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Eilenburg Eilenburgs Einkaufsmeile zwischen Leerstand und neuen Läden
Region Eilenburg Eilenburgs Einkaufsmeile zwischen Leerstand und neuen Läden
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13:08 23.02.2018
Brillen, Brot, Gemüse, Elektronik, Kleidung, Reisen, Versicherungen – alles gibt es in der Leipziger und Torgauer Straße, aber ebenso Leerstand. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Leerstand oder Neubesiedlung? In den vergangenen Jahren haben in der Eilenburger Einkaufsmeile Inhaber Geschäfte aufgegeben, stehen Ladenlokale schon seit Jahren leer. Anderswo gibt es Neuansiedlungen. Welche Erfahrungen machen die Inhaber, was sagen Passanten?

Einkaufen in der Eilenburger City: Mutter Manja und Tochter Mia finden alles, was sie brauchen. Quelle: Heike Liesaus

Manja Lange ist mit Töchterchen Mia (6) und Partner Heiko Hilscher auf dem Weg in ihre Wohnung in der Leipziger Straße. Brötchen gibt es beim Bäcker gleich im Haus. „Wir haben alles, was wir brauchen, gleich in der Nähe“, erzählen die drei. „Aber etwas mehr für Kinder könnte es schon geben in der Stadt, übrigens nicht allein Läden, auch Vereine für Sport“, stellt Manja Lange fest. Immerhin ist aber die Schnupperstunde bei den Tanzgruppen gebongt. Deren Domizil ist einmal quer durch die City fast am Ende der Torgauer Straße. Der Verein nutzt dort seit einigen Jahren ein ehemaliges Ladenlokal.

Bei Kindersachen ist es eine andere Sache. Preiswerte Angebote werden von den großen Ketten erwartet oder im Internet bestellt, gibt die 33-jährige Mutter zu. Auch in Leipziger Straße ist hat der inhaberbetriebene Laden für Kindersachen schon lange aufgegeben. Schräg gegenüber ist gleich dreifacher Leerstand im ehemaligem AfD-Büro, Dönerladen und Fotogeschäft angesagt. Eine Angestellte in einem Textilgeschäft, die ihren Namen aber nicht genannt haben will, macht diese Entwicklung Angst. „Noch ein Handy-Laden, ein Dönergeschäft oder noch ein Café werden nicht gebraucht“, so die Frau Mitte 40.

Super Lage oder schlechte Entwicklung

Stefanie Schleinitz (31) ist Inhaberin des Kosmetikstudios Schickmacherin. Quelle: Heike Liesaus

Wenige Ladentüren weiter ist Stefanie Schleinitz optimistisch. Die 31-jährige Kosmetikerin eröffnete vor etwa einem Jahr ihr Geschäft mit dem Titel „Schickmacherin“. „Das ist eine super Lage. Ich kann mich nicht beklagen. Das liegt sicher auch daran, dass ich in einer Branche arbeite, bei der es angenehmer ist, nicht so weit wegfahren müssen.“

Karin Heinrich betreibt ihr Schreibwarengeschäft bereits seit 25 Jahren in der Torgauer Straße. „Das mache ich, solange ich kann“, sagt die 65-Jährige. Für sie hat die Innenstadt jedoch keine positive Entwicklung genommen. Die Kornmarktbebauung sieht sie als schmucklosen Klotz. Und dort gibt es gleich zwei Ketten, die unter anderem Schreibwaren anbieten. „Zu uns kommen aber Leute, wenn sie schon überall gesucht haben.“

Freude über Spezial-Angebote

Juliane Windisch vom „Wäschefräulein“ in der Torgauer Straße in Eilenburg. Quelle: Heike Liesaus

„Man kann schon froh sein über jeden Laden, der nicht leer steht“, fasst Petra Grubitzsch zusammen. Die 60-Jährige hatte Glück. Sie konnte die Nachfolge für ihren Kurzwarenladen schon lange anbahnen. Heike Böhm, Inhaberin von 3D-Flowers nur wenige Meter entfernt, ist nun seit einigen Monaten Inhaberin des „Wäschefräulein“, wo es Dessous und Nachtwäsche gibt. Tochter Juliane Windisch (29) ist Fachfrau fürs Textilen, die meiste Zeit im „Wäschefräulein“ präsent und zufrieden: „Viele freuen sich über die Spezial-Übergrößen, die sie bei uns finden. Wir hatten nicht erwartet, dass so viel Nachfrage herrscht.“ Gerade in dieser Frage bewähre sich das neue Geschäft als Problemlöser. Manche Frau habe Tränen in den Augen, weil sie endlich etwas findet, das passt. „Aber letztendlich lässt sich Nachfrage nicht erzeugen“, umreißt Petra Grubitzsch das Problem der kleinen Ein-Frau-Läden, in die Offensive zu gehen. Aber es entwickeln sich auch Netzwerke. „Wenn zum Beispiel für die Dekoration etwas von einem anderen Geschäft in meinem Schaufenster steht. Dann gibt es den Hinweis darauf. Wir empfehlen uns auch gegenseitig“, erzählt Juliane Windisch.

In der Leipziger Straße sind bei Kerstin Nickl im Wohlfühlcafé Veranstaltungen zu erleben, bei der Buchhändlerin Kristin Hennig aus Büchern liest. Ein Treffpunkt ist die Straße nach wie vor für Christel Städter und Hildegard Dahms, beide 79: „Die Versorgung ist immer noch gut. Traurig sind jedoch leere Läden ebenso, wie solche, wo kaum Kunden hingehen.“

Von Heike Liesaus

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