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Eilenburg Eilenburgs Gastronomen trotzen der schwierigen Lage
Region Eilenburg Eilenburgs Gastronomen trotzen der schwierigen Lage
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Der Eingang zum Eilenburger Ratskeller ist wieder verschlossen. Der letzte Betreiber hat vor einigen Wochen aufgegeben. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Für Häuser, in denen die sogenannte gehobene Gastronomie gefragt ist, "wäre ich wahrscheinlich auch nicht der Mensch", schätzt Sandra Stummp, Betreiberin des Lokals "Strandhotel" ein. "Generell mag es in Eilenburg vielleicht nicht einfach sein, aber bei uns hat es das Essen ausgemacht." Anfangs war das Lokal in der Rinckartstraße Ableger des "Kültzschauer Kartoffelsack". Essen wurde von dort geliefert. Seit alles in eigener, offener Küche frisch gekocht wurde, kam Schwung ins "Strandhotel", das kein Hotel ist. "Auch das mit den Lieferbuffets hat sich gut entwickelt", freut sich die 35-Jährige.

Aus dem Eilenburger Osten kommen ebenso positive Signale: Kartoffelsack-Wirt Uwe Jahn betreibt sein Lokal seit 17 Jahren. "Man darf die eigenen Ansprüche jedoch nicht zu hoch schrauben. Das heißt: Normales Einkommen bei erhöhtem zeitlichen Aufwand", erklärt der Ureilenburger, der seinen Gästen so etwas wie das zweite Wohnzimmer bietet. "Und wir lassen uns immer mal etwas einfallen." Alle halben Jahre ein kleines Kabarett, der Mini-Weihnachtsmarkt, die Weihnachtsfeier in der Puschkinstraße.

Sven Thiergen ist seit 28 Jahren Wirt im urigen "Leipziger Tor". So hat er schon viele Höhen und Tiefen erlebt. "Wir bereiten gerade unser Kürbis-Glühen zu Halloween vor." Generell habe es die deutsche Küche nicht einfach, für ihn gibt es zurzeit aber ein ganz großes Problem: Er sucht dringend einen zweiten Koch. "Es wollen nur wenige abends arbeiten. Dabei ist bei uns immerhin jedes zweite Wochenende frei."

Matthias Radke, dem Wirt von "Big Schnitzel" in der Bergstraße, sieht für sich selbst schon mal gute Bedingungen, weil er sein Lokal in der eigenen Immobilie betreiben kann. "Damit haben wir keine Pachtkosten und konnten mehr in den Freisitz investieren." Aber auch bei ihm gibt es dicke Wermutstropfen: Es sind die Parkplätze, an denen es im Umfeld fehlt. Es kommen viele auswärtige Gäste. Die stellen sich ins Parkverbot, fangen Knöllchen und kehren nie wieder ein.

In Sachen Ratskeller, den die Stadt Eilenburg verpachtet, hat Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) einen Brief an Ulrich Reinhardt geschrieben. Der hatte den Ratskeller in den 90ern mit Erfolg betrieben, sich danach ein Jahrzehnt Auerbachs Keller in Leipzig gewidmet. Dass Reinhardt selbst wieder nach Eilenburg kommt, ist nicht anzunehmen. "Aber vielleicht kann er seine Netzwerke nutzen", hofft der OBM. "Es ist sehr oft eine Frage der handelnden Personen. Manche Gaststätten können sich vor Kunden kaum retten."

Heike Liesaus

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