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Fahrlässige Brandstiftung – Eilenburger Gericht spricht Angeklagte frei

Amtsgericht Fahrlässige Brandstiftung – Eilenburger Gericht spricht Angeklagte frei

Fakt ist: Es hat im Oktober 2016 in einer Küche einer Eilenburger Mietswohnung gebrannt. Die Staatsanwaltschaft sah die Mieterin im Verdacht und klagte sie wegen fahrlässiger Brandstiftung an. Doch der Schuldnachweis fiel schwer, es blieben Zweifel, so dass die Angeklagte freigesprochen werden musste.

Das Eilenburger Amtsgericht.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Eines ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen: In der Küche von Claudia P. (Name geändert) hat es im Oktober 2016 gebrannt und in der Mietwohnung, die sich in einem Haus in einem Ortsteil von Eilenburg befindet, entstand ein Schaden von gut 23 000 Euro. Fest steht auch, dass die Brandursache mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gegenstand war, der auf der noch heißen Herdplatte lag und dort Feuer fing. „Das Schadensbild spricht eindeutig dafür“, erklärte jetzt die Eilenburger Amtsrichterin Carmen Grell. Defekte elektrische Leitungen schloss sie dagegen aus – mit dieser Behauptung hatten die Angeklagte und ihr Rechtsanwalt die Verteidigung im Prozess begonnen und waren bis zum Schluss davon nicht abgerückt, obgleich Zeugen bestätigten, dass die stromführenden Leitungen in Ordnung waren.

Beweisaufnahme schwierig

Das Gericht hatte nun bei zwei Verhandlungsterminen zu klären, ob die Angeklagte für diese fahrlässige Brandstiftung verantwortlich gemacht werden kann. Die Staatsanwaltschaft hatte Claudia P. genau das vorgeworfen und Anklage erhoben. Zunächst erwies sich die Beweisaufnahme als nicht so ergiebig wie erwartet, so dass weitere Zeugen geladen werden mussten. Darunter waren auch der Ehemann und der Sohn der Angeklagten. Zu klären war unter anderem, wer vor dem Brand in der Küche war und möglicherweise auf dem Herd etwas vergaß. Sohn und Ehemann beriefen sich auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht, sagten vor Gericht nicht aus.

Elektriker: Brand im Verteiler

Ein Elektriker, der wegen eines Defektes in die Wohnung von Claudia P. gerufen wurde, berichtete als Zeuge, dass es tatsächlich schon vorher mal einen Brand gegeben habe. „Ein Stromkreislauf war dabei ausgefallen, ich machte mich auf die Fehlersuche und bemerkte eine Verlängerungsschnur hinter einem Schrank. Sie war ausgebrannt. Sie befand sich in der Küche“, berichtete der Zeuge. Er erinnerte sich auch noch, dass Wasser in der Verteilersteckdose stand. Sie wurde gewechselt und danach war der Strom wieder da.

Den neuen Herd ließ sich damals Claudia P. von einem Nachbarn anschließen. Das bestätigte dieser auch, es sei eine Gefälligkeit gewesen, sagte der gelernte Elektriker. Alle Kabel, alle Anschlüsse seien neu gewesen.

Spuren am Topf fehlen

Längere Erläuterungen konnte der Brandursachenermittler der Polizei beisteuern. Er sei zur Unterstützung an den Brandort beordert worden. Seine Untersuchungen ergaben, dass das Cerankochfeld Risse aufwies. Auch ein Topf mit Inhalt wurde gefunden. Allerdings soll dieser nicht auf dem Herd gestanden haben. Der Ermittler bestätigte, dass alle Schalter in der Nullstellung waren. Ein Kurzschluss am Herd schloss er aus, weil die typischen Spuren fehlten. Ein Topf, der von unten angebrannt war, wurde nicht gefunden. Stattdessen aber bemerkte der Beamte Spuren von Kunststoffschmelze auf der Platte. Um was es sich dabei genau handelte, konnte er nicht mehr sagen. Es müsse sich aber um einen Gestand gehandelt haben, der üblicherweise in der Küche verwendet wird.

Staatsanwaltschaft beantragt Freispruch

Für die Staatsanwaltschaft brachte auch diese Aussage nicht den entscheidenden Beweis, dass Claudia P. ursächlich für den Brand verantwortlich war. Ihr fehlte die „hinreichende Sicherheit“, dass es die Angeklagte war. Dass jemand unachtsam und fahrlässige gehandelt habe, sei erwiesen. Doch wer war es, stellte sich für die Staatsanwaltschaft immer noch die Frage. Im Haus befanden sich neben Claudia P. noch mindestens vier weitere Personen. Die Anklagebehörde beantragte Freispruch.

Auch für Claudia P.’s Anwalt Stefan Laurenz konnte der Tatnachweis nicht erbracht werden. Es sei weiter offen, wer und vor allem was den Brand ausgelöst hatte. Er schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an.

Kein Blick für den Vermieter

Vor dem Urteil hatte die Angeklagte noch das letzte Wort. „Ich habe nichts falsch gemacht“, sagte sie. Während der Verhandlung wandte sie stets den Kopf von den Besucherplätzen weg. Dort hatte auch ihr ehemaliger Vermieter Platz genommen. Den hatte sie im Verlauf des Verfahrens mehrfach belastet. Sie sprach von maroden Stromleitungen, die gefährlich gewesen seien. Dies hatte sich jedoch keineswegs bestätigt. Für Richterin Grell war es nicht nachvollziehbar, dass es durch eine defekte Stromleitung zum Brand gekommen sein soll. Es war für sie aber nicht ausgeschlossen, dass jemand anderes als die Angeklagte fahrlässig gehandelt habe. Sie sprach Claudia P deshalb frei.

Von Ditmar Wohlgemuth

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