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Eilenburg Eilenburger Papiermacher setzen auf weißeres Papier
Region Eilenburg Eilenburger Papiermacher setzen auf weißeres Papier
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00:21 10.11.2017
Das Entwicklungsteam für die neue Papiersorte Flyo Brite in der Produktionshalle von Stora Enso in Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

„Ich fühle mich wohl“, sagt Dirk Schwarze und lehnt sich zurück. Schreibtisch, ein großer Beratungstisch, Regale, Schränke – das Chef-Zimmer ist voll eingeräumt und wirkt dennoch leer. Schwarze, seit rund anderthalb Jahren Geschäftsführer der Stora Enso Sachsen GmbH, hat zwar die Nachfolge von Ulrich Höke angetreten, sein ehemaliges Arbeitszimmer als Leiter der Produktion mit Blick auf das Herzstück des Unternehmens, die Papiermaschine, aber behalten. Der 47-Jährige, der aus Düsseldorf stammt und seit Jahren in Leipzig lebt, sieht es so: „Ich bin kein Mann von Status, der noch ein Zimmer vor dem Zimmer braucht.“ Das Ganze hat auch pragmatische Gründe, die „Firma“ sei näher an der Belegschaft dran, so bekomme der eine besser mit, wie der andere denke. Das sei vorher schon der Fall gewesen, doch Schwarze sieht viele Vorteile darin, dass die Wege in die Produktion kürzer sind, er schneller bei Problemen vor Ort ist.

Blick auf Stora Enso in Eilenburg. Quelle: Alexander Bley

Der Freude über die neue Aufgabe folgten schnell Fragen, er habe viel über Stora Enso dazu gelernt. Er sei, so räumt der dreifache Familienvater ein, etwas blauäugig gewesen, als er glaubte, Geschäftsführer zu sein und den Posten als Produktionsleiter, den er seit 2007 inne hatte, weiterzuführen. „Ich kann mich nicht zweiteilen, mittlerweile haben wir die Verantwortung anders aufgeteilt.“ Franziska Schütt sei für den Bereich Altpapier-Aufbereitung verantwortlich, Felix Daetweiler betreut die Papiermaschine. Eines der Themen, das er zur Chef-Sache erklärt hat, ist die Arbeitssicherheit: „Das ist eine Herzensangelegenheit. Ich möchte, dass die Mitarbeiter gesund herkommen, aber auch gesund wieder nach Hause gehen.“ Die intensiven Bemühungen darum haben sich ausgezahlt. Schwere Unfälle gab es seit Januar keine mehr.

Dirk Schwarze führt das Unternehmen seit vergangenem Jahr. Quelle: privat

Die Fahrwasser, in denen sich die Papierfabrik auf dem Schanzberg bewegt, sind in den letzten Jahren keinesfalls ruhig gewesen. Von rund 280 Arbeitsplätzen des Produktions-, Technik- und Administrationsbereiches mussten zwischen 2013 und 2014 ganze 34 Stellen abgebaut werden, inklusive der zentralen Buchhaltung sind derzeit rund 250 Mitarbeiter in Eilenburg beschäftigt. Geht es um weitere Zahlen, hat Dirk Schwarze die 280 000 Tonnen im Blick, die 2015 produziert wurden. „Dies werden wir 2017 nicht schaffen. Wir hatten mehr Instandhaltungstage, erst im Januar, dann im September die Unterbrechung wegen Arbeiten an der Gasversorgung.“ Auch wenn er zuversichtlich ist, dass diese Tonnage wieder erreichbar ist, hat längst die Erkenntnis Raum gewonnen, dass es allein mit der Produktion von Zeitungspapier auf Dauer nicht gehen wird. Herausforderungen ergeben sich daher mit der Entwicklung neuer Produkte. Flyo Brite heißt ein Papier mit deutlich höherem Weiß- und Helligkeitsanteil, das in diesem Jahr in der Entwicklungsabteilung entstand und sich speziell für Prospekte eignet. Der Kontakt zu großen Discountern sei geknüpft, für 2018 zeichnet sich schon jetzt eine große Nachfrage ab.

Investitionen geplant

Auch dies setzt Veränderungs-Prozesse innerhalb des Betriebes in Gang, von denen alle Bereiche betroffen waren und sind. Die stärkere Fokussierung auf Prospekte bringt neue Anforderungen im Versand- und Logistikbereich mit sich, in die Instandsetzung soll weiter investiert werden. Rund zwei bis drei Millionen Euro sind avisiert, auch für neue, aber noch nicht spruchreife Ideen, „die uns helfen sollen, uns kostenseitig zu stabilisieren“, sagt Schwarze, der nach dem Diplomingenieurstudium der Verfahrenstechnik in München international Erfahrungen als Projektmanager und Produktionsleiter sammelte. Dass es der Papierindustrie allgemein auch wegen der unerwartet stark angestiegenen Rohstoffpreise bei unverändert niedrigem Verkaufsniveau nicht gut gehe, sei kein Geheimnis: „Ich denke aber schon, dass wir uns in den vergangenen Jahren gut etabliert haben, auch weil unsere Maschinen dem neuesten Stand der Technik entsprechen.“ Das sei ein Standortvorteil, der weiter ausgebaut werden soll. Und der auch in Sachen Ausbildung ziehen soll. 15 Azubis lernen derzeit hier, das Weiterentwicklungspotenzial für den Nachwuchs, so Dirk Schwarze, als Papiertechnologen, Elektroniker, Mechaniker und Mechatroniker sei im Unternehmen „extrem gut“.

Von Kathrin Kabelitz

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