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Eilenburger Familiengärtnerei hat keine blühende Zukunft

Rentenalter naht Eilenburger Familiengärtnerei hat keine blühende Zukunft

Herbst in der Gärtnerei Trommer. Der letzten ihrer Art in Eilenburg. Die lila Astern sind schon bereitgestellt. Die Blüten halten nicht mehr lange. Bald werden die Stauden gekappt fürs Überwintern. Im Frühjahr wird sich vielleicht ein Liebhaber finden. Die Inhaber gehen in vier Jahren in Rente und werden den Betrieb voraussichtlich schließen.

Drei Mal Trommer: Andreas zwischen Mutter Doris und Vater Eberhard. Die Herbstastern-Stauden werden nicht mehr verkauft, sondern für den Winter präpariert.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Auf den langen Tischen im Gewächshaustunnel, wo auch der Verkauf läuft, stehen im hinteren Teil viele Paprika-Pflanzen. Daran reifen vereinzelt letzte Früchte. Aber die große Ernte ist vorbei. Auch die Töpfe mit den großen Buntnesseln sind nicht mehr für den Verkauf gedacht, sondern zur Samengewinnung. Dieser Tage bestimmen die Grababdeckungen das Geschäft. Kästen mit grüngrauem Irischen Moos stehen bereit. Doris Trommer wird damit die Gestecke dekorieren. Sie ist jetzt 61 Jahre alt. Inhaber Eberhard Trommer wurde 65, bezieht bereits Rente. Wenn auch sie noch das Ruhestandsalter erreicht, wird die Gärtnerei voraussichtlich ihren Betrieb einstellen.

"Es lohnt einfach nicht mehr. Dabei sind wir die letzten in Eilenburg. Früher gab es einmal acht oder neun Gärtnereien", schätzt Eberhard Trommer. Zu DDR-Zeiten waren auch die Pflanzen aus den privaten Gärtnereien begehrt. Nach der Wiedervereinigung schloss eine nach der anderen. Sohn Andreas, der dienstags und donnerstags auch den Stand auf dem Eilenburger Wochenmarkt betreut, ist das Risiko zu groß. Allein wäre die Arbeit nicht zu schaffen, zudem müsste investiert werden. Dann bliebe jedoch fraglich, ob ein gewähltes Konzept aufgeht. Da ist die Furcht vor der Schuldenfalle. Andreas Trommer, als Gärtner für Stauden und Zierpflanzen ausgebildet, sieht seine Perspektive eher als Angestellter im Handel. Er mag den Umgang mit Menschen. Er ist froh, dass seine Ehefrau in einer anderen Branche tätig ist und ein geregeltes Einkommen bezieht.

Dabei sei der Gemüseanbau in der vergangenen Saison gut gelaufen. Nicht allein Paprika, auch die Trommerschen Tomaten waren gefragt. "Die sind nicht gespritzt. Das wird von den Kunden schon sehr honoriert. Wir hätten mehr verkaufen können. Auch die Zucchinis gingen gut weg", erzählt der 41-Jährige. Doch die Anbaufläche sei zu klein, um eine Existenz zu finanzieren. Dabei seien zwei Hektar nicht wenig. Hinten ist noch ein Stück Feld, auf dem im Sommer Blumen wie Astern und Zinnien wachsen, beschreibt Andreas Trommer. Doch das Gemüse muss wegen der Braunfäule-Anfälligkeit unter Folie angebaut werden. Früher war das noch anders, da sorgte offenbar die schwefelige Braunkohle, die überall verfeuert wurde, fürs Abtöten der Pilzsporen. Doch abgesehen davon: Der Anbau des Gemüses in Bioqualität laufe mehr oder weniger nebenher mit. Aufwand und Nutzen dafür hielten sich gerade so die Waage. "Über Stundenlohn brauchen wir nicht zu reden." Der würde aufgerechnet natürlich weit unter der Mindestgrenze liegen. Generell hören sie trotzdem oft, dass ihre Gewächse mehr kosten als anderswo. Je nach Saison überschwemmen Gartencenter und Baumärkte mit dem, was gerade am meisten gefragt ist, wie Pelargonien im Frühjahr und Erika im Herbst. "Einem Discounter macht es nichts, wenn bei dieser Masse pro Pflanze nur zwei Cent hängenbleiben. Da können wir nicht mithalten", stellt Eberhard Trommer fest.

Im Frühjahr läuft das Geschäft am besten. Dann kommen auch viele vorbei, die Pflanzen für ihren Kleingarten in der Schlossaue brauchen und über die nahe Röhrenbrücke an der Mühlinsel radeln. Davon müssen dann die kommenden Monate durchgebracht werden.

Als die Trommers überdenken, wie alt der Betrieb eigentlich ist, sind sie selbst überrascht: Sie sind im Jubiläumsjahr. 1965, genau vor 50 Jahren, hatte die Großmutter das Gelände gekauft.

Heike Liesaus

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