Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Flüchtlings-Betreuung: Erzieher und Fachkräfte wollen enger zusammenarbeiten

Fachtag in Eilenburg Flüchtlings-Betreuung: Erzieher und Fachkräfte wollen enger zusammenarbeiten

Strukturen in Nordsachsen – lassen wir sie wachsen. Unter diesem Motto hat der St. Martin Caritas-Hilfeverbund zu einem Fachtag nach Eilenburg eingeladen. Das Ziel: Einen Arbeitskreis und somit ein Netzwerk zu schaffen für diejenigen, die mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu tun haben.

Jörg Wiegner (rechts) moderierte die Gesprächsrunde mit den beiden Jugendlichen.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Eilenburg. M. (18) und der 17-jährige H. aus Afghanistan sind nervös. Vor so vielen in der Aula des St.-Martin-Caritas-Hilfeverbundes in Eilenburg eine für sie fremde Sprache sprechen, von ihrem Ankommen in Deutschland zu erzählen, und darüber, welche Wege der Integration sie gegangen sind – das ist nicht leicht. Die beiden machen das trotzdem gut und vermitteln Einblicke in ihre Gefühlswelt. Das von Betreuer Jörg Wiegner moderierte Podiumsgespräch bildete den Abschluss des Fachtages „umF von A bis Z – unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zwischen Ankunft und Zukunft“ , zu dem die Einrichtung, in der 30 minderjährige Flüchtlinge leben, erstmals geladen hatte. Gekommen waren Fachkräfte, Mitarbeiter von Jugendämtern, umF-Einrichtungen und des Jugendmigrationsdienstes Nordsachsen, Vertreter von Schulen. Der Wunsch nach mehr Kommunikation sei ein Ergebnis, so Mit-Organisatorin Cindy Witschorkäwitsch. Das Ziel formulierte Einrichtungsleiter Marcus Müller deshalb als Angebot: „Wir wollen einen Arbeitskreis und so ein Netzwerk schaffen.“

Im Mai soll es losgehen

Schwerpunkte, um die es ab Mai gehen könnte, wurden in den Workshops deutlich, die den Vorträgen von Maria Krautkrämer-Oberhoff zur Traumapädagogik und Dr. Carsten Hörich, Dozent für Migrationsrecht, folgten. Trauer und Enttäuschung seien oft stark ausgeprägt. Hinzu kommen traumatische Erlebnisse. Es gehe darum, diese zu erkennen, zu verstehen, damit umzugehen und nicht darum, dass die Ängste die Betroffenen gefangen nehmen. Was auch immer die Motive für die Flucht waren – die jungen Menschen sollten nicht als Traumaopfer, sondern als Jugendliche behandelt werden. Probleme gibt es weitere. So der Widerspruch, mit den jungen Menschen sinnvolle Perspektiven zu erarbeiten, obwohl sie noch kein gesichertes Bleiberecht in Deutschland haben. Oder aber die Tatsache, dass gerade bei Minderjährigen vor dem Stellen eines Asylantrages eine umfangreiche Beratung erfolgen sollte.

Husch-Husch heißt Esel

Über die Umstände ihrer Flucht sprachen die beiden jungen Männer nicht, eher darüber, wie sie es schaffen, positiv nach vorn zu blicken. Beide gelangten über Stationen wie Chemnitz, Oschatz, Bad Düben nach Eilenburg. Der Prozess des Ankommens war nicht leicht, die ungewohnte Sprache, das ungewohnte Essen, das Fehlen von Familien und Freunden. Manche Erinnerung ruft ein Schmunzeln hervor, so, als Mustafa erzählt, dass er irritiert war, als er in Deutschland mit der „Husch-Husch“-Aufforderung konfrontiert worden sei. In seinem Heimatland würde solch ein Begriff mit Esel gleichgesetzt. Wären da nicht das Aussehen und das gebrochen gesprochene Deutsch – die logische Folgerung, dass da zwei normale, deutsche Jugendliche sitzen, würde jeder treffen. Interessen, Hobbys und Probleme, all das klingt bekannt. M., der in Delitzsch ein berufsvorbereitendes Jahr absolviert, bekennt: „Deutsch, Englisch, Mathe, das mach ich gern, Ernährungslehre nicht so.“ In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Musik und Sport, ist beim Laientheater Eilenburg. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz treibt beide um, das ist ein Punkt, bei dem sie sich Unterstützung erhoffen. H. strebt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker an. Eine Bewerbung nach deutschen Vorgaben schreiben, das fällt ihm noch schwer, bekennt er. Einen Platz zu finden, wäre für ihn wichtig, zumal der noch nicht geklärte Aufenthalts-Titel eine große persönliche Belastung darstelle. Aus pädagogischer Sicht sei das schwer auszugleichen, macht Jörg Wiegner klar. Mustafa hat es die Computer-Branche angetan: „Das ist aber nicht einfach.“ Für den jungen Erwachsenen wird all das jetzt noch schwieriger. Er ist 18 geworden, lebt seit Anfang Februar nicht mehr in der Betreuung der Caritas.

Von Kathrin Kabelitz

Eilenburg 51.4597557 12.617702
Eilenburg
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Eilenburg
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Mit der Aktion „Angestupst“ unterstützen LVZ und Sparkasse Leipzig die Vereine der Region. Die nächste Runde läuft - jetzt mitmachen und bewerben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus den Städten und Gemeinden. mehr

Fußball in Nordsachsen
  • Fußball in Nordsachsen
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr