haben die Schüler die Lebensgeschichte engagiert von weiteren fünf Eilenburgern erforscht. "Da waren wir schon stolz auf jede Info, die wir herausbekommen haben", sagt Zehntklässlerin Swantje Schabehorn.

Zum Projekt gehörte mehr. Geld musste gesammelt werden, Genehmigungen eingeholt, Einladungen verschickt, ein würdiger Rahmen für den Tag des Verlegens geschaffen werden. So auch gestern. OBM Hubertus Wacker (parteilos), Vertreter der Stadt, des DGB, der Lehrer-Gewerkschaft sowie Bürger sind da. Demnig, der Mann mit dem Hut, der Weste und dem roten Halstuch, braucht, begleitet von Saxophon-Klängen von Toni Sommer, nur wenige routinierte Handgriffe. Dann sind die zehn mal zehn Zentimeter großen Würfel, allesamt in Handarbeit geschaffen, bündig im Pflaster versenkt. Bin Le Minh Hang, Swantje Schabehorn, Thi Nguyen Dinh und ihre Mitschüler tragen vor, was sie zusammengetragen haben. Ein Akt, dem Ältere mit Respekt begegnen. Edgar Otto (92) hat Otto Tuchel, der 1945 den Todesmarsch überlebte und 1986 starb, persönlich erlebt, "als aufgeschlossenen, interessierten Menschen". Dass Jugendliche sich auf diese Weise der Geschichte nähern, verfolge er mit Freude. Sichtlich bewegt nahm auch Sonja Fritzsche, die Tochter von Otto Tuchel, Anteil: Die Erinnerung an ihn und die anderen Opfer "würde sonst verloren gehen".

Das Projekt der Schüler ist beendet. Material für weitere fünf Steine wäre da, so Kristalla. Schüler und Lehrer hoffen, dass sich Eilenburger finden, die den symbolischen Staffelstab übernehmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2015
Kathrin Kabelitz

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