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Eilenburgs Stadtbäckerei Holz schließt zu Ostern

Eilenburgs Stadtbäckerei Holz schließt zu Ostern

Die Entscheidung ist gefallen. Nach fast 28 Jahren schließt die Eilenburger Stadtbäckerei Holz. Was für Außenstehende überraschend kommt, ist für die Betreiber das unvermeidliche Ende eines langen Prozesses.

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Eine Bäcker-Ära endet: Sonja und Bernd Holz und ihre Kinder André Holz und Mandy Palm (von links).

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Bernd Holz ist Bäcker mit Leib und Seele. Auch, wenn er Autoschlosser werden wollte, dann aber den Bäckerberuf erlernte. 1986 erfüllte er sich als 36-Jähriger einen Lebenstraum, übernahm mit Ehefrau Sonja die Bäckerei Tuchel am Nordring, baute den Betrieb auf. "Es machte mir nichts aus, nachts um 1 Uhr aufzustehen und mit der Arbeit zu beginnen. Schließlich war ich mein eigener Herr", sagt der Chef, für den Sechs-Tage-Wochen ein Vierteljahrhundert zum Selbstverständnis gehörten. Tage, an denen er mit Hingabe eigene Rezepte kreierte, um eine Vielfalt von Backwaren zu produzieren. Fast drei Jahrzehnte kamen zusammen, in denen er sich auch von der Flut 2002 nicht unterkriegen ließ, neu anfing. Zuletzt zählten zehn Mitarbeiter zum Team, die sich jetzt neu orientieren müssten, "dabei versuchen wir zu helfen", sagt Sonja Holz.

Jetzt aber, mit 65 Jahren, sollte Schluss sein, sollte das Geschäft an Tochter Mandy Palm (42), die Konditormeisterin, und Sohn André (36), den Bäckermeister, übergehen. Ein Generationswechsel, den Sonja Holz schon zum 25-jährigen Jubiläum mit Sorge sah: "Eigentlich müsste man ein schlechtes Gewissen haben, in solch schwierigen Zeiten die Verantwortung an die Kinder zu übertragen."

Die Skepsis ist mittlerweile einer bitteren Erkenntnis gewichen. "Das tut schon weh", sagt Sonja Holz. Die Kinder werden das Geschäft nicht weiterführen. Sohn André bleibt dem Beruf treu, verlässt Eilenburg aber, Tochter Mandy orientiert sich beruflich neu. "Traditionelle Backstuben sterben aus. Großbäckereien beherrschen den Markt. Heute werden an jeder Tankstelle Brötchen und Croissants verkauft, immer mehr Discounter backen selbst", sagt sie. Hinzu komme, dass die Branche Nachwuchssorgen habe: "Immer weniger junge Menschen wollen Bäcker werden. Wir haben zehn Lehrlinge ausgebildet, aber in den letzten Jahren blieben die Fachkräfte aus." Angesichts dieser Entwicklung gehe der Spaßfaktor an der Selbstständigkeit verloren. Zusätzlich zu den anspruchsvollen Arbeitszeiten, die ein geregeltes Familienleben oder Hobbies unmöglich machen, und den Konkurrenzdruck haben die kleinen Bäckereien mit wachsenden Auflagen zu kämpfen. "Die Allergenauszeichnung aller Produkte lässt keine spontane Kuchen-Idee zu. Jedes Produkt muss lange vorher erarbeitet und ausgeschildert werden", erklärt Palm. Letztlich haben die schwierigen Bedingungen auch zu gesundheitlichen Folgen geführt. Kein Grund wäre für sich allein einer zum Aufgeben gewesen. Die Summe aller Faktoren sei es, "dass man sich als Familienbetrieb fragen muss, inwieweit ein solches Geschäft führbar ist".

Für Sonja und Bernd Holz ist der Schritt ins Rentendasein einer in einen neuen Lebensabschnitt und Grund, mit Stolz auf das Erreichte zurückzublicken. Die Bäckerei wird allen fehlen, der Kontakt zu den Kunden, das Arbeiten mit den Kindern. Gründonnerstag soll endgültig Schluss sein. Dann schließt die Stadtbäckerei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2015
Kathrin Kabelitz

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