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Eilenburg Eilenburger singen sich fürs Weihnachtsoratorium warm
Region Eilenburg Eilenburger singen sich fürs Weihnachtsoratorium warm
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06:00 29.11.2018
Der Chor der Martin-Rinckart-Kantorei und Gäste proben für das Weihnachtsoratorium in Eilenburg Quelle: Anna Schade
Eilenburg

 Es ist düster und kalt, doch die Fenster im ersten Geschoss des Hauses der Martin-Rinckart-Gemeinde am Eilenburger Nikolaiplatz sind hell erleuchtet. Dort im Saal schälen sich bereits einige Damen aus ihren Winterjacken und halten über die leeren Stühle hinweg einen freundlichen Plausch. Immer mehr Frauen und Männer kommen gut gelaunt durch die Tür, nicken sich zu und nehmen ihre Plätze ein. Innerhalb von zehn Minuten ist der Saal voll. Eine agile Frau mit rosafarbener Blume im Haar stürzt als Letzte hinein: „Ich dachte, ihr singt schon lange“, sagt sie lachend und dann geht es auch wirklich los. Die Chorpobe für das Weihnachtsoratorium beginnt mit vollkommener Stille

Vielstimmiger Chor erzählt Weihnachtsgeschichte

Das Weihnachtsoratorium ist ein berühmtes Werk von Johann Sebastian Bach. Es wurde in den Jahren 1734 und 1735 erstmals in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt. In sechs Teilen erzählen Solisten und ein mehrstimmiger Chor im Gesang von der Weihnachtsgeschichte aus dem Neuen Testament. Am Sonntag werden zwei Teile in der Nikolaikirche in Eilenburg zu hören sein – unter der Leitung von Kantorin Lena Ruddies.

„Wie ein Tanz“

Sopran, Alt, Tenor und Bass – gemeinsam so vielstimmig zu singen, das ist keine leichte Aufgabe, weiß die Kirchenmusikerin: „Die Stimme nicht zu verlieren, obwohl um einen herum so viele andere Stimmen zu hören sind, das ist schwer“, sagt sie. „Es ist wie ein Tanz, bei dem sich jeder richtig einordnen muss“.

Ulrike Scholz fällt dieser Tanz nicht mehr schwer. Die Dame mit den blonden kurzen Haaren und dem schicken Wollrock hat den Stuhl neben sich für ihre Nachbarin reserviert, die beiden kommen für die Probe des Weihnachtsoratoriums extra aus Delitzsch angefahren. Ulrika Scholz singt über 20 Jahre schon in Eilenburg und Delitzsch. Das Oratorium bestreitet sie zum zweiten Mal: „Das ist nicht ganz einfach. Dafür muss man auch Noten lesen können“, sagt Scholz und ihre Nachbarin nickt zustimmend. „Oder man braucht ein sehr gutes Gehör“, ergänzt Kantorin Lena Ruddies, „die meisten hier singen schon seit vielen Jahren mit."

Oder doch Popmesse?

Dennoch hat die Kantorin explizit auch um neue Sängerinnen und Sänger geworben. „Wir waren schon so viele langjährige, da konnten wir auch jene mitnehmen, die noch nicht so viel Erfahrung haben“. Jedoch ganz ohne Gesangsübung ist gerade das Oratorium eine sehr große Herausforderung, das gibt Lena Ruddies zu. Für ihre Mission, mehr Eilenburger zum Singen zu bewegen, hat Lena Ruddies deshalb auch andere musikalische Variationen parat. Sie plant eine Popmesse mit Gospeleinflüssen, ist immer bereit, neues Land zu betreten.

Hauptsache Nächstenliebe

Der Kantorin geht es darum, auch jene fürs Singen und die Kirchenmusik zu erreichen, die sich durch Oratoriumsgesang vielleicht nicht so angesprochen fühlen. „Manch alte Musik, wie das Oratorium, ist wirklich schön – aber natürlich gibt es auch Mief". Und genau das soll die Popmesse nicht sein. Interessierte müssen weder treue Kirchgänger noch gläubige Christen sein, betont die Kantorin: „Mir reicht es, wenn die Leute mit dem Grundgedanken der Nächstenliebe etwas anfangen können", sagt sie

In der Stille des Martin-Rinckart-Hauses setzt ganz plötzlich mit Macht der voller Klang der vieler Stimmen ein – und in dem Moment scheint es fast unvorstellbar, dass die Botschaft der Musik und der Nächstenliebe – nicht aus vollstem Herzen kommt.

Das Weihnachtsoratorium wird am 2. Dezember um 17 Uhr in der Nikolaikirche in Eilenburg aufgeführt. Karten erhalten Sie im Museumsshop oder im Gemeindehaus. Sie kosten zwischen 10 und 12 Euro. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt.

Von Anna Flora Schade

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