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Eilenburg Eilenburger Caritas-Werkstatt verhilft Möbeln aus zweiter Hand zu neuem Einsatz
Region Eilenburg Eilenburger Caritas-Werkstatt verhilft Möbeln aus zweiter Hand zu neuem Einsatz
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10:15 14.09.2017
Ingolf Glorius saugt eine der Couches ab. Mike Wuttke und Detlev Herre schrauben an einem Jugendzimmer-Möbel. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Die Wohnzimmereinrichtung soll einer Neuanschaffung weichen, doch eigentlich ist sie viel zu gut erhalten. Aber wem könnte sie noch nutzen? Die Eilenburger Möbelwerkstatt der Caritas bringt seit mehr als einem Jahrzehnt Möbelspendenwillige und -empfänger zusammen. Holger Langer leitet die derzeit achtköpfige Truppe. Er kann längst einschätzen, ob angebotene Stücke Aussicht haben, über diesen Weg neue Nutzer zu finden. Bei drei von fünf Anrufen entscheidet er schon am Telefon: Hier lohnt die Anfahrt nicht. Wenn der Schlafzimmerschrank zum Beispiel noch aus DDR-Produktion stammt, ist er mittlerweile wirklich zu alt. Antikmöbel oder Liebhaberstücke sind ebenfalls nicht gefragt, sondern Praktisches. Letztendlich entscheiden die Nutzer, was gefragt ist. Und ihnen werden die Möbel, die in den beiden Räumen ausgestellt sind, nicht umsonst angeboten. Mit einem Obolus soll wenigstens ein Teil der Aufwendungen hereinkommen. Trotzdem kann hier nicht jeder „kaufen“. Der Nachweis der Bedürftigkeit ist nötig.

Spenden und Nachfrage

Die Dimensionen der angebotenen Stücke sind manchmal ebenfalls ein Problem. Die Wohnungen der Spender sind tendenziell größer als die der Empfänger. Eckcouches gingen deshalb zeitweise gar nicht, wurden auch nicht angenommen. „Das hat sich aber wegen der Flüchtlingsfamilien geändert, die mehr Mitglieder haben, die auch alle mal zusammensitzen wollen“, deutet Langer auf das Exemplar, auf dem Ingolf Glorius gerade noch einmal staubsaugt. Die Teile, die gerade auf den Werkbänken vor den Mitarbeitern liegen, stammen trotz der Vorauswahl von einem Schrank, der nicht mehr weitergegeben werden kann: „Da sichern wir jetzt die Kleinteile wie Scharniere, die wir noch anderswo einsetzen können“, erklären sie.

Das Team, das die Schränke, Sofas, Tische, Stühle und Betten abholt und aufarbeitet, wird jeweils von der Arbeitsagentur finanziert. Das aktuelle Projekt läuft von Mai bis Oktober. Dann ist Holger Langer wieder alleine mit einem Kollegen. Sie beiden sind fest bei der Caritas über Hausmeisterstellen engagiert. „Ich habe selbst als Ein-Euro-Jobber hier angefangen“, erzählt der 46-Jährige. Nun organisiert er die Abläufe. Und klar ist, ohne die Hilfen wäre die Arbeit nicht zu machen. „Wir können zudem wirklich froh und dankbar sein, dass die Stadt die Räume mietfrei zur Verfügung stellt“, erklärt Corinna Zabel von der Caritas-Verwaltung.

194 Projekt-Teilnehmer in zwölf Jahren

Im Jahr 2005 startete das Projekt Möbelwerkstatt. Inzwischen haben es 194 Teilnehmer durchlaufen, die jeweils längere Zeit arbeitslos waren. „Gerade ist eine wirklich gute Truppe beisammen. Echt schade, dass sie bald wieder auseinandergehen wird“, bedauert Praxisanleiter Harald Hofmann. „Aber die Teilnehmer nehmen etwas an handwerklichen Fähigkeiten mit.“ Und sie haben damit auch schon eine gewisse Qualifikation gezeigt. Denn sei nicht jeder für diesen Job mit Kundenkontakt geeignet. Denn die Möbel werden in den Wohnungen der Spender abgeholt, demontiert, zur Werkstatt transportiert. Dort werden sie gereinigt, Kleinigkeiten werden repariert und die Möbel in den Ausstellungsräumen aufgebaut. Dann wird wiederum angeliefert und aufgestellt. Mike Wuttke, der gerade an den Möbeln schraubt, zum Beispiel ist gelernter Maurer. Er arbeitet aber nicht mehr im Beruf. Die körperliche Belastung setzte ihm zu. Das Möbeltragen, das hier ab und an ansteht, macht ihm nichts aus: „Das ist nicht die Dauerbelastung. So eine Arbeit wäre für mich eigentlich ideal.“

Caritas-Möbelwerkstatt, Dr. Belian-Straße 6, Telefon, geöffnet Montag bis Donnerstag von 9 bis 14.30 Uhr.

Von Heike Liesaus

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