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Eilenburg zeigt Herz für Puppenstuben und Schmetterlingswiesen

Saisonauftakt für Schmetterlingswiesen-Projekt Eilenburg zeigt Herz für Puppenstuben und Schmetterlingswiesen

Für die landesweite Aktion „Puppenstuben gesucht – blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ wurde zu Wochenbeginn der Auftakt im Eilenburger Stadtpark vollzogen. Hier soll künftig die Wiese Nummer 67 falterfreundlich gepflegt werden. Zurzeit 75 Flächen dieser Art benötigen aber noch viel Zuwachs.

Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler freut sich über die Tafel für die Schmetterlingswiese Nummer 67 im Stadtpark der Muldestadt.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg.  Streifen und Wellen auf Rasenflächen im Eilenburger Stadtpark oder an der Fischeraue der Muldestadt – so manchen wundert das vielleicht. Doch diese Art der Rasenmahd ist künftig nicht nur hier gewollt. Denn Eilenburg schließt sich mit der Saison 2016 in Sachsen denen an, die Grünflächen faltergerecht bewirtschaften und damit für Schmetterlinge und andere Insektenarten wie Wildbienen oder Heuschrecken wieder neue Lebensräume erschließen.

Ein farbenfroher Infostand auf der Wiese im Eilenburger Stadtpark unweit des Tierparks, ein großer Wiesenblumenstrauß auf dem Tisch, selbst gebackener, mit Blümchen dekorierter Kuchen und Plätzchen in Schmetterlingsform zum Kaffee. Die Partner der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt haben den offiziellen Auftakt in die Faltersaison 2016 zu Wochenbeginn liebevoll ausstaffiert. Und Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler ()parteilos) schwärmt vom „schönsten Park in Nordsachsen“, der für all das, was da kreucht und fleucht als Bleibe gut geeignet sei. Beate Beydatsch von der Stiftung Natur und Umwelt überreicht dem Stadtoberhaupt und Wiesenpartner eine farbenfrohe Tafel mit der Nummer 67, die dem Passanten demnächst erklären soll, warum hier Blumen, Gräser und Pflanzen zeitweise freie Bahn haben. Denn damit die Schmetterlingswiesen nicht als ungepflegt wahrgenommen werden, entwickelte Maik Preßler, Chef des Bauhofs Eilenburg, spezielle Muster, welche die Flächen neben dem Blühaspekt zusätzlich verschönern.

Mehr Nahrung für Schmetterlinge

„Auf blühenden Wiesen finden die Schmetterlinge mehr Nahrung als auf kurzem Rasen“, so Veronika Leißner vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen, der das Projekt vor Ort fachlich begleitet. „Wir sind mit dem Verband im Kontakt, um neben Flächen an der Rosa-Luxemburg-Straße auch andere Areale als Schmetterlingswiesen zu entwickeln. Das ist beiderseits von Vorteil: Blühende Wiesen sparen auch Kosten “, ergänzt Birgit Bendix-Bade, die Chefin der Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft. Kommunale und private Grundbesitzer will Leißner auch in Delitzsch – sie wohnt in der Loberstadt – für das Projekt interessieren. Die Verbandsvertreter aus Torgau und Oschatz deckten sich in Eilenburg mit reichlich Informationsmaterial ein. Die des Naturparks Dübener Heide planen für den 10. Juni in Schnaditz bei Bad Düben ein Wiesenpflanzen-Seminar mit Experten.

Die besondere Mahd macht die Wiese schmetterlingsgerecht

Die besondere Mahd macht die Wiese schmetterlingsgerecht.

Quelle: Wolfgang Sens

In Eilenburg wurde zudem eine neue Tagfalter-App für Sachsen erstmals von Matthias Nuß von der Dresdner Gesellschaft für Naturforschung vorgestellt. Dank deren Hilfe können unkompliziert per PC oder Smartphone 125 im Freistaat vorkommende Tagfalterarten bestimmt und Beobachtungen mitgeteilt werden. „Immerhin sind in Europa 50 Prozent der Schmetterlingsarten und Insekten stark bedroht“, mahnte Hartmut Schwarze, Abteilungsleiter im Sächsischen Umweltministerium. Von 125 der heimischen Tagfalterarten seien bereits 14 Prozent ausgestorben, noch einmal so viele vom Aussterben bedroht und auch ehemals häufige Arten seltener, teilten Umweltverbände vorab mit.

Zahl der Schmetterlingswiesen wächst

Doch seit einem Jahr, seit das Projekt ,,Puppenstuben gesucht - blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ gestartet wurde, sei die Zahl sächsischer Wiesen, auf denen sich Falter im wahrsten Wortsinn wieder entfalten können, gewachsen. Das Kleine Wiesenvögelchen, der Aurorafalter oder der Schwalbenschwanz setzen wieder farbige Tupfer. 75 Wiesen werden inzwischen faltergerecht bewirtschaftet. „Das zeugt vom Interesse der Städte und Gemeinden, der Wohnungsvermieter und vieler Menschen, die sich auch privat für die Schmetterlinge engagieren“, freut sich die Stiftung. „2016 möchten wir die Aktion fortsetzen, weitere Akteure gewinnen und damit die Artenvielfalt in den Städten und Dörfern erhöhen.“ Um den Rückgang der Schmetterlinge zu stoppen, müssten noch viele weitere Wiesen schmetterlingsgerecht gepflegt werden.

Mit Sense und Balkenmäher

Deshalb kommt auch die Praxis an diesem Montagnachmittag im Eilenburger Park nicht zu kurz: Experten zeigen, wie mit Streifenmahd per Sense oder Balkenmäher die Schmetterlingswiese richtig gepflegt wird. Auf der Internetseite www.schmetterlingwiesen.de ist entsprechendes Wissen detailliert zu haben. Dazu gehören die Förderung von Nahrungspflanzen für Raupen und Falter genauso wie die Reduzierung der Mahd und der Einsatz geeigneter Technik. Eine Schmetterlingswiesenbörse soll Wiesenbesitzer und -pfleger schließlich zusammenbringen. Eine Sachsenkarte zeigt die Standorte der Schmetterlingswiesen. Naturfreunde können einen Blog schreiben, ihre Erfahrungen allen zur Verfügung stellen, Mitakteure voneinander lernen.

Service: Weitere Informationen zum Projekt gibt es beim Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen in Eilenburg und im Internet unter www.schmetterlingswiesen.de

Von Karin Rieck

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