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Eilenburgs neuer Feuerwehr-Chef brennt für seinen Job

Erstes Fazit Eilenburgs neuer Feuerwehr-Chef brennt für seinen Job

So sieht nachhaltige Nachwuchsarbeit aus: Im Alter von zehn Jahren trat André Zimmermann in die Jugendabteilung der Eilenburger Feuerwehr. Seit dem ist er dabei geblieben. Jetzt mit 32 ist er der Chef von 77 Kameraden der aktiven Abteilung plus Ehren- und Altersabteilung sowie dem Nachwuchs.

André Zimmerman leitet Eilenburgs Feuerwehr.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Was wollen kleine Jungs werden, wenn sie groß sind? Pilot, Kosmonaut oder – Feuerwehrmann. André Zimmermann ging es als Steppke nicht anders. Viele schlagen dann doch lieber einen anderen Berufsweg ein. Der 32-jährige Eilenburger tat es erst auch, entschied sich schließlich ganz für die Arbeit der Retter und steht mittlerweile an der Spitze der Eilenburger Feuerwehr. Der dreifache Familienvater ist damit ein gutes Beispiel für eine nachhaltige Nachwuchsarbeit.

Seit dem 18. Lebensjahr dabei

Mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein, weil ihn die großen, roten Autos und die blauen Blinklichter faszinierten. „Außerdem waren mein Cousin und mein Bruder dabei“, so André Zimmermann. Die Begeisterung ist geblieben, „sonst würde ich das heute nicht mehr machen“, sagt er.

Ganz klassisch verlief zunächst der Weg, mit 18 wurde er aktives Mitglied. An den ersten Einsatz kann sich André Zimmermann gut erinnern: „Das war ein Unfall auf der Marktkreuzung, eine Person war eingeklemmt.“ Ausbildung als Verfahrensmechaniker, 9 Monate Bundeswehr, Jobs in der Automobilindustrie, so ging es beruflich weiter. Irgendwann wurde es zu schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. „Ich habe in Schichten gearbeitet. Oft war es so, dass ausgerechnet dann, wenn ich eine Ruhepause hatte, ein Einsatz kam.“ Ein bisschen war es auch der Zufall, der die Entscheidung beförderte. Mit Peter Große ging der Gerätewart in Rente, der damals 27-jährige bewarb sich, hängte seinen Job an den Nagel. Das war vor fünf Jahren. Auch weil sich die Frage nach einem potenziellen Nachfolger für den langjährigen Wehrleiter Gunter Kneiß abzeichnete. Der 61-Jährige musste bereits krankheitsbedingt kürzer treten, ist seit April im Ruhestand. Für André Zimmermann eine Chance – und er ergriff sie. Er besuchte die Landesfeuerwehrschule, absolvierte Lehrgänge bis hin zum Abschluss als Wehrleiter.

Nun ist der Hauptbrandmeister der Chef von 77 Kameraden der aktiven Abteilung, die zwischen 16 und 65 Jahre alt sind. 28 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung sowie 20 der Jugendfeuerwehr gehören ebenso dazu.

Großeinsatz gemeistert

Die ersten Wochen mit dem Führungstrio André Zimmermann, Roy Kiesewetter und André Misch haben gut geklappt, der erste Großeinsatz mit dem Brand auf dem Dermatoid-Gelände ist gemeistert, der Tag der offenen Tür fand große Resonanz bei den Eilenburgern. Auch sehr schwierige Momente liegen hinter ihm und seinen Leuten. Wie beim Unfall der Bad Dübener Kameraden in Görschlitz, als die Eilenburger mit vor Ort waren. „Ich kenne viele der Dübener, das ist nicht einfach, damit umzugehen.“ Es sei wichtig, viel miteinander zu reden, um das Erlebte zu verarbeiten: „Da muss ich auch immer ansprechbar für die Kameraden sein.“

Wer André Zimmermann erlebt, hat es mit einem ruhigen, besonnenen Mann zu tun. Dass er auch anders kann oder gar muss – ist in seiner Position unausweichlich. Dennoch versucht er dem eigenen Anspruch stets treu zu bleiben: „Man sollte immer fair bleiben, nicht abheben, den Überblick nicht verlieren, die Hierarchien einhalten können.“ Da herrsche sicher auch mal ein Befehlston, dem sich die Kameraden fügen müssen, auch wenn sie anderer Meinung sind. Dem Wehrleiter ist es aber wichtig, „dass man dann im Nachhinein auch drüber reden kann.“ Von Gunter Kneiß hat er vor allem eins gelernt: „Der Zusammenhalt ist wichtig, keine Grüppchen-Bildung. Man sollte immer versuchen, Probleme unter vier Augen zu klären.“ Braucht er einen Rat, ist sein Vorgänger für ihn immer ansprechbar.

Jüngere Kameraden fördern

Die Aufgaben sind anspruchsvoll und was den ganzen bürokratischen Kram betrifft, auch mal etwas nervig. Die Fahrzeugtechnik ist veraltet, meist über 20 Jahre alt. Eine neue Drehleiter soll dieses oder nächstes Jahr kommen, im August geht der Fördermittel-Antrag für ein neues Hilfeleistung-Löschfahrzeug raus, für die nächsten Jahre stehen ein neues Löschfahrzeug und ein Einsatzleitwagen im Plan. Der Ausbildungsstand soll verbessert werden. „Mir ist es wichtig, dass auch jüngere Kameraden ins Boot geholt werden, die ausbilden. Die wollen das auch, das sollten wir fördern.“

Zeit für das Privatleben ist bei dem verantwortungsvollen Job oft knapp. Drei Kinder – ein Mädchen, 9 Monate, und zwei Jungs im Alter von 10 und 12 Jahren, sorgen für ausreichend Beschäftigung. Und irgendwie schließt sich da wieder der Kreis. Seinen Jungs hat André Zimmermann die Begeisterung für die Wehr schon vermitteln können. Beide gehören zur Nachwuchsabteilung.

Von Kathrin Kabelitz

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