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Eilenburger Eichenstamm wird zum angelnden Heinzelmann

Holzkunst Eilenburger Eichenstamm wird zum angelnden Heinzelmann

Der Doberschützer Hobby-Sägekünstler Frank Müller schnitzt im Auftrag des Angelvereins Petri Heil aus einem großen Eichenstamm an der Eilenburger Pionierbrücke ein angelndes Heinzelmännchen. Nun ist bereits der Fisch fertig. Bald sollen Schilf und eine Inschrift folgen.

Frank Müller holt nach dem Heinzelmann auch noch den Hecht aus dem Eichenstamm.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Diesem Hobby nachzugehen, ist nicht so einfach. Frank Müller schnitzt mit seiner Motorsäge am Stamm der alten Eiche neben der Pionierbrücke im Eilenburger Stadtpark. „Heute habe ich bestimmt zwei Stunden verloren“, erzählt er. „Wegen Smalltalk.“ Denn an einem sonnigen Sonnabend ist die Spaziergängerfrequenz im Eilenburger Stadtpark natürlich besonders hoch. Somit ist das Interesse groß: „Das sieht aber schön aus“, freut sich schon wieder eine Passantin, die gerade mit ihrem Rad vorbeikommt. Trotzdem ist Wochenend’ und Sonnenschein produktiver als Donnerstag und Dauerregen. Denn Müller saß auch schon stundenlang neben dem angefangenen Kunstobjekt im Transporter und wartete vergeblich auf niederschlagsfreie Stunden. Der angelnde Heinzelmann ist schon seit Monaten deutlich zu erkennen. Dieser Tage kam noch ein kapitaler Hecht dazu. „Dort oben will ich noch etwas Schilf machen“ zeigt Müller. „Voraussichtlich reliefartig, denn das Holz ist sonst nicht fest genug.“ Die Jahreszahl der Gründung der Eilenburger Fischerinnung 1679 soll noch ihren Platz finden und der Anglergruß „Petri Heil“.

Aus Eiche wird Kunstobjekt

So werden an dieser Stelle gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die alte Eiche wird zum Kunstobjekt. Als grünender Baum war sie nicht mehr zu retten. Mit dem Segen des städtischen Baumschutzgremiums wurde sie 2013 abgetragen. Der Stamm soll nun außerdem an die Fischereitradition erinnern. Denn der Angelverein Petri Heil hat sich seiner angenommen. „René Wagner, der Vorsitzende, hat gefragt, ob ich daraus was schnitzen kann. Erste Idee war ein Adler, der einen Fisch fängt. Aber der Stadt war ein Heinzelmännchen lieber“, so Müller.

Gedicht auf Sächsisch

Nun zieht der Vertreter der Eilenburger Sagenwelt den Fisch allerdings auf der dem Fluss abgewandten Seite aus dem Wasser. „Das ließ sich nicht anders machen, der Ast ist so gewachsen“, erklärt der Hobby-Künstler. Ein Umstand, der bereits weitere künstlerische Potenziale unter Eilenburgern freisetzte. Zwischenzeitlich wurde am Baum ein Gedicht abgelegt, das sich mit dem Widerspruch im schönsten Sächsisch auseinandersetzt: „Märgkd der denn nicht, der arme Wichd, dass hinder ihm der Mühgrahm liechd?“, heißt es da. Auch wird das Fehlen von „Göder, Hagken, Faden“ bemängelt. Hier hat Müller aber bereits Abhilfe geschaffen. Auch der gedichtete Hinweis, dass sich „der Gudhe“ über eine heimlich an die Rute geknüpfte „Feddmagrehle“ freuen würde, hat sich dank des Holz-Hechts erledigt. Doch die Dichtkunst begeistert. Der Angelvereins-Chef würde den Text gern irgendwie einbeziehen. Allerdings hat der Autor oder die Autorin nur das Kürzel SteRe hinterlassen. Ob er oder sie sich vielleicht noch bei René Wagner oder im Rathaus meldet?

Auch beim Eilenburger Carneval Club tätig

Mit Witz und gestalterische Kreativität ist Frank Müller auch anderweitig vertraut: Beim Eilenburger Carneval Club bestimmt er die Gestaltung des Rosenmontags-Umzugswagens maßgeblich mit. Ins Objekt am Mühlgraben wird er nun insgesamt etwa 40 Arbeitsstunden investiert haben, schätzt der 54-Jährige. So oft kommt er leider nicht zum Schnitzen. Er arbeitet schließlich auch noch „richtig“ als Elektromonteur.

Fünf Kettensägen liegen auf der Ladefläche des Transporters. Aber er hat auch noch weitere zu Hause. „Nur die wichtigsten dürfen mit. Prinzipiell aber kann man nie genug haben“, erklärt er. Der motorisierten Schnitzerei ist er verfallen, als er vor einigen Jahren erstmals den Kettensäge-Künstlern beim Schnitzer-Wettbewerb in Tornau bei Bad Düben zusah und fasziniert war. Danach hatte er sich eine neue Motorsäge gekauft und losgelegt. Das wievielte Objekt er hier bearbeitet? „Das kann ich jetzt gar nicht mehr zählen“, sagt Müller. „Aber im Eilenburger Park ist es das erste. Doch im Tierpark steht schon der Bär von mir.“ Der hat einen Bienenstock im Bauch und gehört zur Imker- und Bienenbeobachtungsstation.

Weiteres hat er schon im Blick: Demnächst wollen sich der Eilenburger und der Delitzscher Tierpark gegenseitig mit Tierfiguren beschenken. Von der Mulde an den Lober sollen Hutaffen gehen und umgekehrt ein Känguru. „Mit dem ist es noch ein wenig problematisch. Es muss ein entsprechender Stamm gefunden werden. Wegen des Schwanzes. Hutaffen sind eher baumkompatibel.“

Von Heike Liesaus

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