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"Eilenburg wird sich bei 15 000 Einwohnern stabilisieren"

"Eilenburg wird sich bei 15 000 Einwohnern stabilisieren"

Der Ausblick aufs Eilenburger Jahr 2015 ist für Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) ein außergewöhnlicher. Der 59-Jährige wird im August seine Amtszeit beenden.

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Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Im Juni sind Neuwahlen. Er tritt nach 21 Jahren nicht noch einmal an.

Wie ist das Gefühl beim letzten Jahresbeginn im Amt? Endspurt oder Auslauf?

Von Endspurt ist da wohl nicht zu sprechen. Ich will aber nicht sagen, dass ich schon die Bücher geschlossen habe. Gedanklich ist die geordneten Übergabe im Blick und vielleicht noch ein paar Anstriche, die man dem Amtsnachfolger oder der -nachfolgerin mit auf den Weg geben möchte.

Aber es ist doch nun trotzdem einiges im Gang?

Natürlich sind es immer viele Themen, die in einer Stadt wie Eilenburg am Laufen sind: Marktkauf, Amtshaus, Hochwasserschutz zum Beispiel. Auch die B 87n-Diskussion oder das Stadtentwicklungskonzept.

Auch über die Weiterentwicklung des Konzeptes "Muldestadt mit grünem Herzen" hatten wir bereits 2014 gesprochen. Was hat sich tatsächlich getan?

Wir haben verwaltungsintern darüber gesprochen. Den Stadträten wurde das damalige Konzept noch einmal ausgehändigt, um Denkanstöße zu geben. Ob man es nun Stadtentwicklung- oder marketing nennt, die Ziele für die nächsten zehn Jahre müssen definiert werden. Aber es steht erst einmal nicht auf der Agenda. Dort sollen ein neuer Bürgermeister und die Verwaltung maßgeblich mitarbeiten. Auf alle Fälle würde ich davon abraten, solch eine Sache von einem Dritten erstellen zu lassen.

Wo würden Sie Eilenburg in den nächsten zehn Jahren sehen?

Als Mittelzentrum im ländlichen Raum mit attraktiver Infrastruktur - unter anderem den Schulen, als eine Stadt, die lebens- und liebenswert ist.

Immerhin scheint bereits die Nachfrage nach Eigenheimstandorten gestiegen zu sein ...

Wir haben mit den Niedrigzinsen sicher derzeit eine günstige Situation für Häuslebauer. Aber die Lage auf dem Finanzmarkt ist sicher nicht Grund allein, sich für den Wohnstandort Eilenburg zu entscheiden. Es muss schon eine Infrastruktur da sein, die junge Leute brauchen. Wir müssen aber einfach immer noch unser Image ein bisschen verbessern, uns mehr präsentieren, um für Zuzüge interessanter zu werden. Man muss trotzdem wissen: Eine Umkehr der Bevölkerungsentwicklung ist nicht einzuleiten. Eilenburg wird sich in den kommenden Jahren bei 15 000 Einwohnern stabilisieren.

Zum Amtshaus, das mehr als 20 Jahre nach dem Brand mit Notdach auf dem Burgareal steht - welche Ideen gibt es dazu?

Es soll ein Exposé zum Verkauf angefertigt werden. Wir werden das noch einmal in den Ausschüssen diskutieren. Es geht einfach darum, welche Nutzungseinschränkungen es geben soll, welche Forderungen nach öffentlicher Zugänglichkeit die Stadt hat. Ansonsten würde ich einfach versuchen, diese Schwelle so niedrig wie möglich zu halten, damit wir möglichst viele Interessenten bekommen. Es geht darum, dass die Eilenburger Silhouette wieder entsteht, die Ansicht, die vor dem Brand 1994 zu sehen war. Da ist mir die Art der Nutzung im Inneren fast egal. Mit der Ausschreibung soll geprüft werden, ob es private Investoren gibt, die das Objekt möglichst auch mit einer angemessenen Rendite nutzen könnten. Aber das alles muss mit den Stadträten diskutiert werden. Da ist ja zu klären, was wird mit dem Plateau davor? Wie werden wir mit dem Bergfried umgehen, der ja unmittelbar an das Amtshaus angrenzt?

Wie sehen sie derzeit die Integration der Asylbewerber in Eilenburg?

Sie läuft nach meinem Empfinden ohne größere Probleme. Sicher kommt mir einiges zu Ohren, aber das sind eher normale Reibungsverluste. Ich bin froh, dass wir, aber vor allem der Landkreis eine Organisation geschaffen haben, die die Asylsuchenden betreut, die das möglich macht. Ich weiß aber nicht, ob man schon von Integration sprechen kann. Die beginnt für mich erst, wenn die Kinder am normalen Unterricht teilnehmen und die Eltern in das gesellschaftliche Leben, in den Arbeitsprozess einbezogen sind.

Und das dürfte schwer sein für Leute im Asylverfahren ...

Die Vielzahl an Motivationen von Ausländern in Deutschland ist zu differenzieren. Die Bundesregierung will ja erst jetzt definieren, was ist ein Asylsuchender, was ist ein Zuwanderer, was ist ein Flüchtling? Wir brauchen ein klares Einwanderungsgesetz. Da liest man, dass eine 18-jährige Tschetschenin, die sich hier integrieren will, über Nacht des Landes verwiesen und nach Polen geschickt wird. Und diese wollte gerade eine Lehre als Krankenschwester beginnen. Das ist für mich nicht logisch. So was wird auch viele Menschen abstoßen, die sich hier für Integration einsetzen wollen. Vieles ist zurzeit sehr unverständlich.

Was läuft da falsch?

Asylsuchende sind diejenigen, die für eine Zeit hier bleiben wollen, die hier Schutz suchen, die aber irgendwann in ihre Heimat zurückkehren wollen. Aber sicher gibt es auch die, die sich hier einfach ein besseres Leben aufbauen wollen. Das geht nur mit Arbeit, der Möglichkeit hier Geld zu verdienen. Auch diese müssen uns willkommen sein. Andererseits: Wir werden in den nächsten Monaten oder Jahren auch in Eilenburg noch mehr Asylsuchende aufnehmen. Ich vermute, dass es in nächster Zeit seitens des Landkreises eine Ausschreibung gibt, für eine zentrale Unterbringung von 60 Asylbewerbern in der Region Taucha-Eilenburg.

Wo könnte das sein? Am Ende doch das ECW-Verwaltungsgebäude?

Ich weiß es nicht. Aber das ECW-Gebäude ist viel zu groß, die Kosten einer Sanierung zu hoch. Es geht darum, ein geeignetes Objekt zu finden, in Taucha-Eilenburg gibt es derzeit keine zentrale Unterbringungsmöglichkeit. Letztlich kann sich darum jeder bewerben, egal, ob in Jesewitz, Taucha, Eilenburg oder Doberschütz. Generell werden wir uns langfristig an einen Ausländer-Anteil um zehn Prozent gewöhnen müssen. Das Thema wird uns weiter beschäftigen. Es muss auf jeder Ebene und mit allen Altersgruppen diskutiert werden. Wir hatten den Neujahrsempfang deshalb unter das Motto Integration gestellt. Was derzeit in Dresden abläuft, ist ein Versäumnis der Politik der vergangenen Jahre.

Es ist ja nicht so, dass Eilenburg da gar keine Probleme hatte.

Stimmt. Wir hatten auch am Anfang Unterschriftensammlungen gegen Asylbewerber. Es ist ja nicht so, dass die Eilenburger in der Nachbarschaft begeistert waren, es ist auch für sie eine neue Situation. Aber letztendlich gab es niemand, der sich einer solchen Initiative angeschlossen hätte.

Im Rückblick 2014 - was war das Schönste, was das Schlimmste?

Es war ein sehr normales Jahr, in dem wir tatkräftig gearbeitet haben. Wir haben die Kurt-Bennewitz-Straße in Wedelwitz fertiggestellt, den Umbau des ehemaligen Gefängnisses auf dem Burgberg zur Pension gestartet - jedoch alles ohne größeres Aufsehen. Allerdings gab eine Häufung von Bränden, die uns aber letztlich gezeigt haben, dass das System unserer Feuerwehr sehr gut funktioniert. Zum Glück waren keine Personenschäden zu beklagen. Interview: Heike Liesaus

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.01.2015
Liesaus

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Eilenburg in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 46,85km²

Einwohner: 15.452 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 330 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04838

Ortsvorwahlen: 03423

Stadtverwaltung: Marktplatz 1, 04838 Eilenburg

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