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Eilenburg Eilenburgerin bemängelt unbezahlten Praktika
Region Eilenburg Eilenburgerin bemängelt unbezahlten Praktika
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00:34 08.04.2018
Die Aufgaben im Altenpflege-Praktikum gehen für angehende Krankenpflegehelfer gehen über das Helfen beim Trinken hinaus. Trotzdem gehören es zur schulischen Ausbildung und wird nicht bezahlt. Quelle: picture alliance / ZB
Eilenburg

Überall in Pflegeheimen und Krankenhäusern werden Fachkräfte gesucht, „aber wenn angehende Krankenpflegehelfer ihre Praktika leisten, werden sie wochenlang Vollzeit eingesetzt. Dabei werden sie, anders als die Auszubildenden im dualen System, nicht entlohnt“, wandte sich eine Eilenburgerin für ihre 17-jährige Tochter an die Redaktion. Es gebe weder Fahrgeld, noch werde Arbeitskleidung gestellt oder gar zentral gewaschen. Dabei müssen sich die Auszubildenden selbst um ihre Praktikumsplätze bewerben. Im zweiten Lehrjahr geht es in Krankenhäuser und wenn alle Stellen in Eilenburg vergeben sind, bleibt nur, weiterzufahren.

Als die 17-Jährige Absagen erhielt, war sie enttäuscht: „’Die wollen mich nicht mal, obwohl sie nichts bezahlen müssen’, hat sie gesagt. Das ist doch demotivierend“, so die Mutter, die namentlich nicht genannt werden will. Die zweijährige Helfer-Ausbildung werde ja auch dazu genutzt, um der Schulpflicht, die bis zum 18. Lebensjahr gilt, Genüge zu tun. Aber die Idee, in der Branche weiterzumachen, werde auf diese Weise „bestimmt nicht gestärkt“.

Antrag auf Bafög möglich

„Das Praktikum ist der berufspraktische Teil einer schulischen Ausbildung. Wenn ich mich für diesen Bildungsweg entscheide, muss das klar sein: Ich habe kein Schulgeld zu bezahlen, aber ich habe auch keinen Ausbildungsbetrieb“, stellt Dagmar Fröhlich fest. Sie ist Leiterin des Beruflichen Schulzentrums Eilenburg, wo die zweijährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer angeboten wird. „Die Wahrnehmung, dort nur Arbeitskraft zu sein, dürfte nicht stimmen“, so Fröhlich. Denn der junge Mensch ist dort trotz allem Einsatz keine Arbeitskraft, die gleichwertig eingesetzt werden kann. Denn es muss immer noch angeleitet werden, muss etwas erklärt werden, ist Geleistetes zu kontrollieren. Das Praktikum ist Bestandteil der Ausbildung und kann nicht bezahlt werden.“ Kommen die Azubis aus Familien mit geringerem Einkommen, sei es möglich, Bafög zu beantragen.

Praktikanten sollen reinschnuppern

„Bei uns sind Praktikanten rein zusätzlich im Unternehmen. Denn wir haben so viel Personal, wie wir haben dürfen“, erklärt Kathleen Krieg von der K&S Seniorenresidenz. „Es sind zwei Praxisanleiterinnen da, die sich um alle Auszubildenden kümmern. Nur wer sehr gut geeignet ist, wird schon richtig ins Team integriert. Und es gibt die Chance, bei uns Auszubildende zu werden. Schade ist nur, dass sie dann noch einmal weitere drei Jahre Ausbildung absolvieren müssen.“ Zwar wird die eine einjährige Verkürzung dieser Lehrzeit angeboten, aber die meisten, die sich dann dafür im BSZ anmelden, nutzen diese Möglichkeit nicht.

„Klar gibt es den Notstand beim Pflegepersonal, aber wir wollen trotzdem die Qualität halten“, so Melanie Schäffner, Pflegedienstleiterin im Eilenburger DRK-Heim. „Praktikanten sollen reinschnuppern und fragen können. Das Pensum ist dem Wissenstand und den Praktikumsaufgaben, die uns die Schule vorgibt, angepasst.“ Auch beim DRK starten immer mal wieder Altenpflegeazubis nach ihrer Krankenpflegerhelferausbildung. Eine Möglichkeit, die sie jedoch auch gleich nach der Schule gehabt hätten.

Von Heike Liesaus

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