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Eilenburgerin ist auf ein Spezialauto angewiesen – Hilfe bekommt sie nicht

Mobil mit Handicap Eilenburgerin ist auf ein Spezialauto angewiesen – Hilfe bekommt sie nicht

Jessica Schulz ist mit Spalthänden zur Welt gekommen. Trotzdem will sie ganz normal leben. Sie will auch ganz normal arbeiten. Und dafür wie andere mobil sein. Doch da gibt es Auflagen, höhere Hürden als für jeden anderen. Aber keinerlei Hilfe. Das bereits für sie umgebaute Auto kann die 24-Jährige bislang nicht nutzen.

Jessica Schulz sitzt nur zur Probe hinter dem Lenkrad. Wirklich steuern darf sie nur in einem für sie umgebauten Auto. Das dann ihr Freund Hannes Friedrich nicht fahren dürfte.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg.  Barrierefrei? Jessica Schulz hat in ihrem Leben schon einige Hürden aus dem Weg räumen müssen. Gerade dieser Tage scheint es ihr mal wieder so, als würden Leuten mit Handicap eher Barrieren in den Weg gelegt als beseitigt. Um mit dem Auto mobil zu sein, muss sie ein Vielfaches aufwenden. Doch Unterstützung? Fehlanzeige.

Die 24-Jährige ist mit Spalthänden und -füßen geboren. Das bedeutet: Die „Strahlen“ der Hand- und Fußknochen, Finger und Zehen wurden nicht ausgebildet. So sehen diese Gliedmaßen etwa so aus, als steckten sie in Fausthandschuhen. „Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich kann alles machen. Eigentlich brauche ich keine Hilfe“, sagt sie. Doch die Auflagen, die sie erfüllen muss, scheinen sie nun eher ins finanzielle Desaster zu treiben, wenn es keine Hilfe gibt.

Sie hatte die Lehre für einen Büro-Job beim Berufsbildungswerk geschmissen. „Es ging mir schlecht. Dort hatte ich zu wenig Bewegung“, erklärt sie. Und sie machte stattdessen zuerst den Sozialassistenten am Beruflichen Schulzentrum Eilenburg. Dann schloss sie die Ausbildung als Heilerzieherin an. Sie kann und muss zupacken. Bewegt selbst 80 Kilo schwere Patienten. „Ich wurde bei jeder Prüfung gefragt, ob ich zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen will, die bei Behinderungen eingeräumt wird. Aber wozu? Ich konnte das so schnell wie andere auch“, erzählt sie. Sicher müsse sie in der Praxis für bestimmte Handgriffe andere Techniken entwickeln. Und sie brauche eventuell mehr Zeit, bis das sitzt. Aber dann sei alles zu bewältigen.

Nun jedoch geht es um persönliche Mobilität, um mit anderen bei der Bewerbung um den Arbeitsplatz auf gleicher Ebene zu sein. Im Sommer endet die Ausbildung. Nach den Prüfungen, die jetzt noch laufen, startet die Zeit der Vorstellungsgespräche. Nicht alle Einrichtungen, die Heilerziehungspfleger beschäftigten, liegen nahverkehrsgünstig. Den ÖPNV zu nutzen, kostet mehr Zeit. Jessica Schulz kämpft seit Jahren. Die Führerscheinprüfung hat sie abgelegt. Auch dafür gab es keine Hilfe von der Arbeitsagentur: Die zahlt nur, wenn der behinderte Mensch öffentliche Verkehrsmittel wegen seiner Behinderung nicht nutzen kann. Überhaupt: Sie hätte sich nicht eine Ausbildungsstätte wie die auf der Roten Jahne aussuchen müssen und sie hätte einen anderen Beruf „an einer besonderen Einrichtung der beruflichen Rehabilitation erlernen können“, hieß es schon vor zwei Jahren im Widerspruchsbescheid.

Unter den finanziellen Hürden mag das Gutachten der Dekra-Prüfer für ihre Fahreignung die kleinste gewesen sein: 100 Euro. Die resultierten Auflagen machen die Sache teuer. Sie darf nur Autos mit Automatikgetriebe, angepasster Bedienung von Beleuchtung, Blinker, Hupe, Lichthupe, Schreibenwischer sowie einer angepassten Lenkung fahren. Ihr Freund fährt ein Auto, das 300 Euro gekostet hatte. Gern wäre sie für ihr eigenes ebenfalls in einer niedrigen Preisklasse eingestiegen. Doch das preiswerteste Modell, in dem sich die vorgeschriebenen Umbauten installieren ließen, schlug mit dem Zigfachem zu Buche. Ein Verwandter sprang als Bürge ein, weil die beiden jungen Leute die Finanzierung mit ihrem Bafög nicht absichern können. Die Eltern von Jessica Schulz sind alles andere als begütert.

Das Auto ist inzwischen da, steht umgebaut beim Händler. Bereits seit Februar laufen die Raten. Fahren kann sie trotzdem nicht. Denn der Umbau konnte nicht in die Kreditfinanzierung aufgenommen werden. Etwa die Hälfte ist aufgebracht. Nun klafft eine letzte Lücke: 1400 Euro. Der Autohändler sei dem jungen Paar weit entgegengekommen. „Ich hatte fest damit gerechnet, dass sich das im Hinblick auf den Start der Bewerbungen regeln lässt. Dass es Hilfe für den Umbau gibt“, sagt die junge Frau. Von Arbeitsagentur, Sozialverbänden, Ämtern, an die sie sich wendete, gab es bisher nur Absagen.

Von Heike Liesaus

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