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Eilenburg Eilenburger Gewässeraufsicht ist Raubfisch-Räubern auf der Spur
Region Eilenburg Eilenburger Gewässeraufsicht ist Raubfisch-Räubern auf der Spur
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14:04 19.05.2015
Thomas Illig und Benjamin Bunge haben die Gewässerordnung und den Ausweis der Verbandsgewässeraufsicht parat. Quelle: Heike Liesaus

Die Papiere bitte." Die beiden sind ehrenamtlich Verstößen gegen die Gewässerordnung auf der Spur und natürlich selbst Angler. "Ich mache das jetzt seit einem Jahr, aber ich habe schon sehr viel erlebt", sagt Bunge, der Zeitsoldat ist und 25 Lenze zählt. "Das geht los bei harmlosen Delikten wie der dritten Angelrute, untermaßigen oder zu vielen Fischen, bis hin zu Beleidigungen und Handgreiflichkeiten."

Immerhin musste in diesem Jahr drei Mal die Polizei herbeigerufen werden. Durchaus Spitzenwerte, kann Illig, 45 Jahre alt, beruflich als selbstständiger Unternehmer agierend, bestätigen. Der Neu-Jesewitzer blickt auf 35 Jahre Angelpraxis, die einst in Sachsen-Anhalt begann, zurück. So eskalierte gerade vor einigen Wochen die Situation. Ein Mann ging mit einem Beil auf die Kontrolleure los. Eine Sache, in der zurzeit weiter ermittelt wird. "Das waren aber keine Angler", betonen die beiden einstimmig. Denn das sind für sie nur diejenigen, die auch die Berechtigung besitzen. Wer Flossentieren illegal nachstellt, disqualifiziert sich nachhaltig. Zum Beuteschema jener Fischräuber gehören räuberische Hechte ebenso wie friedliche Karpfen. Bei den Kontrollen kommt es aber kaum zur Eskalation. "In 99,9 Prozent der Fälle geht es respektvoll ab. Es ist selten jemand auf Krawall aus", schätzt Thomas Illig ein.

Warum er ja gesagt hat, als er vor reichlich einem Jahr bei seinem Verein Petri Heil Eilenburg gefragt wurde, ob er in Sachen Gewässeraufsicht tätig sein will? "Für mich ist es wichtig, dass sich auch noch unsere Nachfahren so wie wir an den Gewässern bewegen können." Denn in vielen anderen Regionen können sich die Petrijünger keineswegs so frei entfalten wie hier. "Das ist ja ein Gemeinrecht, so wie es auch für die Wälder gilt. Jeder Bürger kann jederzeit an ein Gewässer treten, ohne dass es Beschränkungen gibt." Damit das so bleiben kann, müssen sich alle an Regeln halten. Und die Angler haben sich zudem dem Umweltschutz verschrieben. Der Landesverband Sächsischer Angler ist anerkannter Naturschutzverband. "Das ökologische Gleichgewicht muss erhalten bleiben", betont Illig. So kontrolliert die Gewässeraufsicht ebenfalls, welche Fische von den Vereinen jeweils in die Gewässer eingesetzt werden. Sie sind aber auch selbst im Einsatz, wenn es darum geht, den flossigen Nachwuchs in die Teiche zu setzen. "Aber wir haben hier sicher schon Tausende Bäume gepflanzt", zeigt Bunge über die Muldeaue. "Im Raum Leipzig werden sogar Nisthilfen für Eisvögel gebaut." So haben die beiden, wenn sie auf einen Angler zugehen, auch im Blick, ob die Natur in Ruhe gelassen wird. Auch die Ermahnung, dass am Ende der Müll mitgenommen wird, gehört dazu.

Angeln liegt im Trend. Die Zahl der Mitglieder in den Vereinen steigt. Den Grund dafür sehen Bunge und Illig im Raum Eilenburg in der Demografie. Immer mehr ältere Menschen hätten Zeit für dieses ruhige Hobby. Rund 40 000 Angler gibt es in Sachsen, allein der Verband Leipzig Umland zählt 12 146, davon 1343 Jugendliche. Als dieser Verband 2009 aus der Vereinigung der Organisationen Mittlere Mulde Leipzig und Anglerverband Sachsen hervorging, wurden 11 058 Mitglieder, inklusive 1081 Jugendliche, gezählt, so Friedrich Richter, Geschäftsführer des Anglerverbands Leipzig. In Sachsen gebe es aber zirka 60 000 Fischereischein-Inhaber. "Das heißt, es sind nicht alle bei uns organisiert. Sachsen-Anhalt zum Beispiel hat aber trotz weniger Einwohner ebenso viele Fischerei-Scheininhaber. Es gibt also in Sachsen sogar noch relativ wenige Angler und somit noch Platz", bilanziert der Verband-Chef. "Dabei sind wir der gewässerreichste Verband. Jedes Mitglied hat bei uns quasi einen halben Sportplatz zur Verfügung, wegen all der Kiesgruben und Tagebaue. Aber wir bewirtschaften das ja auch, zahlen allein 180 000 Euro jährlich Pacht und nochmal so viel für den Fischbesatz." Da jeder Angler zu fünf Arbeitsstunden jährlich verpflichtet ist, komme einiges an Leistungen zusammen. Umso weniger Verständnis kann er für Fisch- wilderer aufbringen.

Indessen spiele für viele Petrijünger der Fang durchaus eine Nebenrolle, erzählt Thomas Illig angesichts der im Abendlicht vorbeifließenden Mulde. Es komme ihnen in erster Linie darauf an, in der Natur zu sein, die Umgebung zu beobachten. Andererseits gebe es auch mal den Kampf um die vermeintlich schönsten oder um die am besten zugänglichsten Plätze. Er sei auch schon mal angerufen worden, um einen solchen Streit zu schlichten.

Stehende Gewässer seien übrigens beliebter als die fließenden. "Dort sind die Fische standorttreu und somit leichter zu fangen", erklärt Bunge. "Allerdings sind die Fische in der Mulde größer." Vorm Kollauer Wehr tummeln sich mittlerweile Forellen, Lachse wandern die Mulde aufwärts, Welse mit 1,80 Meter Länge seien mittlerweile nicht mehr selten. Für diesen Raubfisch gebe es übrigens keine Fangbegrenzung, sondern sogar die Auflage, falls er einmal an Land gezogen ist, ihn auch bei Untermaß nicht ins Wasser zurückzusetzen. Für andere wie Hecht und Karpfen gelten indessen Schonzeiten und Mindestmaße, die von der sächsischen Fischereiverordnung festgelegt sind.

"Angeln ist mein Hobby, seitdem ich sechs Jahre alt bin. Man sah in dieser Zeit schon oft genug, dass sich Leute am Wasser wie die Axt im Walde benehmen", begründet Benni Bunge, der dem Verein Eilenburg-Nord angehört, sein Interesse für die Gewässeraufsicht.

"Die meisten halten sich an die Regeln. Und wir müssen uns halt mit den schwarzen Schafen beschäftigen", stellt Thomas Illig fest. Die Verstöße sollten einfach nicht überhand nehmen. Und die staatliche Gewässeraufsicht habe zu wenige Mitarbeiter, um in der Region ständig präsent zu sein. Und: "Ein Kescher muss nicht kontrolliert werden, da dieser nicht notwendig und vorgeschrieben ist. Setzkescher-Kontrolle gilt eher. Denn da dürfen und müssen wir reinschauen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2014
Heike Liesaus

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