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Eilenburgs Uhrmacher Frodl geht mit 76 Jahren in den Ruhestand

Eilenburgs Uhrmacher Frodl geht mit 76 Jahren in den Ruhestand

Endlich Urlaub. Den hat sich Joseph Frodl redlich verdient. Nicht jeder geht erst mit 76 Jahren in den Ruhestand wie der Eilenburger Uhrmacher. Bis zum 30. April lief der Ausverkauf, waren die Kunden gebeten, ihre reparierten Zeitmesser abzuholen.

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Das letzte Mal gemeinsam in der Werkstatt: Joseph Frodl und Sylvia Rieprecht.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Nun ist das Geschäft dicht. Aber ausgetickt hat sich's an der Leipziger Straße 13 aller Voraussicht nach nicht. Ein Nachfolger ist gefunden. Er hat zugesagt, will das Geschäft im August wieder eröffnen.

Das Uhrmacher-Handwerk wird also in Eilenburg nicht aussterben. Für Frodl ist es nicht allein die große Erleichterung, dass es an dieser Stelle weitergeht. Vor allem war ihm wichtig, dass seine Mitarbeiterin Sylvia Rieprecht übernommen wird. "Mein Nachfolger ist ein Leipziger, der nach einem neuen Geschäft suchte. Und es passt gut, dass meine Kollegin Uhrmachermeisterin ist", erklärt Frodl. Gemeinsam mit Maria Frodl als mithelfender Ehefrau funktionierten sie bisher als eingespieltes Trio.

Er hatte den Arbeitsplatz mit dem Rücken zum Ladenlokal, die Handwerkskollegin den ihren im rechten Winkel dazu. Fast ein Vierteljahrhundert wurde an gleicher Stelle quasi Rücken an Rücken gearbeitet. Und schon vorher, zu DDR-Zeiten, in der Werkstatt, mit der er sich 1979 im Stadtteil Berg selbstständig machte. Die damalige Regierung hatte gemerkt, dass die Dienstleistungskombinate den Bedarf nicht decken konnten. Dort wurde vom Schirm über den Schuh bis hin zu Elektrogeräten und eben Uhren alles repariert, was an den dazugehörigen Komplexannahmestellen angenommen und ausgegeben wurde. Die Ansiedlung selbstständiger Handwerker wurde wieder ein wenig mehr gefördert. "Trotzdem war's erst einmal ein harter Kampf", erinnert sich Frodl. Dabei war die Leistung der Uhrmacher gefragt, waren sechs Wochen Wartezeit normal. Neue Uhren verkaufen - das durften die Frodls aber nicht. Das änderte sich nach der Wiedervereinigung. Im November 1991 eröffneten sie das Geschäft nahe dem Eilenburger Markt.

Sylvia Rieprecht, die er beim Meisterlehrgang kennenlernte, hatte er von Leipzig nach Eilenburg gelockt. Die Meisterprüfung hatte sie 1982 mit gerade mal 24 Lenzen bestanden. "Und das war echt aufregend: Eine Woche lang ein Stück anfertigen, ständig unter den Augen der Prüfungskommission", erinnert sie sich. Dabei stand für sie schon zeitig fest, dass sie "etwas mit Uhren" machen wollte. Die Mechanik faszinierte sie. Mit zwölf Jahren die erste Reparatur: Sie setzte den Wecker einer Freundin wieder in Gang.

Für Frodl kam der Anstoß über die Verwandtschaft. Der Onkel betrieb in Naunhof ein Geschäft. Dort konnte er in die Lehre gehen. Seine Jugendzeit war vom Krieg, von der Flucht aus Königsberg geprägt. Das heute russische Enklave ist. Seine ein Jahr jüngere Frau wiederum stammt aus Danzig im heutigen Polen, hatte Ähnliches erlebt. Ausgerechnet in Kospa bei Eilenburg trafen sie sich.

Nicht allein an den letzten Tagen florierte das Geschäft. "Der Anteil der Reparaturen macht schon einiges aus. Das Handwerk ist gefragt. Und wir sind ja nun hier die einzigen." Viele Eilenburger trennen sich nicht so leicht von ihren Chronometern, egal ob Markenware oder nicht. Aber auch viele Besitzer von Großuhren nutzten die vorerst letzte Gelegenheit, die Zeitmesser wieder in Gang zu bringen. Die älteste Uhr, in dessen Mechanik sich das Frodl-Team während des Bestehens vertiefte, war eine antike Uhr, zirka 150 Jahre alt. Nun gingen an den Reparaturarbeitsplätzen erst einmal die Lichter aus. Doch ganz Ruhe ist im Uhrmacher-Laden noch nicht eingekehrt. "Wir müssen noch ausräumen. Es hat sich einiges angesammelt", erklärt Joseph Frodl und strahlt: "Aber dann habe ich frei. Für immer."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.05.2015
Von Heike Liesaus

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