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Eilenburg Einmal zupfen bitten: Eilenburg hat jetzt einen Barbershop
Region Eilenburg Einmal zupfen bitten: Eilenburg hat jetzt einen Barbershop
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05:00 09.02.2017
Im Barbershop Antalya wird noch mit Rasiermesser und Faden gearbeitet. Inhaber Müslüm Ince (hinten) beobachtet seinen Mitarbeiter Malik Rawan. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Der Kopf ist starr. Die Augen fixieren das Spiegelbild. Der angenehme Geruch von Aftershave liegt in der Luft. Als Malik Rawan die scharfe Klinge ansetzt, kommt kurz Nervosität auf. Doch der junge Mann ist geübt. Führt das kalte Metall mit ruhiger Hand. Lässt es mit vielen kleinen Bewegungen sanft über die frisch eingeschäumte Haut gleiten. Erst als sich das Rasiermesser dem Hals nähert, stockt nochmal der Atem. „Jetzt bloß nicht schlucken“, geht ein Gedanke durch den Kopf. Zum Glück ist Rawan hochkonzentriert, um in diesem kritischen Moment keinen Fehler zu begehen. Einige Augenblicke später ist alles geschafft. Ein Gefühl besonderer Glätte stellt sich ein – und eines der Erleichterung.

„Eilenburg hat die perfekte Lage“

Im Barbershop Antalya kann Mann sich jetzt seiner unerwünschten Gesichtshaare entledigen, von einem Profi und mit traditionellen Methoden aus der Türkei. Der Laden in der Torgauer Straße 54 hat zum Jahresanfang den Betrieb aufgenommen, ist damit der einzige Herrensalon für Bartschnitt und Rasur in der Muldestadt. „Eilenburg hat die perfekte Lage“, erläutert Inhaber Müslüm Ince, sichtlich gut gelaunt, die Hintergründe der Eröffnung. „Delitzsch, Taucha, Torgau, Wurzen – alles befindet sich in der Nähe. Natürlich auch Leipzig. Aber häufig ist es viel zu stressig, bis dorthin zu fahren.“ Erst in der Messestadt seien vergleichbare Läden in der näheren Umgebung anzutreffen. „Mein Shop ist da leichter erreichbar“, so Ince, der selbst einen dichten Vollbart trägt.

Beim Blick durch den Spiegel offenbart sich ein kleiner, modern eingerichteter Salon. Vorne der Hauptraum, in dem bis zu drei Kunden gleichzeitig bedient werden können. Hinten ein Bereich zum Warten und für die Garderobe. Rot und schwarz sind die dominierenden Farben. Waschbecken, Schubladen, Spiegel und Stühle sind intensiv darin getaucht. Das Ladenlogo, ein bärtiger Mann mit voller Haarpracht, ziert die rote Trennwand zwischen beiden Salonbereichen. Eine extravagante Fan-Uhr gibt Aufschluss über die Uhrzeit. Sie ist dem türkischen Fußballverein Besiktas Istanbul gewidmet.

Laden stoße auf positives Echo

Fußball ist ein wichtiger Bestandteil im Leben von Müslüm Ince. Der 20-jährige Kurde ist mit neun Jahren aus der Türkei nach Deutschland gereist, wo sein Vater bereits wohnhaft war. Seitdem lebt er in Leipzig, hat hier erfolgreich die Realschule abgeschlossen, anschließend eine Ausbildung im BMW-Werk absolviert. „Parallel dazu habe ich acht Jahre lang bei Lok Leipzig gespielt“, verrät Ince und ergänzt: „Sowie sechs Monate beim FC Eilenburg.“ Nach der Ausbildung habe der junge Mann gezielt eine selbstständige Tätigkeit gesucht. „Ich wollte von niemanden mehr abhängig sein. Deshalb der Barbershop.“ Der Tipp mit der freien Ladenfläche sei von einem Freund gekommen, der bereits seit Jahrzehnten in Eilenburg ansässig ist. Von den Kunden werde alles sehr positiv aufgenommen, weiß Ince zu berichten. „Wenn man zu ihnen freundlich ist, dann ist alles gut.“ Eilenburgs erster Barbershop wird von Männern aus allen Kulturbereichen besucht.

Der Barbershop Antalya hat montags bis freitags zwischen 9 und 19 Uhr geöffnet, am Samstag ab 10 Uhr. Zum Angebot gehören Nassrasur mit Messer, Muster rasieren, Gesichtsmasken, Colorieren und Augenbrauen zupfen. Letzteres geschieht nicht mit einer schnöden Pinzette. Die Härchen werden mit einem Faden herausgerissen. Dazu wickelt Barbier Rawan diesen um Ringfinger und Daumen seiner rechten Hand, sodass eine Schlaufe entsteht. Das Ende des Fadens hält er mit dem Mund fest, während der aufgezwirbelte Teil das Zupfen übernimmt. Ob das zwickt? „Auf jeden Fall“, bestätigt ein Kunde.

Von Matthias Klöppel

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