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Eilenburg Eilenburg zieht Bilanz: 18 Millionen Euro flossen in die Altstadtsanierung
Region Eilenburg Eilenburg zieht Bilanz: 18 Millionen Euro flossen in die Altstadtsanierung
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17:29 30.09.2018
Das Sanierungsgebiet Altstadt wird jetzt abgeschlossen. Romy Wahrburg (links) und Petra Zimmermann haben es gemeinsam mit Katrin Budras über ein Vierteljahrhundert begleitet und blicken vom Burgberg auf das Geschaffene. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

Im Stadtrat gibt es an diesem Montag die harten Fakten. Rund 18 Millionen Euro flossen im zurückliegenden Vierteljahrhundert in die Eilenburger Altstadtsanierung. Die Zahl beeindruckt allein durch ihre Größe. Doch Petra Zimmermann, Fachbereichsleiterin Bau und Stadtentwicklung im Rathaus, hat auch einen ganz persönlichen Blick darauf.

Der Abgrenzungsplan von Eilenburg zeigt das ausgewiesene Sanierungsgebiet Quelle: STEG

Wohnhäuser hatten das Klo auf der halben Treppe

Es muss 1991 gewesen sein, erinnert sich die Ur-Eilenburgerin. Ein Johann Schiefele von der Sanierungsgesellschaft STEG aus Stuttgart hatte sich angekündigt. Er trat dann ins Büro und sagte so was wie: „Okay, sie machen hier also die Stadtplanung.“ Und erklärte dann: „Es gibt da im Baugesetzbuch den Abschnitt Stadtsanierung, bei dem der Bund und teilweise auch das Land zahlen.“ Als er dann noch hervorhob, dass es hauptsächlich um die Sanierung von Innenstädten geht, damit dort wieder Leute wohnen, sei ihr Interesse geweckt gewesen, erinnert sich die Architektin. Doch ein gewisses gesundes Misstrauen habe sie damals trotzdem gehabt, gibt die heute 59-Jährige, die inzwischen auf 25 Jahre konstruktive freundschaftliche Zusammenarbeit mit der STEG und eben besagten Herren zurückblickt, zu. Deshalb habe man im März 1993 auch nur mit dem kleinen Bereich, dem historischen Quartier Torgauer Straße Nord, begonnen. „Dort“, so erinnert sich Petra Zimmermann, „wo in der Torgauer Straße das Grau in Grau dominierte, der Rote Hirsch zerfiel, die Wohnhäuser das Klo auf der halben Treppe hatten.“

Viele Gespräche mit den Einwohnern

Die Grundstücke an der Torgauer Straße reichten damals handtuchförmig bis zur Kleinen Mauerstraße. Hier galt es nun Licht und Luft in die eng bebauten Hinterhöfe zu bringen und neues Baurecht zu schaffen und mit einer inneren Erschließung aufzuwerten. „Eigentlich“, so Petra Zimmerman, „wurde uns hier das Instrument der Umlegung als behördliches Verfahren ans Herz gelegt.“ Doch sie war sich mit dem damaligen Oberbürgermeister Hubertus Wacker einig: Das brauchen wir nicht, das machen wir persönlich. „Und tatsächlich“, so erzählt sie auch mit unüberhörbaren Stolz, „haben wir uns das amtliche Verfahren durch viele, viele Gespräche gespart. Da möchte ich mich auch gern noch mal bei den Grundstückseigentümern bedanken, die unsere Visionen teilten und Vertrauen entgegengebracht haben.“ Die Grundstücke wurden sinnvoll geordnet, verkauft, gekauft und getauscht, die Stadt konnte die Fläche für die Schwedengasse erwerben. Das habe, wie später auch alle anderen Projekte, auch immer viel Hintergrundarbeit im Rathaus gekostet. „Und da konnte ich von Anfang an und bis heute insbesondere auf Katrin Budras und Romy Wahrburg zählen.“

Auch der Burgberg kam dazu

Nachdem das erste Geld, tatsächlich wie versprochen, unkompliziert geflossen war, wurde 2001 das bereits damals 21 Hektar große Burgberggebiet noch um den Hang erweitert. Dessen Sicherung war technisch schwierig und spannend. Denn unsere Vorfahren haben die oberen Meter des Hangs nur aufgeschüttet. Mit riesigen, bis zu 30 Meter langen aufgespreizten Dübeln musste eine ganz neue technische Lösung gefunden werden. „Das hier 3,5 Millionen Euro in die Erde geflossen sind, sieht heute keiner“, so Petra Zimmermann. Doch das System hat seine Bewährungsprobe bestanden: Denn als 2011 tatsächlich der östliche Hang in die Mühlstraße rutschte, blieben die gesicherten Hangbereiche und damit alle Gebäude stehen.

Bewohner der Bergstraße evakuieren?

In diesem Zusammenhang hätte Anfang des Jahrtausends übrigens auch Hubertus Wacker die vielleicht schwerste Entscheidung seiner Amtszeit treffen müssen: Wird die Bergstraße angesichts der als unsicher erkannten Aufschüttung, in der sich auch noch Sandlinsen befinden, evakuiert oder nicht? Es wurde nicht und inzwischen ist der städtische und kirchliche Bereich des Burgbergs sicher.

Über 100 Wettbewerbsbeiträge für Marktplatz

Gut in Erinnerung ist Petra Zimmermann der in ihrer Zeit einzige städtebauliche Wettbewerb für den Markt/Nikolaiplatz geblieben. „Das war 1996 und wir hatten sage und schreibe 125 Wettbewerbsbeiträge.“ Die Nikolai-Kirche hat die Ausstellung im Kirchenschiff gestattet. Nicht nur, weil es Eilenburger gegeben hat, die in diesem Zusammenhang erstmals überhaupt ihren Fuß in die Kirche setzten, habe dies viel gebracht. Es habe eine ganz andere öffentliche Wahrnehmung für den unmittelbaren Marktplatzbereich, der dann 1998 nach einem Vorschlag eines Büros aus Trier gestaltet wurde, gegeben.

Der Nikolaiplatz gleich nebenan, der ebenfalls Wettbewerbsbestandteil war, blieb allerdings unangefasst. „Da ist uns einer Änderung der Förderrichtlinien in die Quere gekommen“, erklärt Petra Zimmermann. Denn während am Anfang auch Natursteinpflaster finanzierbar gewesen wäre, gab es später eine Pauschale. „Damit hätten wir uns nur Betonsteinpflaster leisten können, ein No-Go auf diesem historischen Stadtplatz.“ Dass die Förderrichtlinie seit diesem Jahr wieder Natursteinpflaster möglich macht, kam für den Eilenburger Nikolaiplatz zu spät. „Doch das Ende des Programms muss ja nicht das Ende der Eilenburger Altstadtsanierung bedeuten“, blickt Petra Zimmermann nach vorn.

Am Anfang der Stadtratssitzung, die an diesem Montag 16.30 Uhr im Bürgerhaus beginnt, wird es eine halbstündige Präsentation der Sanierungsgesellschaft STEG geben.

Von Ilka Fischer

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