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Eilenburg Eilenburger Gartensparte Kugelfang feiert 100-Jähriges
Region Eilenburg Eilenburger Gartensparte Kugelfang feiert 100-Jähriges
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18:00 12.08.2018
Nahe der Mulde liegt die Kleingartensparte "Kugelfang" in Eilenburg. 2018 wird hier zum Jubiläumsjahr. Es gibt die Sparte nun seit 100 Jahren. Cindy Brandner, Thomas Meckel, Reinhard Fiebig, Heike Tonnius und Karl-Heinz Meurer (v.l.n.r.) vom Vorstand laden ein, am 18. August mit ihnen zu feiern. Quelle: Bärbel Schumann
Eilenburg

Gießkannen voll mit Wasser werden für Blumen geschleppt, die eine oder andere Hecke wird noch verschnitten und auch noch mancher Unkrauthalm gezupft, als an diesem Abend Vorstandsmitglieder der Eilenburger Gartensparte „Kugelfang“ ihre Runde durch die Anlage drehen. Ihre Augen schweifen umher. Das meiste, was sie sehen, erfreut. Gut, denn am Wochenende wollen die 154 Mitglieder des Kleingartenvereins mit Gästen das 100-jährige Bestehen ihrer Sparte feiern.

„Wir haben in den vergangenen Jahren gespart, kaum Feste gefeiert, um jetzt das Jubiläum auch gebührend begehen zu können“, berichtet Vereinsvorsitzender Thomas Meckel. Das Programm für das Fest am 18. August in und um die Vereinsgaststätte steht mit den Presseler Fichtbergmusikanten, Tänzern des Eilenburger Karnevalvereins, einem Clown und anderen Überraschungen. Sogar eine kleine Chronik anlässlich des Jubiläums wird gedruckt. Ihre Seiten sind gefüllt mit Freud wie mit Leid aus den vergangenen 100 Jahren.

Gärtnern gegen die Hungersnot

„Die Hungersnot war im I. Weltkrieg groß. Im vierten Kriegsjahr kam es deshalb zur Gründung unseres Vereins, um 24 Gärten auf ungenutztem Boden entlang des Bahndammes anzulegen“, berichtet Reinhard Fiebig, stellvertretender Vorsitzender und zugleich verantwortlich für die kleine Chronik. In den Folgejahren erweiterte sich der Verein. Tümpel wurden aufgeschüttet und weiteres Land von der sogenannten Schafswiese für 36 neue Gärten hinzugepachtet. Früher sei sogar ein Teil des alten Mulde-Bettes durch die Anlage verlaufen. Nach dem I. Weltkrieg wurde der Schießplatz durch die nahe Kaserne nicht mehr genutzt und das Gelände konnte für weitere Gärten gepachtet werden. „Daraus leitet sich auch unser Spartenname Kugelfang ab“, erklärt der Vereinschronist.

Heute umfasst die Anlage rund 44 500 Quadratmeter Land auf denen sich 129 Parzellen befinden. Eine davon ist sogar preisgekrönt: Der Schulgarten der Karl-Neumann-Schule, der mit einem Sonderpreis beim Sächsischen Schulgartenwettbewerb 2018 ausgezeichnet wurde.

Mut zum Weitermachen nach den Fluten

Kaum noch etwas wie etwa eine alte Gartenlaube oder eine Umzäunung sei aus den Anfangsjahren in der Anlage zu finden. „Wie sollte das auch, denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden unsere Gärten zwei Mal von einem Hochwasser eingesucht. Nach der Jahrhundertflut 2002 konnte wenig gerettet werden“, sagt der heutige Vereinschef. Ein Opfer der Flut wurde die älteste erhaltene Gartenlaube aus dem Jahr 1928 der Familie Bödler und das Vereinsheim, das danach neu aufgebaut wurde. Hier hat Tradition, dass alljährlich zum Sommerfest eingeladen wird. Nach der zweiten großen Flutkatastrophe gab mancher Kleingärtner auf, weil das Wasser ihm alles genommen hatte. „Davon haben wir vor allem jene Gärten nicht vermitteln können, die ohne Laube waren“, so Meckel. Für manche, wie Angela Aster, war das ideal, konnten sie sich ihren Garten nach eigenen Vorstellungen neu anlegen.

Neuer Pächter für Vereinslokal gesucht

Die Stunden, die die Hobbygärtner vom Kugelfang im Laufe der Jahre für den Erhalt und die Verbesserung der Bedingungen in ihrer Sparte geleistet haben, sind kaum gezählt worden. Nicht nur bei Verschönerungsarbeiten wurden sie geleistet, sondern auch, um beispielsweise Wasser- und Elektroanschlüsse in die Gärten zu verlegen. Geschichten über’n Gartenzaun können aber auch von Wettbewerbserfolgen bei Kleingartenwettbewerben, von guten Ergebnissen bei der Ablieferung von Obst und Gemüse für die Bevölkerung zu DDR-Zeiten, von Gartentraditionen über Generationen hinweg im Kugelfang in Familien erzählen. Trotz Feierlaune gibt es einen Wermutstropfen: Seit gut einem Jahr sucht der Verein einen Pächter für das Spartenlokal. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Von Bärbel Schumann

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