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Eilenburger Lebenshilfe feiert 25-Jähriges

Eilenburger Lebenshilfe feiert 25-Jähriges

25 Jahre Lebenshilfe in Eilenburg: 1990 gründeten betroffene Eltern den Verein, der heute unter anderem die interdisziplinäre Frühförder- und Frühberatungsstelle und die Wohnstätte betreibt, den familienentlastender Dienst, Schulassistenz und -begleitung sowie ambulant betreutes Wohnen anbietet.

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Bildunterschrift

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Das soll am 5. September mit einer großen Party für alle im Domizil der Lebenshilfe in der Bahnhofstraße gefeiert werden. Geschäftsführerin Simone Langhof (48) im Gespräch mit der LVZ über Fest und Geschichte.

Das Programm klingt nach aufwendigen Vorbereitungen, oder?

Stimmt. Schönes Wetter würden wir gern noch bestellen.

Immerhin hat die Lebenshilfe hier ein großes Haus.

Aber ein Festzelt ist auch bestellt. Außerdem zwei Bühnen: eine große von R.SA-Radio für die Show abends und eine kleinere fürs Programm am Nachmittag. Außerdem haben wir die Versorgung von Kaffee, Kuchen, Eis über den Rippchen-Smoker bis hin zur Gulasch-Suppe. Nachmittags nach der feierlichen Eröffnung und Ehrungen wird das Programm von den Wohnstätten-Mitgliedern geprägt: Trommelgruppe und Tanzgruppe treten auf, es werden Sketche aufgeführt und es gibt DJs. Nach dem Gute-Nacht-Gruß machen Böttcher und Fischer und die R.SA-Oldie-Band Party.

Sie selbst sind ein Jahr Geschäftsführerin der Lebenshilfe in Eilenburg. Welche der Geschichten, die sicher bei den Vorbereitungen erzählt wurden, hat sie besonders beeindruckt?

Dass damals gleich nach der Wende bei Null angefangen wurde, als noch niemand wusste: Was ist SAB? Wie sind die Eigentumsverhältnisse? Da fanden sich Männer und Frauen, die einfach losgelegt haben. Und dann wurde gleich dieses riesige Projekt, die Wohnstätte an der Lindenstraße, und dann die Außenwohngruppen gestemmt.

Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Es gibt da zwei Hauptströmungen. Zum einen gibt es diejenigen, die älter werden. Werkstattmitarbeiter gehen in Rente, Pflege spielt nun zusätzlich eine Rolle und Gerontopsychiatrie. Auch das Thema Demenz geht an uns nicht vorbei. Zum anderen verändert sich das jüngere Klientel, das zu uns kommt, und vollstationäre Versorgung braucht. Es geht also zum Beispiel nicht allein um das Downsyndrom oder die Erkrankung auf Grund von Komplikationen bei der Geburt, es sind nun öfter jüngere Menschen mit extremen Verhaltensauffälligkeiten, durch Drogen verursachte Langzeitschäden oder auch sogenannte Milieuschädigungen, die wir in den Wohnstätten betreuen.

Wie sieht das hier im Lebenshilfe-Haus in der Bahnhofstraße aus?

Nicht so extrem. Wir haben hier die integrative Frühförderung und Beratungsstelle. Kinder kommen zu uns mit Entwicklungsverzögerungen, zum Beispiel weil sie zu früh geboren wurden. Wichtig ist hier vor allem, dass das Elternhaus den Behandlungen positiv gegenübersteht. Einer unserer Schwerpunkte ist deshalb auch die systemische Arbeit mit Kindern und Eltern. Wir kippen auch nicht all unsere Angebote mit der Gießkanne aus, sondern es wird analysiert, wo gibt es Defizite, wo Resourcen. Wir arbeiten mit Kinderärzten, Logopäden, Kindertagesstätten zusammen.

Ziel bleibt doch aber, sich entbehrlich zu machen?

Zum Beispiel bis zur Einschulung.

Das klappt leider nicht immer.

Das klappt oft. Aber wir können ein Kind mit Hörschaden nicht hörend und ein blindes nicht sehend machen. Wir können nur alles dafür tun, dass mit Handicaps so selbstständig wie möglich gelebt werden kann.

Welche Rolle spielt diese Lebenshilfe-Arbeit bei solch einem Fest?

Wir haben es ja unter das Motto "Hand in Hand" gestellt. Die weiße Wand am Eingang soll während des Festes auch mit vielen bunten Händen verschönt werden. Wir wollen zeigen, dass Menschen mit Behinderung nicht in einer gesonderten Ecke stehen, sondern dass gemeinsam gelebt, sich gerieben, aber auch gefeiert werden kann. Dazu gibt es allen Grund. Alle Beteiligten können einfach mal stolz sein. Ich kann das mit meinem externen Blick beurteilen: Was in diesen Jahren geleistet wurde, gerade mit ehrenamtlichen Engagement, da bleibt einem jetzt noch der Atem weg. Es war ja nicht so, dass die Leute damals gerade nichts anderes zu tun hatten. Sie hatten ein pflegebedürftiges Kind zu versorgen. Und wir wollen zeigen, dass die Lebenshilfe für alle offen ist. Männer, Frauen, Alte, Junge, vom Asylsuchenden bis zum Oberbürgermeister, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Alle sind herzlich willkommen.

Interview: Heike Liesaus

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2015
Heike Liesaus

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