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Eilenburg Eilenburger Sozialarbeiter sind mit Flüchtlingen überlastet
Region Eilenburg Eilenburger Sozialarbeiter sind mit Flüchtlingen überlastet
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07:00 21.06.2016
Beratung für Flüchtlinge und Jugendliche: Muhanad Shtiwi, Stefan Krippendorf, Torsten Pötzsch, Abdulhay Yatimi (von links). Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Der Stapel Papier, den Stefan Krippendorf zwischen Daumen und Zeigefinger andeutet, ist zirka drei Zentimeter dick. „So viele Formulare können zusammenkommen, wenn sich ein Familienvater beim Jobcenter anmeldet“, sagt der Flüchtlingssozialarbeiter, der für den Bereich Eilenburg zuständig ist. „Hilfe beim Ausfüllen vom Anträgen, das sind die häufigsten Anfragen.“ Es landet schließlich auch andere Post in den Briefkästen: vom Vermieter, vom Energieversorger. Selbst unseriöse Anbieter haben die Flüchtlings-Klientel entdeckt. „Das geht soweit, dass den Leuten Auslandskrankenversicherungen aufgeschwatzt werden.“

Dabei war der Diplom-Pädagoge bis vor Kurzem für diejenigen, die sich beim Jobcenter melden müssen, gar nicht mehr zuständig. Denn ihr Asylantrag ist bestätigt. Er war für die Bewerber eingestellt. Doch auch die bestätigten Asylbewerber brauchen Unterstützung. Und nun ist der Flüchtlingssozialarbeiter auch offiziell für sie Ansprechpartner. Doch dazu sei einfach mehr Personal nötig. „Im Landkreis Nordsachsen war ein Schlüssel von einem Berater, der für 150 Flüchtlinge zuständig ist, vorgesehen. Das habe ich noch nie erreicht. Und im Westen Deutschlands ist der Schlüssel oft günstiger“, sagt Krippendorf. „Dabei ist es schon ein riesiger Erfolg, dass es jetzt eine Kollegin gibt, die den Bereich Taucha und Bad Düben betreut. Ich hatte Zeiten mit 500 Fällen. Seit Januar sind es 250.“ Das werden mit den bestätigten Asylbewerbern nun wieder mehr. Trotzdem: In letzter Zeit seien mehr Leute weggegangen als dazugekommen. „Es gibt Abschiebungen, aber auch freiwillige Rückkehrer. Die Flüchtlingszahlen aus dem Balkangebiet sind massiv zurückgegangen.“

Auf der Plus-Seite steht auch Torsten Pötzsch. Er ist Jugendberater und teilt sich das Büro mit dem Flüchtlingssozialarbeiter im Jugendhaus VI. Er kann also auch jugendlichen Flüchtlingen helfen.

Formulare sind natürlich nicht einziges Thema in der Beratungsstelle. Da geht es um die Organisation von Arztterminen, darum , wo möglichst preiswert das Fahrrad, das Handy zu bekommen sind, oder wo Deutsch zu erlernen ist. „Und die Leute wollen arbeiten. Aber es existieren keine Angebote in der Region. Diejenigen, die Arbeit gefunden haben, sind dafür nach Westdeutschland gezogen“, so die Beobachtung. Auch das dürfte mit der Residenzpflicht schwerer werden, in der Krippendorf andererseits auch Nutzen sieht.

Er sieht zudem einen neuen Trend: Es gibt immer mehr Flüchtlinge, die fragen, ob sie im Treff helfen können. Wenn auch nicht jeder dolmetschen kann wie Abdulhay Yatimi aus Afghanistan, der mehrere Sprachen beherrscht und professionell übersetzt. Auch Muhanad Shtiwi hilft. Der 17-jährige Syrer geht im Eilenburger Berufsschulzentrum in eine Vorbereitungsklasse und kann schon gut Deutsch.

Was wünscht sich ein Flüchtlingssozialarbeiter, außer personeller Verstärkung? „Paten, die interessiert sind, eine Familie zu begleiten. Zwei Mal im Monat nachzusehen, woran es fehlt“, sagt Krippendorf. Fahrräder seien nach wie vor gefragt, Geld-Spenden zur Unterstützung der Helfer ebenso willkommen.

Von Heike Liesaus

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