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Eilenburger Pächter darf im Kleingarten keine Kaninchen züchten

Streit mit Vorstand Eilenburger Pächter darf im Kleingarten keine Kaninchen züchten

Der Vorstand der Kleingartenanlage Weinberg in Eilenburg zwingt jetzt einen Pächter, einen überdachten Freisitz und Kaninchenställe abzubauen. Dieser wünscht sich mit der Unterstützung von Nachbarn einen Kompromiss, weil auch für andere Gärten diesbezüglich Toleranz herrscht.

Tobias Röhniß startet mit der Zucht seiner Blauen Wiener gerade wieder neu und soll jetzt in den Weinberg-Gärten alles wieder abbauen.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Aus einem erfreulichen Anlass entwickelt sich jetzt Kummer und Frust. Als jüngst die Jury wegen des nordsächsischen Kleingartenwettbewerbs in Eilenburg, wie berichtet, auch durch die Weinberg-Anlage streifte, war es eher eine Bemerkung, die vom Vorstand am Rand fiel und sich auf eine der 57 Parzellen bezog: Mit diesem Garten werde es wohl auf einen Rechtsstreit hinauslaufen. Denn gewerbliche Kaninchenhaltung sei hier nicht erlaubt.

Alle Tiere verloren

„Das stimmt gar nicht. Auch 40 Tiere, wie behauptet wird, gab und gibt es hier nicht“, nimmt Garten-Nachbarin Dagmar Vogler den Pächter Joachim Röhniß und seinen Sohn Tobias in Schutz. Einige Tage später schwärmt der 26-jährige Tobias, Nachwuchs beim Eilenburger Rassekaninchen-Verein Berg, bei einem neuerlichen Ortstermin von seinem Hobby und dass es ihm die Blauen Wiener besonders angetan hätten. Durch eine Krankheit, den Kaninchen-Schnupfen – der mit der sogenannten China-Seuche nichts tun habe – hätte er im vergangenen Jahr alle Tiere verloren. „Ich fange gerade wieder neu an“, zeigt er eine Häsin. Ein paar andere Tiere halte er für Schlachtzwecke und zum Eigenbedarf. „Ich muss auch die Kosten für den Tierarzt, für Futter und mein Hobby aufbringen“. Die Oase im Grünen, die einen gepflegten Eindruck macht, halten Vater und Sohn gemeinsam in Ordnung. Für den Junior ist das Hobby zur harten Arbeit bei der Alfra Mockrehna ein wichtiger Ausgleich. „Wir wollen hier keinen Stress und nur unseren Frieden.“

Bereits 2009, bestätigt Joachim Röhniß, habe es mündliche Absprachen mit dem Vorstand gegeben, dass sie hier einige Kaninchenställe errichten dürfen. Nunmehr war es wohl der Freisitz, den das Duo als Windschutz am freien Feld mit einer Holzkonstruktion überbaute, der das Fass zum überlaufen brachte. „Wir haben schon mehrere Zeltüberdachungen eingebüßt, jetzt wohl auch die 1000 Euro fürs neue Dach in den Wind gesetzt. Bis Ende Juni sollten wir den Holzbau wieder abreißen und hatten gehofft, dass wir uns mit dem Vorstand noch einigen können. Wir würden auch mehr Pacht bezahlen.“

Kleintierhaltung nicht erlaubt

Laut einer Stellungnahme des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde ist die reine Rechtslage klar: „In Kleingartenanlagen ist die Kleintierhaltung grundsätzlich nicht erlaubt. (...) Unter die Hobbykleintierhaltung fällt die Haltung von Hunden, Katzen, Tauben, Vögeln, Geflügel, Kaninchen, Ziervögeln und Rassegeflügel.“ Ausnahmen von dieser Klausel, hat Tobias Röhniß in seinen Satzungsunterlagen gefunden. Sie betreffen Bestandsschutz aus DDR-Zeiten sowie bescheidene, nicht gewerbsmäßig Umfänge bei der Kleintierhaltung für den Eigenbedarf, die die Kleingärtnergemeinschaft nicht stören und im Verhältnis zur gärtnerischen Nutzung stehen sollten.

Erneut Post vom Anwalt

Andere Pächter würden in den Weinberg-Parzellen ebenfalls Kaninchen und Haustiere halten, ergreift Dagmar Vogler weiter Partei. An anderen Stellen würden Anbauten auch toleriert. „Man muss doch wenigstens die Chance bekommen, aus Fehlern zu lernen.“ Die Gartennachbarin und andere Pächter, die unter anderem die große Hilfs- und Einsatzbereitschaft von Vater und Sohn zu schätzen wissen, wollen die beiden mit einer Unterschriftensammlung unterstützen. „Ich bin vom Vorstand enttäuscht, dass hier jetzt ein Exempel statuiert werden soll.“ Während dieser Recherchen ging bei Joachim Röhniß wiederum Anwaltspost ein: Nunmehr sollen bis zum 9. September die Freisitz-Überdachung, die Kaninchenställe, die Tiere und weitere Anbauten beseitigt werden. Erlaubt sei künftig nur ein vorschriftsmäßiger 24 Quadratmeter-Bau. Bisherige Bauten seien nicht beantragt und genehmigt worden. Versuche, den Gartenvorstand zu erreichen, waren bisher erfolglos.

Von Karin Rieck

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