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Eilenburg Eilenburger Heinzelberge an Wochenenden ausgebucht
Region Eilenburg Eilenburger Heinzelberge an Wochenenden ausgebucht
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00:16 18.07.2017
Blick auf die „Heinzelberge“. Sabine Heilmann und Helmut Fahrner betreiben die Pension. Quelle: Fotos: Wolfgang Sens / Mathias Schönknecht
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Eilenburg

Burgberg, 10 Uhr morgens: Eine Gruppe Fahrradfahrer steht vor der Herberge und sattelt ihre Drahtesel. Drinnen wuselt das Pächter-Pärchen, richtet den gerade ausfahrenden Gästen alles für die spätere Einkehr her. Im Erdgeschoss eilt Sabine Heilmann über den Flur – im Obergeschoss kümmert sich Helmut Fahrner um die Betten. Seit etwas über einem Jahr führen die beiden die Pension „Heinzelberge“ über den Dächern Eilenburgs.

Im ersten Jahr 175 Gäste

Aber warum überhaupt Berge? Es ist doch nur einer. Die Pächterin hat darauf eine Antwort: „Der Name setzt sich aus Heinzelmännchen und Herberge zusammen – ergibt Heinzelberge.“ Am 1. Juni vergangenen Jahres eröffnete die Pension. Zufrieden ist Heilmann mit den bisherigen Übernachtungszahlen: Blieben 2016 175 Gäste über Nacht, waren es 2017 bereits 210. Die größte Auslastung gebe es am Wochenende. „Dann sind wir meistens ausgebucht“, sagt sie.

Die Stadt Eilenburg, in deren Eigentum das Gebäude steht, hatte die Pension ursprünglich eher als Fahrradfahrerdomizil deklariert, erzählt Heilmann. „Doch wir liegen ja nicht direkt am Mulderadweg.“ Dazwischen befinde sich ein Bergaufstieg. Daher seien die Gäste bunt gemischt. „80 Prozent bringen uns die Eilenburger“, sagt die 62-Jährige. Das seien vor allem Familienmitglieder, Freunde und Bekannte, die zu Besuch in der Stadt weilen. So sind wir schon mit Leuten aus Australien, der Schweiz, Österreich, Bremen oder Hamburg zusammengekommen“, erzählt Fahrner. „Die Gruppe Fahrradfahrer, die gerade aufgebrochen ist, komme beispielsweise aus Dresden und Erfurt“, ergänzt seine Frau.

Prominenter Gast

Aber auch Ärzte, die vertretungsweise an der Klinik tätig sind, oder Geschäftspartner der Eilenburger Firmen nächtigen in der Pension. Auch der Schauspieler Thomas Rühmann übernachtete schon auf dem Burgberg. Bekannt wurde Rühmann durch seine Rolle als Dr. Roland Heilmann in der ARD-Serie „In aller Freundschaft“. In Eilenburg gastierte er aufgrund eines Auftritts mit seiner Band im Bürgerhaus, sagt Fahrner. „Insgesamt lief es in dieser kurzen Zeit sehr gut an für uns“, resümiert der 66-Jährige.

Die Stadt sorgte nach Sanierungsende für die Grundausstattung. Zu Beginn waren es „tote Räume mit Möbeln“, sagt Heilmann. Nun habe die Pension ein Ambiente, das dem gehobenen Segment und dem Motto der Heinzelmännchen gerecht wird. Neben kleineren Kopfkissen biete die Herberge jetzt beispielsweise gekühlte Getränke, zudem zieren Heinzelmännchenmotive die Zimmerschilder. Sabine Heilmann kann 43 Jahre Hotelerfahrung vorweisen, da habe sich eine „sukzessive Verbesserung der bereits kompletten Grundeinrichtung“ einfach ergeben.

Großes Interesse

Bereits zur Eröffnung kamen viele Eilenburger und schauten, was auf der Schlossruine entstanden ist. Kanon zum Ergebnis: Das hat Eilenburg bisher gefehlt! Viele der Einwohner äußerten das Begehren, selbst einmal im Gebäude des ehemaligen Gefängnisses zu übernachten. Einige setzten dies bereits in die Tat um, erzählt Heilmann. Entweder übernachteten sie aus Neugier in der Pension oder testeten die Unterkunft für ihre Gäste. Auch sei eine Eilenburgerin, deren Schwester in dem bis 1990 als Wohnhaus genutzten Gebäude lebte, vorbeigekommen. „Sie konnte uns genau sagen, wo sich zu dieser Zeit Küche, Bad und Schlafzimmer befunden haben.“

Die immer wieder aufkommende Idee eines Cafés sei nun endgültig verworfen worden. „Es rentiert sich einfach nicht“, sagt Fahrner. Mehrere Versuche seien gescheitert. Zudem solle nicht die Ruhe der Pensionsgäste gestört werden. Auf Bestellung sind die beiden Pächter aber gern bereit, eine Tafel mit Kaffee, Kuchen und anderen Wünschen aufzuwarten.

Bereits 2009 hatte die Stadt das stadtbildbestimmende Gebäude gesichert. Im Herbst 2014 erfolgte der Ausbau. Für insgesamt 2,9 Millionen Euro entstanden vier Doppel- sowie ein Einzelzimmer. Im Erdgeschoss gibt es ein behindertengerechtes Zimmer und den Frühstücksraum. Ein Schlüsseltresor ermöglicht Spät- oder Spontananreisenden die Ankunft – auch außerhalb der Öffnungszeiten.

Ob Eilenburger, Ex-Eilenburger oder vorbeiradelnder Fahrradfahrer: Für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen, bieten Sabine Heilmann und Helmut Fahrner einen Rundgang durch die Räume des um 1700 errichteten Hauses an. Auch um 10 Uhr morgens.

Von Mathias Schönknecht

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