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Eilenburger fordert Entschädigung für Zeit im Jugendwerkhof

DDR-Willkür Eilenburger fordert Entschädigung für Zeit im Jugendwerkhof

Michael Denkwitz sieht sich als Opfer von Willkür. Zu DDR-Zeiten landete er im Jugendwerkhof. Und heute werden ihm Entschädigungs-Ansprüche nicht anerkannt. Dabei könnte er das Geld brauchen: Nach einer Tumor-Operation am Kopf stehen Chemotherapie und Bestrahlung an. Auf alle Fälle wird er nicht mehr arbeiten können.

Michael Denkwitz zeigt die Jugendwerkhof-Einträge in seinem Sozialversicherungsbuch.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Der kräftige Mann drückt sich kräftig aus, wenn er in Rage kommt. Michael Denkwitz sieht sich als Opfer von Willkür. Zu DDR-Zeiten landete er im Jugendwerkhof, heute erkennen Behörden Entschädigungs-Ansprüche nicht an. Doch der einstige Leipziger und heutige Eilenburger könnte das Geld gut gebrauchen: Nach einer Tumor-Operation am Kopf wird er nicht mehr arbeiten können. Und seine Renten-Ansprüche sind knapp.

Vom September 1982 bis Dezember 1984 war er im Jugendwerkhof Scharfenstein. „Ich hatte die Aufforderung bekommen, mich dort einzufinden. Mit ’freundlichen Grüßen vom Jugendamt’ sozusagen. Ich hatte gerade meine Lehre bei der Leipziger Gisag abgeschlossen“, erzählt er. „Da hätte ich richtig großes Geld verdient. Im Jugendwerkhof musste ich noch eine Lehre als Zerspaner machen.“ Diese Zeit fehle ihm nun auch bei der Rente. Er kann das Sozialversicherungsbuch vorweisen, in dem die Zeiten des Aufenthalts vermerkt sind. Doch da steht nicht, warum. Die Aufbewahrungsfristen für Jugendhilfe-Akten sind längst verstrichen. Bereits 2012 hatte ihm das Oberlandesgericht Dresden nach einer Beschwerde über den Beschluss des Leipziger Landgerichts beschieden: „Der Senat verkennt nicht, dass der Aufenthalt in einem Jugendwerkhof traumatisierende Wirkungen haben konnte. Strafrechtliche Rehabilitierung wird jedoch (nur) dann gewährt, wenn die Einweisungsentscheidung rechtsstaatswidrig war. Mangels Akten der damaligen Jugendhilfe kann der diesbezügliche Beweis hiermit nicht geführt werden.“ Ein Wiederholungsantrag in diesem Jahr beim Landgericht Chemnitz wurde abgelehnt.

Denkwitz hatte sich bei der Bahn zum Rangierleiter hochgearbeitet, war später Kraftfahrer. Er hatte vier Kinder zu versorgen. Neun Enkel sind da. Die Erlebnisse aus der Zeit in Scharfenstein hielten sich lange im Hintergrund. Nun werden sie präsenter. Der Tumor im Kopf war Krebs. Ärzte haben ihn mit einer Not-OP vorerst gerettet. Er bekommt Bestrahlungen, Chemotherapie. Er verkraftet sie gut, doch er weiß: Nicht alle kommen durch.

„Das damals in Scharfenstein war Konzentrationslager. Da gab es so kleine 12- bis 13-Jährige. Die konnte man mit der Taschenlampe röntgen. Selbst die mussten an der schweren Stanze arbeiten. Und es galt das Gesetz des Stärkeren“, erinnert sich der 50-Jährige. Er sei immer kräftig gewesen, habe sich wehren können. Doch die Erlebnisse bleiben. Außerdem beschäftigt ihn nun das Schicksal seines leiblichen Vaters. Der war wegen DDR-Fluchtversuch erst inhaftiert und dann vom Westen freigekauft worden. Als Michael Denkwitz versuchte, Verbindung zu ihm aufzunehmen, musste er erfahren, dass er kurz zuvor verstorben war. Er kam im gleichen Jahr in den Werkhof, in dem sein Vater im Westen wieder heiratete. Wollte die Stasi damals den Vater bestrafen, in dem sie den Sohn in den Werkhof schickte? Denkwitz erzählt aber auch von Problemen, die er mit seinem Stiefvater hatte. Seine Stasi-Akte hat er nun angefordert. Er hofft, dass sich Beweise finden, mit denen sich ein Antrag auf Entschädigung begründen lässt.

Von Heike Liesaus

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