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Experte warnt vor großem Baumsterben im Eilenburger Stadtpark

Experte warnt vor großem Baumsterben im Eilenburger Stadtpark

Ein wenig Laub findet sich noch in einer Ecke, sonst ist alles weggeharkt. Es stammt von den Platanen, die es im Frühjahr abwarfen. Das ist eines der Warnzeichen: Baumpfleger Stefan Walenda ist nicht nur diesem Hinweis nachgegangen.

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Das Laub der Platanen stammt vom Abwurf im Frühjahr, zeigen Stefan Walenda und Inez Laaser eines der Warnzeichen, dem sie nachgegangen sind.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Normalerweise hilft er Inez Laaser, ihren Garten in Ordnung zu halten, der als Flächendenkmal ausgewiesen ist. "Und ich wollte eigentlich nur wissen, was mit meinem Rasen los ist", erklärt sie. Der Rasen zeigte sich, obwohl sich das Hochwasser 2013 irgendwann auch aus ihrem Areal zurückzog, weiterhin sumpfig. Moos statt Gras breitete sich aus. Es gab sogar Blaualgenbildung an der Oberfläche. "Wir hatten schon alles versucht: Vertikutieren, Sand einbringen. Nichts hat geholfen", berichtet die Garteneigentümerin. Ein Gutachten sei gar nicht das Ziel gewesen. "Wir haben hier mit den großen Bäumen auch eine Sicherungspflicht. Zuerst hatten wir noch die Idee, eine Drainage zu machen, um damit den Wasserhaushalt im Garten in den Griff zu bekommen", so Laaser weiter. Aber nun hat Walenda die Ergebnisse seiner Nachforschungen in einem Papier zusammengestellt. Und das Fazit hört sich alarmierend für den gesamten angrenzenden Stadtpark an.

"Wir gehen davon aus, dass das Wasser nach dem Hochwasser 2013 lange Zeit sehr hoch stand. Das Problem: Bäume gewöhnen sich im Jugendalter an ihren Standort", erklärt Walenda. Die im Park sind um die 100 Jahre alt. Sie reagierten im Frühjahr auf den Sauerstoffmangel im Boden mit dem "Grünast-Abwurf". Nun haben sie neu ausgetrieben. Aber der üppige Anblick täusche, sagt Walenda. Die Wurzeln leben in Symbiose mit Pilzen und Bakterien im Boden, die Nährstoffe für den Baum erst aufnahmefähig machen. Auch sie sterben im Wasser. Der Baum bekommt dann dauerhaft weniger Nährstoffe. "Das zeigt sich aber erst in fünf bis zehn Jahren. Und wenn dann erst reagiert wird, ist es zu spät. Die Bäume fallen irgendwann um."

Im Mai gab es ein weiteres Kapitel: Nun reduzierte sich der Grundwasserpegel extrem. Das Frühjahr war trocken, die austreibenden Bäume verbrauchten Wasser. Normalerweise hätte sich das vom Mühlgraben her ausgleichen müssen. "Da haben wir überlegt, dass seit 2011 die Spundwand für den Hochwasserschutz am Mühlgraben komplett geschlossen ist", berichtet Inez Laaser. Die unter der Hochwasserschutzmauer zehn Meter tief in die Erde reichenden Stahl-Paneele stoppen den Wasseraustausch im Erdreich. Walenda, der in den 80er-Jahren auch mit Hochwasserschutzbauwerken befasst war, habe damals immer erlebt, dass es technische Durchlässe auch in solchen Bauwerken gab. "Ich vermutete, dass auch hier so etwas eingebaut sein müsste. Aber wir haben nichts gefunden." Die Wahrscheinlichkeit sei schon sehr hoch, dass das Stauwasser im Park auf die Spundwand zurückzuführen sei.

Die auf die lange unterirdische Überflutung folgende Trockenheit habe nun eine sogenannte Pseudovergleyung bewirkt. Bedeutet: Ablagerungen von Schwebeteilchen verstopfen Poren im Boden, die nicht mehr von den Bodenlebewesen offengehalten werden. Die sind tot. "Damit haben wir nun eine Versiegelung von oben. Wasser kann nicht mehr versickern", sagt der Baumpfleger und drückt mit dem Daumen auf die Erde zwischen den Rasenpflanzen. Darunter sammelt sich ein Wasserpfützchen.

"Es ist klar, dass sich etwas verändert hat. Aber ich habe bisher nichts von perforierten Spundwänden gehört", so Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos). Der Hochwasserschutz, der Eilenburg 2013 vor einer Katastrophe wie der 2002 bewahrte, gehe vor.

Beispiele für den Grundwasseranstieg gibt es gar nicht so weit entfernt: Wie berichtet, zeigten sich mit der Flutung der Tagebaue solche Auswirkungen auch im Schenkenberger und Delitzscher Park. Neupflanzungen gelangen dort bisher nicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.07.2015
Heike Liesaus

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