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Eilenburg will den „Roten Hirsch“ komplett von der Sparkasse übernehmen

Neue Pläne Eilenburg will den „Roten Hirsch“ komplett von der Sparkasse übernehmen

Pächter für die Gaststätte gefunden, Pächter wird gesucht – seit der Wiedereröffnung 2003 gab es viel Bewegung im Erdgeschoss des „Roten Hirsches“ in Eilenburg. Seit Ende 2014 läuft die Suche nach einem neuen Betreiber. Den soll es nun mit der Stadt Eilenburg geben, der 60 Prozent des Gebäudes gehören und die den Anteil der Sparkasse Leipzig kaufen will.

Die Stadt Eilenburg will den Anteil der Sparkasse am Roten Hirsch in Eilenburg kaufen und hier die Bibliothek integrieren. Im November entscheidet der Stadtrat.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Das Eilenburger Gasthaus „Zum Roten Hirsch“ könnte Bibliothek werden. Dafür will die Stadt Eilenburg, der das Gebäude bereits zu 60 Prozent gehört, den  Anteil der Sparkasse Leipzig kaufen. Konkret geht es um Lokal und Küchentrakt. Am 6. November entscheidet der Stadtrat über Erwerb und Umnutzung. Das Aus für die Gastronomie im Erdgeschoss des Hauses, das zudem Stadtmuseum, Museumsshop und Touristinfo beherbergt, wäre damit endgültig. Die Sparkasse, die immer wieder die Suche nach neuen Pächtern starten musste, kann sich damit offenbar arrangieren: „Wir verfolgen eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung, deren Konzept sowohl der Stadt als auch unserem Haus nachhaltig gerecht wird. Dazu zählt auch die Möglichkeit eines Verkaufs“, so Sparkassen-Sprecherin Barbara Bauer.

Gustav Adolf war aufgebahrt

Der um 1562 errichtete Gasthof zählt zu den bedeutendsten Renaissance-Bauwerken Eilenburgs. Immer wieder wird das Gebäude mit dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf in Verbindung gebracht, der, nachdem er in Lützen gefallen war, 1632 im „Roten Hirsch“ aufgebahrt wurde. Im Oktober 1997 kaufte die Sparkasse Delitzsch-Eilenburg die marode Immobilie, um sie zu sanieren. Seit 2003 ist sie wieder zugänglich. Mehrere Lokal-Pächter versuchten hier ihr Glück. Zuletzt war es mit Alexandro Katsikas ein Grieche, der nach nicht mal einem Jahr im November 2014 wieder aufgab. So wie er gaben seine Vorgänger als Gründe für das Scheitern die hohen Betriebskosten an.

Umnutzung schon länger im Gespräch

Völlig überraschend kommt das Vorhaben, im Erdgeschoss nun die Bibliothek unterzubringen, nicht. Immer wieder hatten Sparkasse und Stadt davon gesprochen, dass eine Umnutzung der Räume möglich ist. Und die ist aus Sicht von Heiko Leihe, Leiter des Oberbürgermeisterbereiches, auch sinnvoll. Schon lange habe die Stadt Interesse, dass das Gebäude in einer Hand sei. Das allein begründe aber nicht das Kaufinteresse. Vielmehr biete es sich an, personell wie thematisch Synergieeffekte zu schaffen. Im Haus befindet sich mit dem Museum bereits eine Einrichtung der Kulturunternehmung. In der Stadtbibo, die in der Dr.-Belian-Straße 3 beheimatet ist, kommt es immer wieder zu personellen Engpässen. „Noch eine dritte Mitarbeiterin anzustellen, würde weitere Personalkosten schaffen. Zudem ist die Bibo an sich bereits ein hohes Zuschussgeschäft“, so Leihe. Das habe zu Überlegungen geführt, beide Einrichtungen unter einem Dach zu vereinen. Dies könnte in personellen Notsituationen Entspannung schaffen, die Bibliothek wäre zentral erreichbar, finanzielle Einsparungen seien durch die gemeinsame Nutzung von EDV-Anlagen möglich. Auch inhaltlich verspricht sich die Stadt positive Effekte. Ins Museum kommen schon jetzt viele Schulklassen. Museumspädagogische Angebote ließen sich mit denen der Bibliothek koppeln.

Archiv als Bibo-Nachnutzer

Als mögliche Nachnutzung für die Bibo-Räume ist die Zusammenführung des Stadtarchivs im Gespräch. Bisher  ist dies zweitgeteilt in der Schreckerstraße und über der Bibo untergebracht. Klar ist aber auch, sagt der Stadtrat Ja, wird es mit der Umsetzung mindestens bis Ende 2018 dauern, weil Umbauarbeiten notwendig sind, die hinsichtlich Barrierefreiheit, Denkmalschutz- und Brandschutzauflagen mit enormen Kosten verbunden wäre. Erste Schätzungen belaufen sich auf 500 000 Euro, die teilweise aber mit Fördermitteln abgefedert werden könnten. Zur Kaufsumme halten sich die beteiligten Parteien bedeckt. Im Gespräch ist ein Betrag im unteren sechsstelligen Bereich. Ein verbindliches Angebot, so Leihe, erwartet man nächste Woche.  

Von Kathrin Kabelitz

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