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Eilenburger Amtshaus wird jetzt europaweit zum Verkauf angeboten

Stadtrat Eilenburger Amtshaus wird jetzt europaweit zum Verkauf angeboten

Was wird aus einem der Wahrzeichen der Eilenburg? Über die Ausschreibung zum Verkauf soll nun versucht werden, für das alte Amtshaus, das seit über zwei Jahrzehnten nach einem Brand nur notgesichert auf dem Burgberg steht, eine Perspektive zu finden.

Das Amtshaus soll nun getrennt vom Mauerturm zum Verkauf ausgeschrieben werden.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Was soll aus dem Amtshaus auf dem Burgberg werden? Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht es nach einem Brand nur notgesichert hoch über Eilenburg. Der Stadtrat hat in der Sitzung am Montag nach heftigen Diskussionen mehrheitlich beschlossen, das Objekt europaweit zum Verkauf auszuschreiben. Die Hoffnung: Einen Interessenten zu finden, der eine Nutzungsidee entwickelt, mit der Eilenburg leben kann. Das Dilemma: Welche Nutzung könnte das denkmalgeschützte Objekt bekommen? Wer könnte oder wollte die aufwendige Sanierung mit Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro finanzieren? Die Stadt kann es nicht. Touristische, gastronomische Konzepte, karitative Zwecke wie Kinderhaus oder Hospiz, kulturelle, gemeinnützige, sonstige kreative Konzepte, Wohn- oder gewerbliche Nutzung standen als Möglichkeiten im Exposé.

Spendengelder stecken im Mauerturm

Erneut unter anderem vom ehemaligen Bürgermeister und Burgvereinsmitbegründer Herbert Poltersdorf aufgeworfen, wurde die Frage nach Spendengeldern in Höhe von 60 000 D-Mark, die einst für den Wiederaufbau des Amtshauses eingeworben wurden. „Spenden, die für einen bestimmten Zweck gegeben wurden, kann man nicht für etwas anderes nehmen“, so Stefanie Riedl, damals für die Vereinskasse verantwortlich, in der Einwohnerfragestunde. „Die Mittel wurden 2003 vom Burgverein für die Sanierung des Mauerturms freigegeben und eingesetzt“, erläuterte Ulrike Glück, Chefin des Bereichs Finanzen und Controlling. Auch Steffi Schober, CDU-Stadträtin und heutige Vorsitzende des Burgvereins, hatte das so Briefen entnommen, die ihre Vorgänger mit der Stadtverwaltung gewechselt hatten: „Der Vorstand hatte damals so entschieden, weil städtische Eigenmittel für den Mauerturm fehlten.“

Burgverein nutzt Turm

Der Turm, der direkt am Amtshaus steht, wird vom Burgverein bewirtschaftet, der unter anderem auch in die Anlagen für die Beflaggung und Beleuchtung investiert habe. Steffi Schober sprach sich vehement dagegen aus, dass der Turm mitverkauft werden könnte: „Das ist ein No-Go. Noch dazu, weil Spendengelder der Bürger dort geflossen sind.“ Eine Nutzung für Wohn-, gewerbliche oder überhaupt kommerzielle Zwecke würde sie zudem komplett aus der Amtshaus-Ausschreibung herausnehmen. Zur Immobilie gehört das Grundstück ringsum, das bisher für jedermann zugänglich ist. „Irgendwann, in drei Generationen, wird es den Eigentümern zu unruhig, dann kommt ein Zaun. Und unsere Urenkel werden sagen, was habt ihr damals gemacht?“ Eilenburg sei nicht mehr reich an historischen Bauten, die Stadt sollte sich nicht einfach von den Beständen trennen. Sie verwies auf das Zitat „Der Besitz macht nicht halb so glücklich, wie der Verlust unglücklich macht.“

Debatte um kommerzielle Nutzung

Ellen Häußler indessen plädierte dafür, die Nutzungsmöglichkeiten nicht zu weit einzuschränken: „Wenn wir nur für karitative und gemeinnützige Zwecke ausschreiben, können wir uns das Geld für die Ausschreibung auch schenken.“ Silvia Postel (SPD) konnte sich mit einer kommerziellen Nutzung anfreunden: Ein Schulungshotel zum Beispiel würde das Areal auch unter der Woche beleben, wenn sonst kaum jemand auf dem Burgberg ist.

„Wir fassen heute nicht den Beschluss zu verkaufen, sondern um auszuschreiben“, warb Scheler. So ließen sich Ideen erst finden. Da dürfe es keine Denkverbote geben. „Gehen wir den Schritt nicht, werden wir Probleme haben, das Objekt auf Dauer adäquat zu erhalten“, unterstrich Ulrike Glück.

Am Ende wurde Wohnen als Nutzungsmöglichkeit aus dem Beschlussvorschlag gestrichen, der Mauerturm aus der Ausschreibung getrennt, auf die Formulierung „meistbietend“ verzichtet. Damit konnte unerwartet der Großteil der Stadträte leben. Es gab eine Gegenstimme, zwei Enthaltungen.

Von Heike Liesaus

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