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Eilenburger steht wegen Raubes vor Gericht

Eilenburger steht wegen Raubes vor Gericht

Amtsrichter Sven Mendisch hatte es kürzlich mit jeder Menge Unwahrheiten zu tun, die ihm und den zwei Schöffen die Urteilsfindung nicht gerade leicht machten. Angeklagt war ein 33-jähriger Eilenburger.

Eilenburg. Er soll im Sommer des vergangenen Jahres die Mutter seines damals noch ungeborenen Kindes beraubt und verletzt haben. Der Vorwurf wog schwer, zumal Matthias Storch* juristisch gesehen kein unbeschriebenes Blatt ist und bereits Delikte mit Freiheitsstrafen geahndet werden mussten.

Seit mehreren Jahren sei sie, Petra Seifert*, mit dem Angeklagten zusammen gewesen, eine gemeinsame Wohnung hätten sie sich jedoch in dieser Zeit nie geteilt. Im Februar 2009 wäre die Beziehung in die Brüche gegangen. Seitdem soll der Angeklagte ihr mehrfach nachgestellt haben. An einem Nachmittag im Sommer des vergangenen Jahres eskalierte das offensichtlich doch noch locker bestehende Verhältnis. „Der Angeklagte bedrängte die Geschädigte, drückte sie in die Wohnung und ergriff den Hals der Frau. Im Flur warf er sie auf den Boden. Er verlangte die Sachen, die ihm gehören", schilderte Staatsanwalt Karsten Arnold die Situation, auf die sich der Anklagevorwurf aufbaute. Die Sachen - zwei T-Shirts und ein Paar Schuhe - gehörten Storch aber längst nicht mehr. Er hatte die Dinge der Frau während der Liebesbeziehung geschenkt. „Damit gingen sie unwiderruflich in ihren Besitz über", so Arnold. Wer sie sich dann wieder holt und dabei auch Gewalt anwendet, begeht strafrechtlichen gesehen einen Raub.

Zur Kenntnis gekommen ist der Vorgang durch einen Notruf bei der Polizei. Der Mitschnitt wurde im Gerichtssaal wiedergegeben. Zu hören war die aufgelöste Stimme von Petra Seifert. Sie informierte die Beamten vom Vorgehen ihres Ex-Lebensgefährten, dessen Stimme im Hintergrund zu bemerken war. Die Polizisten trafen wenig später in der Wohnung der Frau ein. Storch hatte sie da bereits verlassen. Die mitgenommenen Gegenstände fanden die Beamten bei einer Hausdurchsuchung bei dem 33-Jährigen wieder. Er gab sie freiwillig heraus.

Im Polizeirevier äußerte sich die Betroffene nochmal zu den Ereignissen. „Sie war zwar immer noch emotionsgeladen, aber doch etwas ruhiger", berichtete der Beamte, der die Vernehmung vornahm. Dass die 29-jährige Mutter von mittlerweile vier Kindern aus Eifersucht die Geschehnisse übertrieben darstellte, konnte der Beamte nicht bestätigen. Doch genau dies wollte Petra Seifert dem Gericht bei ihrer Aussage glaubhaft machen. Weil ihr Ex eine vermeintliche SMS von einer anderen Frau bekommen haben soll, sei sie ausgerastet und habe gewollt, dass er unverzüglich geht. Die Sachen habe sie selbst aus dem Kleiderschrank gezogen und ihm hingeworfen. „Die Geschichte stimmt auf keinen Fall", war sich Richter Mendisch sicher. Möglicherweise habe die Betroffene bereut, ihren Ex angezeigt zu haben. Rückgängig machen konnte sie die Angelegenheit aber nicht mehr. Möglicherweise wird sie bald selbst auf dem Platz des Angeklagten sitzen. Als Zeugin muss sie die Wahrheit sagen und das hat sie offenbar nicht, wie während der Beweisaufnahme herauskam. Storchs Verteidiger, der Eilenburger Rechtsanwalt Steffen Hauffe, versuchte in seinem Plädoyer die Glaubwürdigkeit der Zeugin und Betroffenen in Frage zu stellen. Für ihn sei es eine clever konstruierte Geschichte, mit der Frau Seifert seinem Mandanten eins auswischen wolle. Er stellte in Frage, ob tatsächlich Gewalt eine Rolle gespielt hat. Schon gar nicht wollte der Angeklagte die Sachen, die er mitnahm, für sich. Hauffe forderte deshalb Freispruch.

Ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe sah Staatsanwalt Arnold als angemessen an. Weil ihm ein Geständnis, wenigstens ein bisschen Reue, fehlten und Storch 13 Eintragungen im Strafregister hat, komme für ihn keine Bewährung mehr in Betracht.

Von einer konstruierten Geschichte ging der Vorsitzende nicht aus. „Auch wenn eifersüchtige Frauen zu einigem fähig sind", wie er sagte. Der Vorfall habe sich so abgespielt , wie er von der Betroffenen bei der Polizei geschildert wurde. Skeptisch machte Mendisch vor allem auch eine Aussage, Storch habe sich nach den Ereignissen 1000 Mal entschuldigt. „Wofür, wenn nichts stattgefunden haben soll?"

Ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, und 500 Euro Geldstrafe lautete das Urteil. Die dreijährige Bewährungszeit gab es nur, weil sich Storch offenbar nicht nur liebevoll um sein, sondern auch um die anderen drei Kinder von Frau Seifert kümmert. In der Beziehung scheint also einiges möglich. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

LVZ-Online

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