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Eilenburg Eilenburger Laientheater feiert mit „Vineta“ gelungene Premiere
Region Eilenburg Eilenburger Laientheater feiert mit „Vineta“ gelungene Premiere
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07:00 17.02.2017
Flüchtlingstransporte auf Schiffen, die nicht den Hafen verlassen? Die vinetischen Senatoren verhandeln. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Taucher Jonny fühlt sich nach der Luftnot am Grunde der See gerettet. Doch wohin ist er gekommen? Das Eilenburger Gartenlokal Schlossaue ist Stätte einer Theater-Dinner-Premiere und somit „Vineta“, die in den Muldefluten versunkene Stadt.

In dem Stück agiert eine fünfköpfige Gruppe des Eilenburger Laientheaters in nicht weniger als zwölf Rollen. In Vineta trifft Jonny alias Martin Seidel auf merkwürdige Bewohner. Das Vergessen scheint bei ihnen zum guten Ton zu gehören. Als er feststellt, dass auch er sich beim besten Willen nicht mehr daran erinner kann, warum er leben will, genügt er den Minimalansprüchen für die Einbürgerung. Nadine Fritzsche spielt den Schreiber, der die Urkunde dafür ausstellt und auch sonst übers Treiben in der Stadt aufklärt, als Mischung zwischen Bürokraten und Vodoo-Priester bedrohlich und zugewandt in einem.

Die anderen Vineter zeigen sich ebenfalls beweglich und trotzdem nicht wirklich lebendig. Das vermitteln auch die Masken, die in Workshops mit der Leipziger Künstlerin Anita Kriebel entstanden. Sie besorgte auch das Grafikdesign des Menüs. Denn mit „Schmecken lassen“ leitet Ilka Sylvester jeweils als Wirtin den Auftritt des Schlossaue-Teams ein. Die echte Wirtin Ute Deubel und ihr Bruder Olaf kochten „Soyfer-Süppchen“, „Abgegrasten Meeresboden“, „Leckeren Muldenschlamm“. „Im Prinzip findet sich alles auch sonst auf der Karte, wir haben es auf die Titel des Theaters bezogen.“ So waren Kartoffel-Sellerie-Creme, Saltimbocca vom Ochelmitzer Wels auf Rote-Beete-Puffern, in Rotwein geschmorte Bäckchen mit Petersilien-Püree und selbst eine blaue Vinetawelle an Schokoladen-Nuss-Tiramisu zu genießen. Gemeinschaftsarbeit für den Spagat zwischen Abgrund und Unterhaltung.

Stück für Erwachsene

Schon Ende 2015 hatte sich die Gruppe um Theatervereinsvorsitzende Nadine Fritzsche fest vorgenommen, die Idee, ein Stück für Erwachsene zu spielen, endlich umzusetzen. Für die Regie hatten sich die Eilenburger den Leipziger Dietmar Voigt zu Hilfe geholt. Er bringt Erfahrung aus 50 Regiearbeiten und über 150 Schauspielrollen mit und lobte: „Ich habe schon mehrfach mit Laien gearbeitet, aber eine Truppe, die so eisern an der Sache dran war, habe ich noch nicht erlebt.“ Erst ab Dezember liefen die Proben, dann aber mehrmals die Woche. Immerhin hatte das Theater mit dem Weihnachtsmärchen den alljährlichen Höhepunkt hinter sich gebracht. Die Fahndung nach einem passenden Stück dauerte. „Vineta“ hatte der Österreicher Jura Soyfer 1937 geschrieben. Damals Spezifisches wurde weggelassen, ein paar Ringelnatzverse und leichte Anspielungen auf Heutiges und Lokals kamen dazu.

Gelungene Premiere

„Es lief genauso, wie wir’s uns vorgestellt haben“, sagte Martin Seidel, der den Jonny spielte, nach der Premiere. Der 29-jährige Berufssoldat, der schon als Kind im Laientheater auftrat, seit drei Jahren in Leipzig Dienst tut und wieder zur Gruppe stieß, hatte mit seiner Hauptrolle den größten Part. Das Skript begleitete ihn in den vergangenen Wochen quasi rund um die Uhr. In jeder freien Minute lernte er Text. „Aber drei Rollen – das würde ich auch nicht geschenkt haben wollen“, vergibt er ein Kompliment an seine Mitstreiterinnen. Aicha-Maria Bracht zum Beispiel ist die Dirne, die sich die Erinnerungen des Seemanns Jonny anhört. Dann steckt sie unter der Maske der „Geheimen“, der Ordnungshüterin mit dunklem Cape und Dreispitz, der Jonny als erster Vineta-Bewohnerin begegnet. Und vor allem ist sie die jugendlich-morbide Senatorentochter Lilie.

Überraschung für die Zuschauer

Für die Zuschauer war das erste Theater-Dinner eine Überraschung: „Es war wunderbar gespielt. Ich hatte manchmal richtig Gänsehaut“, sagte Kerstin Paetzsch aus Sprotta. „Doch wir kannten die Weihnachtsmärchen vom Laientheater. Als wir vom Theater-Dinner lasen, war klar: Das wird was Schönes. Wir haben sofort Karten bestellt.“ Eine gute Entscheidung. Denn Schauspieler und Schlossaue haben zwar in den kommenden Monaten drei weitere Aufführungen angesetzt. Doch Tickets dafür gibt’s nicht mehr. Sie waren bereits kurz nach der Ankündigung restlos ausverkauft.

Von Heike Liesaus

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