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Fall fürs Landgericht: Psychisch Kranker versetzte Eilenburg-Ost in Angst und Schrecken

Verhandlung Fall fürs Landgericht: Psychisch Kranker versetzte Eilenburg-Ost in Angst und Schrecken

Ein psychisch kranker Mann aus Eilenburg steht aktuell in Leipzig vor Gericht. Er soll über Jahre hinweg Passanten in Eilenburg-Ost terrorisiert, zum Teil schwer verletzt und in Todesangst versetzt haben. Der heute 26-Jährige war längere Zeit drogenabhängig, erhielt beruhigende Psychopharmaka, die er jedoch zwischenzeitlich absetzte.

Vor dem Landgericht Leipzig werden die Gewaltausbrüche des Eilenburgers verhandelt.

Quelle: André Kempner

Eilenburg/Leipzig. Was geht nur in diesem Kopf vor? Was haben die Drogen aus diesem Mann gemacht? Und was soll mit ihm geschehen? Diese Fragen beschäftigen seit Donnerstag das Landgericht Leipzig, wo Martin K. auf der Anklagebank sitzt. Über Jahre hinweg, ganz besonders aber im Sommer und Herbst 2015, soll er Mitmenschen in Eilenburg terrorisiert, zum Teil schwer verletzt und in Todesangst versetzt haben. Der 26-Jährige ist psychisch krank, daran besteht offenkundig kein Zweifel. Die Staatsanwaltschaft geht von Schuldunfähigkeit aus – eine klassische Haftstrafe steht also nicht zur Debatte. Doch Martin K. sei aufgrund seines Zustandes gefährlich für die Allgemeinheit. Deshalb der Antrag auf Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

Für Alberto Ammann ist Martin K. ein alter Bekannter. Im unangenehmen Sinne. Der Inhaber des Tischtennis-Leistungszentrums Eilenburg hatte 2013 öffentlich an Polizei und Staatsanwaltschaft appelliert, den jungen Mann hinter Schloss und Riegel zu bringen. „Er hat bereits seit 2012 immer wieder meine Spieler belästigt und geschlagen, doch die Behörden blieben leider untätig“, sagte er am Donnerstag vor Gericht. 2013 habe K. einen Trainer samt dessen Familie mit gezücktem Messer verfolgt. „Sie flüchteten in ihre Wohnung, doch dieser Mann versuchte, die Tür aufzubrechen, und drohte, das Kind umzubringen.“ Der Trainer, ein Kolumbianer, habe wenig später aus Angst Eilenburg verlassen. Auch die Spieler – unter anderem aus Südamerika stammend – hätten Angst gehabt.

Ammann war nun als Zeuge geladen. Allerdings nicht wegen der Vorfälle 2013, sondern wegen eines Übergriffs im Juni vorigen Jahres, den er beobachtet hatte. Ein marokkanischer Student war in der Windmühlenstraße mit Cola übergossen und zu Boden geschlagen worden. Ammann erkannte Martin K. als Täter wieder. Dieser Angriff war Auftakt einer ganzen Serie von Gewalttaten, die von Juni bis Oktober 2015 Eilenburg-Ost in Atem hielten. Mehr als ein Dutzend Geschädigte listete die Staatsanwaltschaft auf: vor allem Ausländer und Frauen, zum Teil mit Kindern unterwegs, die bespuckt, beleidigt, geschlagen oder mit Flaschen beworfen und traktiert wurden. Die Tatorte: mal die Windmühlen-, mal die Puschkin- oder Wurzener Straße. Und die Mozartstraße, wo Martin K. bis Oktober wohnte. „Er hatte seine Wohnung im Erdgeschoss und ist manchmal direkt aus dem Fenster gesprungen, um auf Leute loszugehen“, schilderte ein Nachbar vor Gericht. Im Haus selbst sei K. gemieden worden, um keinen Ärger zu haben. Stress habe es trotzdem gegeben, wegen seiner Wutanfälle.

Sogar seine Eltern haben Angst vor ihm, wurden ebenfalls bedroht. Besonders brutal ging der großgewachsene, kräftig gebaute Mann mit einer Polizistin um, der er im September zufällig auf der Wurzener Landstraße begegnete. „Ich war im Auto unterwegs, privat auf dem Nachhauseweg. Er stand am rechten Fahrbahnrand, schaute mich an und lief plötzlich los“, berichtete die 27-Jährige. Die Vollbremsung verhinderte den Zusammenstoß. „Erst ging er einfach weiter, dann kam er zurück, trat gegen das Auto und riss die Tür auf“, erinnerte sich die Eilenburgerin. Immer wieder, so die Schilderung, trat er von draußen auf die junge Frau ein, hielt sich dabei an der Dachreling fest. Wegen schwerer Verletzungen, unter anderem an der Halswirbelsäule, war die Polizistin bis Januar dienstunfähig.

Martin K., seit Oktober in der Klinik für Psychiatrie Altscherbitz untergebracht, schweigt dazu. Dass er seine Eltern bedroht hat, gebe er zu – zu den anderen Vorwürfen wolle er lieber nichts sagen. Allerdings erzählte K. vor Gericht von massivem Drogenkonsum bis vor zwei, drei Jahren. Seit einem Entzug sei er clean, der Arzt hatte ihm Medikamente verordnet. „Aber die waren nicht gut. Meine Bewegungen wurden davon langsamer.“ Laut Akte setzte K. die Psychopharmaka deshalb im April 2015 abrupt ab. „Zunächst ging es mir besser, dann wurde es wieder beschissen. Ich dachte immer, all die Leute ringsum wollen mir was Böses. Die belauschen und beobachten mich.“

In Altscherbitz, wo er nun höher dosierte Injektionen erhalte, sei er ruhiger geworden. Im Moment ist seine Einweisung dort aber nur vorläufig. Das Gericht soll nun entscheiden, ob sie langfristig wird. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Von Kay Würker

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