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Eilenburger Fallschirmspringer gewinnt vierten Weltcup in Folge

Stefan Wiesner Eilenburger Fallschirmspringer gewinnt vierten Weltcup in Folge

Mit 15 Jahren sprang der Eilenburger Stefan Wiesner das erste Mal mit dem Fallschirm, in diesem Jahr schrieb ein Stück Sportgeschichte. Zum vierten Male in Folge gewann er den Weltcup im Zielspringen. Vor ihm ist das bislang keinem gelungen. Im Interview spricht der 34-Jährige über seinen Sport, über Höhen und Tiefen, auch über Ziele.

Stefan Wiesner im freien Fall.

Quelle: privat

Eilenburg/Altenstadt. Stefan Wiesner ist einer der besten Fallschirmspringer der Welt. Im Interview steht er nun Rede und Antwort.

Sie haben den Weltcup zum vierten Mal gewonnen und schreiben damit Sportgeschichte. Wie fühlen Sie sich damit?

Ja, das fühlt sich recht gut an, auch wenn mich die Chance dazu vor dem letzten Weltcup gehörig unter Druck setzte, was ich gleich beim ersten Sprung auch zu spüren bekam. Nach Beendigung des Weltcups war die Erleichterung um so größer. Dennoch war es eine ähnliche Situation wie im Vorjahr an gleicher Stelle, als ich den dritten Gesamtweltcupsieg in Folge vor Augen hatte, was bis dahin ja auch noch keinem gelungen war. Ein Italiener hatte vor ein paar Jahren mal das Double gemacht. Dieses Jahr musste ich mich vor allem selbst schlagen, was auch nicht wirklich leichter war.

Wie ordnen Sie den Erfolg in der langen Liste Ihrer Erfolge ein?   

Auch wenn ein Weltmeistertitel sicherlich noch höherwertiger ist, spiegelt der Gesamtweltcup eine gewisse Konstanz wieder, die gerade im Zielspringen, wo wir von äußeren Witterungseinflüssen abhängig sind, schwer zu erarbeiten beziehungsweise aufrechtzuerhalten ist. Bei einer WM muss man „nur“ bei einem Wettkampf gut sein, beim Weltcup bei sechs.

Wie wichtig ist Ihnen dieser Titel?  

Ja, der macht mich schon stolz. Mit dem Wissen, dass ich reine Zielsprungprofis – sie trainieren nur diese Disziplin, ich trainiere drei Disziplinen wettkampfmäßig, 2er und 4er Formationsspringen kommen hinzu – hinter mir lassen konnte und das jetzt das vierte Jahr in Folge, ist das schon etwas Besonderes.

Welche Veranstaltungen gehörten in diesem Jahr zum Weltcup?

Weltcups in Kroatien, Slowenien, Italien, Österreich, Deutschland und in der Schweiz.

Welcher Wettkampf war davon für Sie am schwierigsten?

Eindeutig: Der Weltcup in Deutschland in Peiting. Da der etwa eine Woche nach der WM in Chicago stattfand und ich noch nicht wieder in der deutschen Zeitzone angekommen war. Zudem konnte ich nach der recht erfolgreichen WM, Silber und zwei Bronze, ohne Training zwischendrin nicht die Spannung, vor allem im Kopf, aufrechterhalten. Somit hat es nur für die Top 15 gereicht, welches auch mein schlechtester World Cup 2016 war.

Wie viele Sprünge mussten Sie machen, um den Titel zu erreichen?

Über 700 waren es in diesem Jahr.

Nach dem Weltcup ist vor dem Weltcup. Jetzt sind Ferien. Wann geht es wieder los und wie überbrücken Sie diese Zeit?   

Jetzt stehen erst einmal mehrere Wochen Urlaub an, da ich im Sommer so gut wie keine Zeit dafür habe. Dennoch springe ich auch im Urlaub oder gehe zum Gleitschirmfliegen oder Motorschirmfliegen. Um die Familie kümmern, steht natürlich ganz oben! Saisonnachbereitung/Auswertung und Planung der neuen Saison stehen auch auf dem Programm, sowie Athletiktraining im Winter. Ende Januar steige ich dann wieder in das Training mit der Sportfördergruppe ein.

Sie sind vor allem Zielspringer, warum? 

Ich springe auch Figuren. 2015 wurde ich zum Beispiel Militärweltmeister. Beides gut zu können, ist wichtig ist für die Kombinationswertung, bei welcher der beste Kombinierer beider Disziplinen gekrönt wird. In der Kombination konnte ich bis jetzt für mich auch die meisten Weltmeistertitel sammeln.

Welchen Anteil hat die Mannschaft an einem solchen Erfolg? 

Einen kleinen, aber einen wichtigen Anteil. Ich springe als letzter Mann im Team wegen meines Gewichtes und meine Teamkollegen vor mir müssen sehr gute Arbeit leisten, damit wir uns nicht gegenseitig beim Anflug auf die Zielscheibe behindern. Wenn das nicht klappt, hat man keine Chance, gut zu springen. Aber das Teamklima spielt eine große Rolle. Meistens ist das ziemlich gut bei uns.

Sie sind in der ganzen Welt unterwegs. Auf welchem Kontinent waren Sie noch nicht? 

Australien fehlt mir noch, sowie Afrikas Festland.

Wo würden Sie gern Fallschirmspringen?  

In Australien auf jeden Fall. Aber auch auf den Alexanderplatz in Berlin landen, kurz vorher noch den Turm umkreisen, wäre toll.

Was macht für Sie die Faszination des Fallschirmspringens aus? 

Die Vielfältigkeit in unserem Sport mit den vielen Disziplinen. Es wird nie langweilig! Ich probiere oft Sachen aus, auch in den verschiedenen Disziplinen, die ich bereits gut kenne, so bleibt man frisch.

Was hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren in dieser Sportart verändert?  

Die Technik ist seit einigen Jahren gut ausgereift, dennoch kommen hin und wieder kleinere Neuerungen auf den Markt. Unfälle passieren meist nur noch wegen menschlichen Versagens. Das Interesse im Zielspringen hat sich positiv verändert, da immer mehr Weltcupveranstalter vor Beginn Springern absagen müssen, da sonst zu viele Springer am Wettkampf teilnehmen würden. Das heißt, die Nachfrage ist größer als das Angebot. Ich finde das gut. Andere Disziplinen können davon nur träumen.

Haben Sie auch schon mal kritische, lebensbedrohliche  Momente Ihres Sports erlebt? 

Wirklich lebensbedrohliche eigentlich nicht. Lediglich kleinere Sachen wie ein paar härtere Landungen oder einen ungewollten Kontakt mit einer Person im Freifall. Beim Autofahren jedoch schon sehr, sehr viele!

Welchen Fallschirmtyp springen Sie?  

 RL-16/3 von Spekon aus Seifhennersdorf.

Warum gerade den?    

Ich habe mit dem angefangen und bin super mit ihm zurechtgekommen. Wie auch meine Eltern schon. Die meisten Erfolge habe ich mit dem Schirm eingefahren, deshalb besteht auch kein Grund zu wechseln.

Wer packt Ihn?  

Ich selbst.

Wie oft können Sie mit einem Schirm springen?

Etwa 1500 bis 2000 Mal.

Wie sind Sie zum Fallschirmsport gekommen?   

Ich bin familiär vorbelastet. Ich bin mittlerweile die dritte Generation in meiner Familie und mein Sohn steht schon in den Startlöchern für die vierte! Da meine Eltern und meine Schwester alle sprangen, war es recht einfach, da mit hineinzurutschen.

Mit 15 sind Sie das erste Mal gesprungen. Können Sie sich daran noch erinnern?  

Ja, sehr gut. Etwas aufgeregt vor dem ersten Allein-Sprung war ich schon, aber nicht zu nervös. Am selben Flugplatz haben auch schon mein Opa mütterlicherseits und mein Vater ihre ersten Sprünge gemacht.

Wie viele Sprünge sind seitdem hinzugekommen?

Jetzt sind etwa 11 400.

Welche Rolle spielt die Familie dabei?

Meine Familie unterstützt mich von Anfang an. Meine Eltern als Trainer und meine Ex-Frau als fürsorgliche Mutter für meinen Sohn, wenn sein Papa mal wieder im Ausland unterwegs war. Auch meine Ex-Schwiegermutter gibt mir als Schiedsrichterin manchen Tipp.

Wie sind in der Bundeswehrsportfördergruppe. Wie läuft ein Tag mit und ohne Sprungbetrieb ab? Ist dieser Leistungssport ohne diese spezielle Form der Unterstützung überhaupt möglich?

Unser Training setzt sich aus Bodentraining, Athletik und Sprungtraining zusammen. Beim Bodentraining werden Teile des Ziel- oder Figurenspringens mit speziellen Gurtzeugen am Boden geübt oder fürs Formationstraining im Windtunnel trainiert. Früh beginnen wir meist mit Bodentraining gefolgt vom Sprungtraining, welches durch Kraft- oder Ausdauertraining, Koordinationstraining und diverse Ballsportarten ersetzt wird, sollte das Wetter keinen Sprung zulassen. Wird gesprungen, sind wir acht- bis zehnmal über den Tag verteilt in der Luft, meist in unterschiedlichen Disziplinen. Am Nachmittag widme ich mich nach dem Springen jeweils noch dem Athletiktraining, also dem Kraft- oder Ausdauertraining, am Abend kommt meist noch etwas Mentaltraining hinzu. Ohne die Unterstützung der Bundeswehr wäre ein Training in dem Umfang fast unmöglich. Als nichtolympische Disziplin würden wir nie so viele Sponsoren wie benötigt bekommen.

Sie sind Soldat. Welchen Dienstgrad haben Sie? 

Hauptfeldwebel.

Haben Sie auch noch andere Interesse außer dem Fallschirmsport? Bleibt überhaupt Zeit für andere Hobbys?

Es bleibt sehr wenig Zeit für andere Sachen, dennoch bin ich in vielen anderen Sportarten auch unterwegs, amateurmäßig versteht sich. Dazu gehören Klettern, Bowling, Surfen, Golfen – zum Entspannen, um nur ein paar zu nennen.

Wie und wo sehen Sie ihre sportliche Zukunft? Sie sind jetzt 34.    

Ich möchte meinen Sport gern noch die nächsten vier bis fünf Jahre fortführen, sofern es mein Körper zulässt, und könnte mir dann vorstellen, als Trainer weiterzuarbeiten oder mit meiner kleinen Firma für Showsprünge und ähnliches in die Selbstständigkeit zu wechseln. Je nachdem, wie sich mein Vertrag mit der Bundeswehr entwickelt.

Sie sind in der Nationalmannschaft, aber auch Mitglied im FSV Eilenburg. Wo fühlen Sie sich am ehesten Zuhause? Was geben Ihnen diese Teams persönlich?

Es ist eigentlich etwas gemixt, da ich in der Nationalmannschaft oft mit Vereinskollegen aus dem FSV unterwegs bin. Dennoch absolviere ich die meisten Wettkämpfe mit meinem Team der Sportfördergruppe. In beiden Teams ist zumeist ein gutes Klima. Dort fühle ich mich auch wohl, aber im Nationalteam ist eben ein wenig mehr Abwechslung da. Man trifft sich eben nicht Tag ein, Tag aus beim Training wie in meinem Bundeswehr-Team.

Was raten Sie jungen Leuten, die Interesse am Fallschirmsport haben?

Auf jeden Fall einen Verein wie zum Beispiel den FSV Eilenburg aufzusuchen. Dort wird eine gute, nachhaltige Nachwuchsarbeit betrieben. Dort gibt es auch Unterstützung nach dem Aushändigen der Sprunglizenz. Dort wird keiner nach der Ausbildung fallengelassen, wie man es bei dem ein oder anderen kommerziellen Fallschirmunternehmen erlebt.

Was sollten Interessierte unbedingt mitbringen?  

Etwas Mut und Geduld sollten schon mit im Gepäck sein, da ein guter Springer nicht in ein oder zwei Jahren fertiggestellt wird.

Warum gibt es Nachwuchssorgen?  

Ich denke der Hauptgrund ist ein finanzieller. Die Kosten, diesen Sport betreiben zu können, sind sicherlich für viele eine zu große Hürde. Aber auch nicht zu wissen, was sich hinter dem Sportspringen verbirgt, ist sicher eine Komponente, die nicht von der Hand zu weisen ist. Wer uns aber auf dem Flugplatz Roitzschjora besucht, bekommt auf alle seine Fragen zum Fallschirmspringen Antworten.

Von Ditmar Wohlgemuth

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