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Eilenburgs Sturm-Bilanz: Schäden in 20 Straßen

Eilenburgs Sturm-Bilanz: Schäden in 20 Straßen

Das nächste Unwetter kommt garantiert. Eilenburgs Wehrleiter Gunter Kneiß kann sich, wenn Pieper und Sirenen rufen, darauf verlassen, dass von seinen 60 aktiven Kameraden genauso viele im Eiltempo zur Feuerwache unweit der Bahnhofstraße stürmen, wie für die jeweiligen Hilfeleistungen benötigt werden.

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Gunter Kneiß

Quelle: Carsten Lippert

Eilenburg. Sobald die Fahrzeuge besetzt sind, geht es los. Das sei eine eingespielte Prozedur.

"Wenn die Kameraden dann aber bei Sturm, Starkregen und Hagel unterwegs sind, ist mir gar nicht wohl", so der 59-Jährige, der die Reihenfolge koordiniert. Nicht alle würden mit dem Auto kommen. Auch mit dem Rad oder gar zu Fuß. Nicht jeder wohnt in der Nähe, manche auch in Eilenburg-Ost. Einige treffen dann pitschnass im Depot ein und düsen gleich weiter. Setzen bei einem Unwetter, wie es Eilenburg am vergangenen Sonnabend heimsuchte, durchaus auch Gesundheit, gar das Lebens aufs Spiel für ihr Ehrenamt. Denn nicht nur in der Bahnhofstraße, die an den Stadtpark grenzt, flogen Baumteile durch die Gegend. "Wir waren froh, dass diesmal auch Anwohner dabei geholfen haben, Äste von der Straße zu ziehen, damit wir freie Fahrt hatten", sind nicht nur bei Gunter Kneiß die Ereignisse des jüngsten Wochenendes nach wie vor Gesprächsthema.

Das Konto von durchschnittlich 1200 bis 1600 Einsatzstunden im Jahr hat jeder Feuerwehrmann - diesmal waren 25 gefordert - für 2015 erneut deutlich aufgestockt. "Das entspricht neben der eigentlichen Arbeit zusätzlich einem Vollzeitjob", gibt Kneiß zu bedenken. Zwar hätten Unwetterfolgen daran lediglich einen Anteil von etwa zehn Prozent. Schwerpunkte seien nach wie vor Brände und Hilfeleistungen bei Unfällen sowie die Ausbildung. "Wir verzeichnen bei der Beseitigung von Schäden durch Naturgewalten keinen steigenden Trend", so der Stadtbrandmeister, der seit 1994 in der Muldestadt Feuerwehrchef ist. Doch wenn die Natur verrückt spiele, dann heftiger als früher.

Fahrzeuge von Kameraden, die bei Einsätzen über die Stadtverwaltung versichert sind, seien durchaus schon beschädigt worden. "Dass es bisher keine Personenschäden gab, ist wie ein kleines Wunder. Und das soll auch so bleiben", wünscht sich Gunter Kneiß. Und meint damit nicht nur seine Leute, sondern das Gefahrenpotenzial insgesamt, das sich von Zeit zu Zeit vom Himmel entlädt. Bei Ereignissen wie voriges Wochenende, als in der Delitzscher Leitstelle die Drähte glühten, nutzen die Eilenburger ihren eigenen Funkkanal und koordinieren die Prioritäten selbst. Diesmal rückten sie in 20 Straßen aus, um Windbruch zu beseitigen, damit der Verkehr wieder fließen kann. Alles weitere erledigen die Mitarbeiter der Stadtwirtschaft und des Betriebshofes, die damit noch in dieser Woche gut zu tun hatten.

"Manchmal regen sich Leute auf, weil wir nicht zuerst zu ihnen kommen. Manchmal sagen sie auch Dankeschön", so Kneiß über Befindlichkeiten der Helfer, die je nach Verantwortungsgrad eine Aufwandsentschädigung von 250 bis 1200 Euro im Jahr bekommen. Im Sachgebiet Brandschutz der Stadt angestellt sind lediglich der Wehrleiter und drei Gerätewarte. Und es kommt auch erst nach einer Einzelfallprüfung vor, dass die Hilfe der Feuerwehr im privaten Bereich in Rechnung gestellt wird. "Die Folgen von Großereignissen wie die Muldehochwasser oder von Gewitterstürmen trägt der Steuerzahler", so Kneiß. Wenn aber nachzuweisen ist, dass Eigentümer ihren Pflichten nicht nachkommen, dann sind die Einsätze der Feuerwehr nicht umsonst. "Wir helfen gern", so Kneiß abschließend. "Aber wegen jeder Pfütze im Haus muss man uns nicht rufen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2015
Von Karin Rieck

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