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Eilenburgs letzter Schuhmacher erhält Silbernen Meisterbrief

Auszeichnung Eilenburgs letzter Schuhmacher erhält Silbernen Meisterbrief

Schuhmacher wird häufig als aussterbender Beruf bezeichnet. Mario Vogel weiß das nur zu gut. Er ist der letzte verbliebene Handwerker dieser Zunft in Eilenburg. Die Kunden wissen aber seine Arbeit zu schätzen. Kommen gern zu ihm, auch weil er ein besonderes Maskottchen hat.

Schumacher Mario Vogel freut sich über seinen Silbernen Meisterbrief.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Im Regal an der Wand stehen zahlreiche Schuhe. Warten darauf, wieder von ihren Besitzern abgeholt zu werden. Darunter ist die altgediehene Nähmaschine angebracht. Schräg gegenüber lagern viele kleine Kästchen mit Ersatzmaterial. Hinten erhebt sich die große Ausputzmaschine. „Ich habe hier alles, was ich zum Arbeiten brauche“, betont Mario Vogel, der sich gerade in seiner kleinen Werkstatt in der Puschkinstraße 109 aufhält. Der Schuhmachermeister ist der letzte verbliebene Handwerker seiner Zunft in Eilenburg.

Leipziger Handwerkskammer zeichnet aus

Am Wochenende ist ihm auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse eine große Ehre zuteilgeworden: „Ich freue mich natürlich sehr darüber“, hält der 50-Jährige fest, während er mit einem bescheidenen Lächeln auf den Silbernen Meisterbrief verweist. Diesen hat er zusammen mit weiteren Unternehmern von der Leipziger Handwerkskammer erhalten. Weil er wie die anderen bereits vor mindestens 25 Jahren erfolgreich die Meisterschule absolviert hat. Zur Verleihung erklärte Kammerpräsident Claus Gröhn: „Wir wollen mit dieser Ehrung die Leistungen der Meisterinnen und Meister noch stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken.“

Ansprechpartner für Schuhreparaturen aller Art

Obwohl Vogel lange unschlüssig war, wohin die berufliche Reise gehen wird, betrachtet er seine Erwerbswahl rückblickend als Volltreffer: „Eisenbahn oder Schuhmacher hießen die Optionen. Ich entschied mich für letztere. Ging zum Probearbeiten in die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks, Anm. Red.) in Eilenburg. Das gefiel mir sehr gut. Sogar so gut, dass ich bei dem Beruf geblieben bin.“ Im Oktober 1989 wagte der versierte Handwerker den Sprung in die Selbstständigkeit. Der Eilenburger Stadtrat habe ihn unterstützt. Allerdings unter der Auflage, eine Meisterprüfung abzulegen. Dies habe er am 10. April 1991 in Schwerin vollbracht.

Seitdem erledigt Vogel alle Reparaturen, die bei einem Schuh anfallen. Besohlen, Absätze beziehen, kleben und nähen seien typische Tätigkeiten. Auf Wunsch bessere er aber auch andere Dinge aus: „Taschen, Jacken, Gürtel – eben das, was die Leute so mitbringen.“ Zudem erledigt der hilfsbereite Eilenburger orthopädische Schuhzurichtungen. Den dafür notwendigen Lehrgang habe er schon 1997 in München durchlaufen. „Nur Schuhreparatur lohnt sich finanziell nicht.“

Hündin Franzi ist beliebter Kundenmagnet

Kurios: Bei manchem Schuhwerk, das Vogel wiederherrichtet, wurden die Kanten von einem Hund abgefressen. „So etwas macht meine Franzi nicht“, schwört er mit ruhiger Stimme. Franzi ist seine fast acht Jahre alte Hündin, eine blaue Deutsche Dogge, die sich behaglich hinter der Ladentheke niedergelassen hat. „Wir haben sie, seit sie zwölf Wochen alt ist. Sie ist sehr lieb. Geht an nichts, wo sie nicht ran darf.“ Im Geschäft, zu dem auch eine Lottoverkaufsstelle gehört, habe der Vierbeiner den Posten des Maskottchens inne. „Viele Kunden bringen ihre Kinder mit. Die wissen schon, dass Franzi hier ist, und wollen sie immer streicheln“, verkündet der Schuhmacher gut gelaunt.

Stolz ist Vogel, dass er in seinen knapp 26 Meisterjahren immer geöffnet hatte, auch dank seiner Eltern. Und dass er stets alles von einem Tag auf den anderen repariere. „Wenn gerade viel zu tun ist, arbeite ich abends etwas länger. Das macht mir gar nichts. Im Gegenteil: Mein Beruf macht mir ja richtig Spaß“, so der Handwerksmann. „Ich werde ihn so lange ausüben, wie ich es körperlich kann.“

Von Matthias Klöppel

Eilenburg Puschkinstraße 109 51.467 12.65539
Eilenburg Puschkinstraße 109
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