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Ex-Mitarbeiter des Heimerzieher-Instituts treffen sich in Hohenprießnitz

Wiedersehen Ex-Mitarbeiter des Heimerzieher-Instituts treffen sich in Hohenprießnitz

Vor 60 Jahren begann in Hohenprießnitz die Ausbildung von Heimerziehern. Zahlreiche ehemalige Institutsmitarbeiter sahen sich jetzt anlässlich dieses Jubiläums wieder. Das hat nicht wenige sehr bewegt.

Die Teilnehmer des Wiedersehens anlässlich der IfH-Gründung vor 60 Jahren vor dem Hohenprießnitzer Schloss

Quelle: Karin Rieck

Hohenprießnitz. Das hat nicht nur Eberhard Ulm, von 1987 bis 1991 Lehrer am Institut für die Ausbildung von Heim- und Jugenderziehern (IfH) Hohenprießnitz, berührt: Über 40 Ex-Mitarbeiter des IfH, das sich bis 1991auf dem Schlossgelände befand, frischten am Wochenende Kontakte und Erinnerungen auf. Der Anlass: die Institutsgründung vor 60 Jahren.

„Dass mich mein früherer Direktor Dr. Manfred Moßmann anrief und zum 60. Gründungsjubiläum einlud, hat mich aus verschiedenen Gründen bewegt“, fasste Ulm seine Eindrücke zusammen. Er habe die Einrichtung, in der zwischen 1956 und 1991 über 100 ehemalige Kollegen zu Hoch-Zeiten jährlich über 200 Direkt- und über 800 Fernstudenten für die gesamte DDR unterrichteten, immerhin vor 25 Jahren verlassen, als er zum Leiter der Henriette-Goldschmidt-Schule Leipzig berufen wurde. Hier absolviert er gerade das letzte Schuljahr und dachte, die „nur“ fast fünfjährige Phase seiner beruflichen Laufbahn in Hohenprießnitz mehr oder weniger „hinter sich gelassen zu haben“. Doch die von Manfred Moßmann und Rolf Schulze „in hervorragender Weise vorbereitete Feier belehrte mich eines Besseren“.

Eine Ausstellung im Seitenflügel des Schlosses – die auch ehemalige Studenten und Spontan-Gäste beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag besuchten, erinnerte mit Fotos, Dokumenten und anderen Zeitzeugnissen an die vor 60 Jahren hier begonnene Erzieherausbildung für Lehrlingswohnheime. „Insbesondere aber auch an die turbulente Wendezeit, die ,Abwicklung’, Profilierungsversuche einzelner Kollegen, das Aufbrechen von Gräben zwischen Altgedienten, mit denen ich – als relativ junger Kollege – nicht gerechnet hatte.“

Ingo Prophet, Dieter Korth und Eberhard Ulm (von links)  tauschen Erinnerungen an ihre Zeit in Hohenprießnitz aus

Ingo Prophet, Dieter Korth und Eberhard Ulm (von links) tauschen Erinnerungen an ihre Zeit in Hohenprießnitz aus.

Quelle: Karin Rieck

„Nein, wir haben nicht alles richtig gemacht“, räumt Eberhard Ulm bei dieser Gelegenheit ein. Und wie das sein Kollege Dieter Korth beim Kaffeenachmittag nach der Uraufführung von 8-mm-Film-Material aus den 1950er- und 60er-Jahren deutlich zum Ausdruck brachte, habe ihn ebenfalls sehr beeindruckt. Dieser ließ ein Chorkonzert im Festsaal Revue passieren und beantworte die heimlichen Fragen von damals nun vor versammeltem Publikum: Warum wurden Lieder wie „Die Gedanken sind frei ...“ oder „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt ...“ nicht ins Repertoire aufgenommen? Warum durften die visionären Worte Johannes R. Bechers in der DDR-Nationalhymne ab Mitte der 1980er Jahre nicht mehr gesungen werden? Der 78-Jährige bekannte, es damals nicht gewagt zu haben, solche Fragen öffentlich zu stellen. „Er rührte mein Herz mit seinen Tränen – und ich wusste wieder, dass ich gern weiter mit ihm in unserem Forschungsbereich zusammengearbeitet hätte, mit diesem klugen, gefühlvollen Menschen.“ Dass diese Zusammenarbeit 1990 jäh abbrach, „das war der Preis, den wir zahlen mussten“.

Rolf Schulze führte schließlich kompetent, wie bei verschiedenen anderen Anlässen gewohnt, durchs restaurierte Schloss, das sein Fortbestehen auch dem Institut zu danken hat. Der Leistung der Besitzer-Familie Obermüller, „die ein Stück Landschaft zum Blühen brachte“, so Ulm, galt ebenfalls viel Anerkennung.

Von Karin Rieck

Hohenprießnitz 51.5334303 12.5940258
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