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Eilenburg Eilenburgs Tagesmütter erhalten mehr Geld
Region Eilenburg Eilenburgs Tagesmütter erhalten mehr Geld
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11:12 12.03.2019
Tagesmutter Sibylle Kufahl ist mit einem witzigen Wagen unterwegs, in dem alle Kinder hintereinander sitzen. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

Die Tagesmütter in der Stadt Eilenburg bekommen mehr Geld. Das hat der Stadtrat am Montag einstimmig beschlossen. Demnach sollen die pauschalen Entgelte rückwirkend zum 1. Januar von derzeit 545 auf 575 Euro für die Neunstunden-Betreuungszeit eines Kindes im Monat steigen. Für die Sechsstunden-Betreuung überweist die Stadt künftig 460 statt 436 Euro. Die meisten Kinder sind entweder neun oder sechs Stunden bei einer Tagesmutter in Obhut. Für zehn Stunden gibt es 613 Euro (alt: 581 Euro), für 4,5 Stunden 345 Euro (327 Euro).

„Kämpfen schon eine ganze Weile“

Bei den Tagesmüttern, die bis zu fünf Kinder betreuen dürfen, kommt die Entscheidung gut an. „Wir kämpfen ja schon eine ganze Weile darum“, sagt Sibylle Kufahl, die Kinder im Alter bis zu drei Jahren Am Anger in Eilenburg umsorgt. „Wenn man voll besetzt ist und die Kinder neun Stunden betreut werden, ist das okay.“ Die 53-Jährige ist derzeit „in der glücklichen Lage“, dass alle fünf Kinder bei ihr neun Stunden sind. So kommt sie mit den Kosten hin, zumal auch die Stadtverwaltung anteilig die Kranken-, Renten- und Unfallversicherung übernehme.

Krankheitsfall ist ein großes Problem

Problematisch sei es dagegen immer, wenn eine Tagesmutti durch Krankheit ausfällt. „Eine Betreuung dann zu organisieren, ist ganz schwierig. Die Kinder mal einfach zu einer anderen Tagesmutter geben, geht nicht, weil wir ja alle nur maximal fünf Kinder betreuen dürfen“, erklärt Sibylle Kufahl, die seit elf Jahren als Tagsmutter in Eilenburg arbeitet. Meistens würden dann die Kitas einspringen. Aber auch dort sei das Personal knapp.

Verdienst unterm Strich gering

Als „längst überfällig“ bezeichnet Gabriele Weihmann, Tagesmutter in der „Kinderwohlfühloase“ in Pressen, die Entscheidung, die Entgelte zu erhöhen. Auch Ina Rochner-Wolff, Tagesmutter in Eilenburg Ost, freut sich über das Stadtratsvotum. „Das ist zwar nicht das, was wir ursprünglich wollten, aber wir sind auf einem guten Weg“, konstatiert sie, hofft aber gleichzeitig auf ein Gesetz, das die Bezahlung vereinheitliche. Derzeit gebe es zwischen den Kommunen zu hohe Differenzen, weil jede Stadt oder Gemeinde ihre Tagesmütter unterschiedlich bezahle. „Wenn man mal alle Kosten abzieht, ist der Verdienst unterm Strich gering.“ Ein damit einhergehendes Problem sei, dass die Tagesmütter zu wenig in die Rentenkasse einzahlen könnten. Insofern werde die spätere Altersrente nicht so hoch ausfallen, um nach jetzigem Stand gut davon leben zu können.

Weitere Steigerung ab 2020

Damit die Tagesmütter perspektivisch mehr Planungssicherheit haben, werden die Entgelte ab Januar 2020 noch einmal steigen – auch das hat der Stadtrat am Montag beschlossen: für zehn Stunden auf 640 Euro, für neun Stunden auf 600 Euro, für sechs Stunden auf 480 Euro und für 4,5 Stunden auf 360 Euro.

Zu den Entgeltzahlungen erhalten die Tagesmütter noch einen Sachkostenzuschuss von maximal 500 Euro im Jahr und ab Juni pro Kind und Monat 35 Euro mehr für die pädagogische Tätigkeit. Im Schnitt kann so eine Tagesmutter mit Einkünften in Höhe von 3131,67 Euro (2019) beziehungsweise 3256,67 Euro (2020) rechnen, wovon dann noch Kosten abgehen. Das letzte Mal waren die Entgelte im April 2018 rückwirkend zum 1. Januar erhöht worden. Damit waren die Tagesmütter nicht zufrieden.

Eilenburg hat sieben Tagesmütter

Für die Stadt Eilenburg bedeuten die höheren Zahlungen Mehrausgaben in Höhe von insgesamt 12 800 Euro in diesem und 21 600 Euro im nächsten Jahr – wenn alle Plätze belegt sind und alle Kinder neun Stunden betreut werden. In der Regel sind die Tagesmütter in Eilenburg ausgebucht. Insgesamt stehen derzeit sieben Tagesmütter mit zusammen 35 Plätzen zur Verfügung und ergänzen das Kita-Angebot. Marion Knorr kündigte indes an, als Tagesmutter aufzuhören. Ab September stünden dann sechs Tagesmütter zur Verfügung. Die Stadtverwaltung prüft derzeit eine neue Ausschreibung. Für Kitas und Tagesmütter hat die Stadtverwaltung insgesamt Ausgaben in Höhe von 235 000 Euro (2019) und 219 000 Euro (2020) in den Haushaltsplan eingestellt.

Auch darum ging es im Eilenburger Stadtrat

Straßenausbaubeiträge: 30 Familien im Wohngebiet Am Grünen Fink, wo die Straße zuletzt neu gebaut wurde, wehren sich gegen die jetzt drohenden Straßenausbaubeiträge. Anwohner Uwe Queitsch richtete stellvertretend einen Appell an Oberbürgermeister und Stadtrat, die Erhebung der Beiträge zu überdenken. Nach Auffassung der Bürger handele es sich um einen Straßenausbau und keinen Neubau. Aber die Beiträge würde nach Neubau-Kriterien erhoben und fielen damit deutlich höher aus. Dagegen würden die Betroffenen Rechtsmittel einlegen. Unterdessen wird das Thema Abschaffung der Straßenausbaubeiträge im nächsten Stadtrat aufgerufen. Dann soll auf Initiative von CDU und SPD eine entsprechende Beschlussvorlage vorgelegt werden.

Ärztehaus: Die Stadtverwaltung wartet auf den Eingang des Bauantrages für das neue Ärztehaus, das an der Klinik in Eilenburg entstehen soll, teilte OBM Ralf Scheler (parteilos) auf Anfrage von CDU-Stadtrat Karl-Heinz Böhme mit. Wie Stadtrat Hans Poltersdorf (CDU) konkretisierte, wisse er von den Investoren, dass dieser noch in diesem Quartal gestellt werden soll. Die Stadträte gaben zu bedenken, dass mit dem Neubau auch das Problem fehlender Parkplätze gelöst werden müsse. Stadtrat Paul-Thilo Geißler (CDU) forderte die Verwaltung auf, von der Möglichkeit einer Ablösezahlung nicht Gebrauch zu machen. Ansonsten spitze sich die Situation weiter zu. Ins Spiel gebracht wurde der Bau einer Tiefgarage. Schon jetzt herrscht am Krankenhaus Parkplatzmangel.

Bahnsteige: Im dritten Quartal will die Deutsche Bahn mit den Planungen für den Umbau der Bahnsteige am Eilenburger Bahnhof beginnen, wusste OBM Scheler zu berichten. Die Bahn habe aber das Problem, das Oberflächenwasser abzuleiten, ergänzte Baubereichsleiterin Petra Zimmermann. Geprüft werde deshalb der Bau eines unterirdischen Rückhaltebeckens im Bereich der nicht befestigten Parkplätze. Künftig soll das große Dach über den Bahnsteigen wegfallen und sollen kleinere Unterstellmöglichkeiten geschaffen werden. Die Bahnsteige sollen zudem barrierefrei werden.

Haushalt: Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat den 32 Millionen Euro umfassenden Doppelhaushalt 2019/20 beschlossen. Freies Bündnis und Linke zeigten sich besorgt, dass die Stadt Investitionen immer weniger aus eigener finanzieller Kraft umsetzen kann. Erstmals werden Kredite in Höhe von 4,3 Millionen Euro aufgenommen, was auch SPD-Stadtrat Rainer Weihmann kritisch sieht. Das Land müsse die Kommunen besser finanziell ausstatten, forderte Ellen Häußler (Freies Bündnis). Laut OBM Scheler sei es inzwischen „eine Kunst der Kommunen, ihre Haushalte auszugleichen“. Hier müsse man der „Landesregierung die Stirn zeigen“ und die Landtagsabordneten mehr in die Pflicht nehmen, das Problem in Dresden vorzutragen. Aus SPD-Sicht werde der Haushalt „keine zwei Jahre überstehen“, sagte Fraktionschef Torsten Pötzsch. Es gebe finanzielle Risiken, unter anderem in punkto Straßenausbaubeiträge.

Von Nico Fliegner

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