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Eilenburg Eilenburgs Handel im Wandel – was wird jetzt aus den Geschäften bei Marktkauf?
Region Eilenburg Eilenburgs Handel im Wandel – was wird jetzt aus den Geschäften bei Marktkauf?
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00:18 11.02.2016
Der Toom-Baumarkt will als Besuchermagnet An der Schondorfer Mark 1 bleiben. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Der Toom-Baumarkt, eine Apollo-Filiale, ein Reisebüro und eine Lotto-Annahmestelle mit Zigaretten- und Zeitungsangebot harren an der Schondorfer Mark aus, auch wenn sich Marktkauf aus dem Einkaufszentrum an der B 87 in Eilenburg zurückgezogen hat. Neue geplante Handelsstandorte in zentraler Lage verbessern die Situation an dieser Stelle nicht gerade, auch wenn Betroffene sich dazu sehr zurückhaltend äußern.

Eine Mitarbeiterin des Airport-Reisebüros betont: „Viele denken, es gäbe uns nicht mehr. Aber wir sind noch da, wollen auch bleiben. Auch wenn die Resonanz besser sein könnte.“ Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Verlässliche Aussagen zur Perspektive des Einkaufszentrums sind zurzeit schwer zu bekommen. Wir wissen nichts, können aber mit den Kunden im Umfeld, die uns hier schon immer besucht haben, ganz gut überleben, ist von der Leiterin der Apollo-Filiale zu hören. Sie verweist auf die Pressestelle des Optik-Dienstleisters und auf die Möglichkeit, mit dem Auto bis ans Geschäft heranfahren zu können, was in der Innenstadt nicht immer möglich sei. Die Inhaberin des kleinen Verkaufsecks mit Lottoannahme, Zigaretten, Zeitungen und Geschenken aus Bad Düben möchte ebenfalls anonym bleiben. Seit sechs Jahren sei sie jetzt hier eingemietet, verrät sie nur und „voller Hoffnung, dass es wie bisher weitergeht“.

Auf frühere Informationen, Kaufland als Lebensmittel-Vollversorger würde sich für den Standort Eilenburg interessieren, setzt die bereits erwähnte Reiseverkaufsfrau nicht. Erst recht nicht, seit der Stadtrat in dieser Woche dem Verkauf eines großen Grundstücks an der Ziegelstraße zwischen der Mitte und dem Ostteil der Stadt zugestimmt hat. Und damit den Plänen des Großversorgers Edeka samt Anhang, wie es Marktkauf mal am Rande der Muldestadt war, der Weg geebnet wurde. „Eilenburg hat viel zu wenig Kaufkraft, als dass sich so viele Großmärkte lohnen würden“, klingt das Argument der Reise-Händlerin glaubhaft.

Jetzt ist der Toom-Baumarkt der größte Magnet an der Schondorfer Mark. Die Kunden geben sich hier selbst an diesem trüben Wochentag die Klinke in die Hand. Dem Männerparadies droht Konkurrenz. Denn der avisierte neue Vollsortimenter an der Ziegelstraße kommuniziert, auch dort käme ein Bau- und Gartenmarkt hin. Hartnäckig hält sich in der Muldestadt deshalb das Gerücht, Toom würde in absehbarer Zeit aufgeben. Erst Ende vergangenen Jahres wurde auf Anfrage dieser Zeitung in der Pressestelle der Rewe-Gruppe, zu der Toom gehört, versichert: „Toom hält dem Standort die Treue“, um dann auf Selbst- und Mitmach-Projekte der Filiale zu verweisen, mit denen die Kunden zusätzlich in den Markt gelockt werden sollen. Baumarkt-Angebote gibt es an der Schondorfer Mark bereits im 21. Jahr. 2007 stieg Toom ein.

Nur wenige Meter neben dem Eingang zum Baumarkt bedankt sich Marktkauf auf einem Plakat für die langjährige Treue der Verbraucher und erinnert an den Schließungstermin Mitte September 2014. 70 Mitarbeiter waren hier beschäftigt. Wie Toom nunmehr – seit sich in Eilenburg die Einkaufsmöglichkeiten an anderer Stelle neu sortieren – die aktuelle Situation in Eilenburg beurteilt, darauf antwortet Rewe-Pressefrau Daria Ezazi in Köln kurzfristig: „Eine Schließung des Toom Baumarktes in Eilenburg ist nicht geplant.“ Der Mietvertrag für die Schondorfer Mark sei für mehrere Jahre geschlossen. Mehr Details gab es nicht.

Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) habe, sagt er, zur Perspektive an besagter Stelle ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Die Zusammenarbeit mit der Eigentümerin der Immobilie in der Schweiz sei „nicht so einfach“. Sie habe sich aber bemüht, Nachnutzer zu finden. Bislang bleiben Erfolgsmeldungen aber aus. In ihrem Auftrag kümmert sich die Firma Pro Nord Immobilien GmbH mit Sitz in Niedersachsen um die Objektbetreuung. Auch dort gab es in dieser Woche keinen Ansprechpartner. Hier wurde auf die nächsten Tage verwiesen.

Von Karin Rieck

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