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Eilenburg Filme über den Flugzeugbau in Eilenburg unter der Nazi-Herrschaft
Region Eilenburg Filme über den Flugzeugbau in Eilenburg unter der Nazi-Herrschaft
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16:05 16.02.2018
Roger Liesaus recherchiert für sein Filmprojekt über die Geschichte der Flugzeugindustrie in der Region. Quelle: Anna-Maria Rieger
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Eilenburg

Es gab ihn tatsächlich, den Flugzeugbau in Eilenburg. Roger Liesaus ist dieser Tage für ein Filmprojekt zu diesem Thema in der Stadt unterwegs. Vor Ort lassen sich oft nur noch mit geschultem Blick und Vorwissen die Spuren entdecken, die aus dieser Zeit stammen. Und so sind es meist Interviewpartner, die sich bereits mit der Heimatgeschichte auseinandergesetzt haben, die erklären, was damals wo entwickelt und produziert wurde: Teile für Propeller, Motoren, ganze Fluggeräte. „Es ist die Recherche für Filme über die Luftrüstungsindustrie im Raum Leipzig zwischen 1933 und 1945“, so der 55-Jährige.

Werk wurde zerstört

Maßgeblich waren damals die Mitteldeutschen Motorenwerke (Mimo) in Taucha, die Erla-Werke in Leipzig-Thekla und die Allgemeine Transport-Gesellschaft (ATG) beteiligt. „Vor allem mit der ATG kamen Eilenburger Betriebe ins Spiel“, erklärt der Tauchaer. „Die Maschinenfabrik Nestler, das Propeller-Werk Gustav Schwarz und die Firma Monski waren einbezogen. Selbst in der Möbelfabrik C. Fleischer & Sohn wurden Lastensegler gebaut.“

Nach wie vor ist Liesaus interessiert an Kontakt zu Zeitzeugen, die damals in diesen Betrieben gearbeitet haben, aber auch an Fotos aus dieser Zeit. „Es sind nicht mehr viele am Leben, die noch darüber erzählen können“, stellt er fest. Trotzdem sei es gerade deshalb wichtig, ihre Erinnerungen festzuhalten. Doch er spricht auch mit denen, die noch wissen, was in der Nachkriegszeit mit diesen Orten passierte. So ist zum Beispiel das Gebiet der Mitteldeutschen Motorenwerke in Taucha heute Wald, in dem aber immer noch Trümmer und Bombentrichter wahrzunehmen sind. Denn als Rüstungsbetrieb wurde das Werk im und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört. Doch für viele Parthestädter war gerade dieses Areal trotz der teils militärischen Nutzung in späterer Zeit eine Art Abenteuerspielplatz in Kinder- und Jugendtagen.

„Irgendwann kommt man auf Eilenburg“

Museumsleiter Andreas Flegel, Heimatforscher wie Wolfgang Beuche, die bereits umfassendes Wissen über Eilenburgs Industriegeschichte zusammengetragen haben, waren bereits Gesprächspartner, aber auch Eigentümer geschichtsträchtiger Immobilien wie dem einstigen Kino an Torgauer Landstraße, das zum Propeller-Werk gehörte.

Zum Filmen gekommen ist Roger Liesaus über die Projekte des Leipziger Dokumentarfilmers Enno Seifried. Der Maschinenbauingenieur half in seiner Freizeit bei der Recherche und bei Interviews. Seifried hat seine „Geschichten hinter vergessenen Mauern“ in Leipzig bereits vor einigen Jahren als Trilogie abgeschlossen. „Doch nicht alles Material konnte verwertet werden. Mich hat das Mimo-Gelände schon als Kind interessiert. Dass in Taucha der einzige Dieselmotor für Flugzeuge in Großserie gebaut wurde, faszinierte mich wiederum als Techniker. Dazu kommen die menschlichen Schicksale, die sich mit diesen Betrieben verbinden.“ Zuerst waren vor allem Leipziger Betriebe der Luftfahrtindustrie im Fokus. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel über diesen Industriezweig zu erzählen gibt. Doch irgendwann kommt man auf die Zulieferer. Und damit auf Eilenburg.“

Jagdflieger bei Mörtitz

In der Muldestadt verknüpft sich der Flugzeugbau unter anderem mit den alten Bergkellern, in die die Produktion in den letzten Kriegsjahren verlagert wurde. Aber ebenso ist der Flugplatz am heutigen Berufsschulzentrum auf der Roten Jahne zu erwähnen. Dort waren Jagdflieger stationiert. Gerade hat ein betagter Leipziger Fotos von einem Mörtitzer Fliegerlager im September 1943 beigesteuert, zeigt Roger Liesaus am PC.

Er plant drei Teile für sein Videoprojekt, das Interessierten als DVD zugänglich gemacht werden soll: „Es wird kein Unterhaltungsfilm. Mein Anliegen ist eine ausführliche Dokumentation. Außerdem ist das Thema Rüstungsindustrie nun mal nicht lustig.“

Zeitzeugen gesucht

Auch das Museum ist an Bilddokumenten interessiert, die zum Beispiel die Produktion in den Bergkellern zeigen. Wer Material zur Verfügung stellen kann, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 03423 652224 im Museum zu melden. Zeitzeugen können ebenfalls unter der Nummer 0172 9670119 oder per E-Mail unter r.liesaus@industriekultur-leipzig.de Kontakt aufnehmen.

Von Anna-Maria Rieger

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