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Eilenburg Eilenburger Amtsgerichts-Geschäftsführerin geht in Ruhestand
Region Eilenburg Eilenburger Amtsgerichts-Geschäftsführerin geht in Ruhestand
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06:00 31.05.2017
Auch Klaus Göldner (links), der ehemalige, und Norbert Schwarzer, heutiger Direktor des Amtsgerichts, schenken Waltraud Grundmann zum Abschied Blumen. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Und was ist mit den Duschen? Deren Fehlen galt als Running Gag auf den Fluren des Eilenburger Amtsgerichts. Denn bevor sie installiert sind, so die Legende, dürfte Geschäftsführerin Waltraud Grundmann nicht gehen. Schließlich hat sie doch sonst für alles gesorgt. Somit konnte sich keiner vorstellen, wie es ohne die „Mutter der Kompanie“ in der Walther-Rathenau-Straße 9 weitergehen soll. Doch solch ein imaginärer Riegel ist zwar durch Ausstattungs-Verordnungen fest begründet, aber er hält die Zeit nicht auf. Am Montag wurde Waltraud Grundmann nach 47 Jahren im Dienst der Justiz verabschiedet. Großer Bahnhof im Amtsgericht, der aber heimlich vorbereitet war. Gratulationen und Ansprachen gab’s dann unter anderem vom heutigen Amtsgerichtsdirektor Norbert Schwarzer, ebenso von dessen Vorgänger Klaus Göldner und von Kai-Uwe Deusing, Vizepräsident des Leipziger Landgerichts. „Ich hatte mir jemand aus Mecklenburg-Vorpommern ganz anders vorgestellt“, erklärte der Ministerialrat. Nicht nur er lobte die Offenheit und das Durchsetzungsvermögen der 65-Jährigen, die dank ihrer Qualifikationen seit 2009 auch zur Justizamtsrätin befördert ist. Sie hat sie alle beeindruckt. Für sie traten Amtsrichterin Carmen Grell und Vizedirektor Thomas Gast gar Saxofon-Keyboard-Duo, spontan „Law & Order“ genannt, auf und brillierten mit Pink-Panther- und James-Bond-Melodie als kultureller Rahmen.

Kollegen vor Karriere

Waltraud Grundmann hatte 1970 in Malchin ihre Ausbildung zur Justizsekretärin gestartet. Die Liebe brachte sie 1973 nach Nordsachsen. Bei der Abschiedsfeier waren auch die beiden Kinder und der Enkel dabei. Die Delitzscher Rechtsanwältin Dagmar Perlwitz, eine Vertraute schon seit den Anfangs-Jahren, erinnerte daran, dass Leben Veränderung ist, und dass auch in einer Laufbahn, die so ungebrochen erscheint, viele Veränderungen bewältigt werden mussten. Weitere Berufs-Stationen: 1991 Geschäftsführerin am Delitzscher Amtsgericht, 2001/2002 Organisation der Zusammenführung der Amtsgerichte der Lober- und der Muldestadt. Doch als ausgerechnet im August 2002 Eilenburg vom Hochwasser geflutet wurde, ließ sie einen karrierefördernden Lehrgang sausen, um die Schadensbeseitigung zu koordinieren.

Rekordverdächtig

So eine lange Amtszeit an einem Gericht ist Rekord, stellte Schwarzer fest, deutschlandweit bestimmt, möglicherweise weltweit. Und nun? Sie hat einen Garten. „Außerdem mache ich meinen Sport und meine Freunde sind auch im Ruhestand“, erklärte die Noch-Geschäftsführerin, die seit Dezember 65 Lenze zählt. Sie kümmerte sich um berufliche Probleme ihrer Mitarbeiter, wusste aber ebenso im Privaten Rat. Dank ihr gibt es Blutspendetermine direkt im Gericht. Sie sorgte sich selbst noch um Knöpfe und Besätze an Richterroben. Dass alle nur von der „Chefin“ sprachen, habe ihn nur am Anfang irritiert, sagte Schwarzer. Wie ist so ein Berufsleben zu dokumentieren und zu würdigen? Die 66-köpfige Amtsgerichtsmannschaft hat ein gemeinsames Buch mit dem Titel „Die Chefin“ kreiert. Beiträge geschrieben oder dafür Modell gestanden.

Testmodell zur Garten-Nutzung

Selbst Nachfolgerin Kathrin Kiesling ist nicht allein Wunschkandidatin des Direktors, sondern auch der Geschäftsführerin, die immer einen Plan in der Tasche hatte, falls irgendwo Geld locker gemacht wurde, so dass Eilenburg mit beneidenswerter Ausstattung dasteht. Nur die Sache mit den Duschen. Da müssen sich die Kollegen selbst helfen, wenn sie ihren Arbeitsweg per Rad zurücklegen und nicht verschwitzt vor Zeugen und Angeklagten sitzen wollen. Und sie zeigten schon mal, dass sie auch können: Die „Testversion“ bestehend aus Metallstab, Plastesack, Schlauch gab’s als Scherz-Geschenk. Das Modell „VWV Kaltwasser“ soll nicht allein auf Gerichtsgängen, erklärte der Direktor augenzwinkernd, sondern vor allem im Grundmann-Garten in die Testphase gehen. So könne sie gleich weiter für ihr Team wirken.

Von Heike Liesaus

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