Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Flüchtlingsheim auf ECW-Gelände in Eilenburg: „Nur in der allergrößten Not“

Bürgermeister-Interview Flüchtlingsheim auf ECW-Gelände in Eilenburg: „Nur in der allergrößten Not“

Ralf Scheler (parteilos) ist seit 1. August Oberbürgermeister der Stadt Eilenburg. Im Interview mit der LVZ spricht der 51-Jährige über volle Kitas, Schulen und Horte, Investitionen in den Stadtteilen und wie es mit dem geplanten Flüchtlingsheim auf dem alten ECW-Gelände weitergeht.

Ralf Scheler (51), parteiloser Oberbürgermeister in Eilenburg.

Quelle: LVZ

Eilenburg. Ralf Scheler (parteilos) ist seit 1. August Oberbürgermeister der Stadt Eilenburg. Im Interview mit der LVZ spricht der 51-Jährige über volle Kitas, Schulen und Horte, Investitionen in den Stadtteilen und wie es mit dem geplanten Flüchtlingsheim auf dem alten ECW-Gelände weitergeht.

Der 1. August 2015 liegt lange zurück. Was ist im vorigen Jahr aus Ihrer Sicht in Eilenburg gelungen?

Gelungen sind die bereits vor meiner Amtszeit begonnenen Bauvorhaben wie die sehr schöne Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und auch die schrittweise Fertigstellung der Pension Heinzelberge einschließlich des gesamten Umfeldes der Außenanlagen.

Absolut gelungen und mit positiver Resonanz ausgestattet sind die Öffnungszeiten des Bürgerbüros täglich montags bis samstags. Das hat zu einer spürbaren Entlastung von Spitzenzeiten geführt. Die Mitarbeiterinnen hätten das selbst nicht geglaubt. Ich informiere mich wöchentlich persönlich.

Und Sie finden tatsächlich nicht mehr so oft hilflos herumirrende Besucher in den Gängen vor?

Das betrifft das neue Orientierungssystem. Es war mir aufgefallen, dass hier etwas fehlte. Wir haben jetzt schlüssige Etagen und einen Hauswegweiser, der wahrnehmbar ist. Der hängt jetzt besser im Blickfeld.

Gibt es noch weitere Dinge, die besonders jemandem auffallen, der neu in eine solche Verwaltung kommt und die verändert werden sollen?

Stimmt, zunächst zur räumlichen Situation. Diese ist vereinzelt in bestimmten Bereichen auch durch das im Hof befindliche „kleine Haus“ nicht optimal. Das ist zwar keine direkte Konfliktsituation, Veränderungen aber in der Anordnung der Arbeitsplätze und in der Struktur werden analysiert, wohl durchdacht und durchgezogen.

Gibt es dafür einen Zeithorizont?

Ich habe mir ab Amtseintritt ein Jahr gegeben, um drei, vier brennende Aufgaben zu lösen.

Inwiefern kommen Ihnen da Ihre persönlichen Voraussetzungen zu Gute?

Sicher ist da meine Kommunikationsfähigkeit von Vorteil. Fakt ist, dass ich aus meiner vorangegangenen Tätigkeit zum Beispiel keine Baukenntnisse habe, dass ich da Leute haben muss, die sich damit auskennen, den Fach- und Sachverstand haben. Die gibt es nicht nur hier im Haus, sondern auch unter den Räten und berufenen Bürgern. Stadtrat Volker Enigk spielt da eine sehr positive Rolle.

Was soll dieses Jahr gelingen?

Es werden viel mehr Kinder geboren, als noch vor Jahren vorhergesagt wurde. Wir haben eine Überauslastung von Schulen, Kindertagesstätten und Horten. Wir sind an der Grenze angekommen und nicht mehr für die Zukunft aufgestellt. Deshalb planen wir, und wir haben es auch schon massiv andiskutiert, den Neubau eines Hortes mit einer Kapazität von etwa 200 Hortplätzen in Eilenburg-Ost. Das klingt sicher viel, aber wir ziehen damit 160 Kinder in den Hort, gewinnen damit eine Unmenge freier Kita-Plätze, schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe.

Wann soll der Bau beginnen? Es sind doch bereits Mittel im Haushaltsentwurf 2016 vorgesehen.

Wir dürfen den Zug nicht verpassen, der Bau muss noch in diesem Jahr beginnen. Ab dem Schuljahr 2017/18 bekämen wir sonst ein großes Kapazitätsproblem. Zudem sind solche Vorhaben mit Blick auf unsere Wohnstandortkampagne eine wesentlicher Faktor für Bevölkerungswachstum.

Gebaut wird auf der Fläche der ehemaligen, abgerissenen Mittelschule

Nein. Der Baukörper würde sich unmittelbar hinter der Grundschule befinden, entweder als Anbau oder separat. Wir tendieren zu letzterem, denn man weiß nie, wie es in zehn oder 15 Jahren aussieht, ob dann wieder eine Umnutzung in eine ganz andere Richtung nötig ist, dann wäre ein verbundener Baukörper hinderlich. Die Fläche, auf der die Mittelschule stand, wird zum Eigenheimstandort entwickelt. Die ersten drei Grundstücke haben wir schon verkauft.

… und die Fläche der ehemaligen Schornsteinfegerschule?

Dort gibt es nach wie vor einen Investor, der für betreutes Wohnen bauen will. Da gibt es einen Verkaufsbeschluss, der allerdings noch nicht umgesetzt ist. Ab 2017/18 ist dann auch die Gestaltung des Umfeldes am Gymnasium vorgesehen sowie die Erweiterung des Geländes auf das Umfeld, wo einst Wohnblöcke abgerissen wurden. Dazu kommt noch die Sanierung von Rad- und Fußwegen in Ost. Und das alles dient der Aufwertung des Stadtteils. Viele behaupten: abgekoppelt, abgeschrieben, nicht beachtet. Das stimmt nicht. Sehen Sie sich an, welche Infrastruktur da ist: Kitas, Grundschule, zukünftig der Hort, das Gymnasium. Eilenburg hat insgesamt mit allen Stadt- und Ortsteilen Zukunft. In der Ziegelstraße wird das neue Einkaufszentrum und ein Baumarkt entstehen. Der Trinkwasserversorgungsverband wird seinen Sitz aufs ECW-Gelände verlagern und dort neu bauen. Wir schaffen eine somit sichtbare Verbindung, ein Zusammenwachsen zwischen Ost, Mitte und Berg.

Fehlt nur noch eine Nutzung fürs ECW-Verwaltungsgebäude.

Die brennt mir noch tüchtig auf den Nägeln. Genau, wie die Ruine auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Stadt versuchte ja schon mehrfach, sie dem Eigentümer abzukaufen, der aber offensichtlich tüchtig pokert. Meine stille Hoffnung ist jetzt, eventuell mit dem Investor in der Ziegelstraße dafür gemeinsam einen Plan zu schmieden. Dann wäre es endlich weg.

Mit Hinblick darauf – welchen Stand gibt es beim Flüchtlingsheim auf dem ECW-Gelände?

Da gibt es nichts Neues. Es wird zurzeit noch eine Bodenbeprobung gemacht hinsichtlich der Belastung des Geländes mit Schadstoffen. Dazu hat sich die Situation hier und vielleicht auch insgesamt ein wenig verlangsamt. Die Bundespolitik muss endlich Fakten zur Lösung, Begrenzung und Zurückweisung von Asylbewerbern schaffen. Straffällige Asylbewerber müssen unser Land in kürzester Frist verlassen. Nur so funktioniert Integration derer, die bleiben dürfen. Im Moment sind 217 Flüchtlinge in der Stadt, alle dezentral. Und das veranlasst mich jetzt zu sagen: Ich würde es begrüßen, wenn wir diese Fläche am ECW nur in der allergrößten Not und am besten gar nicht benötigen würden, weil eine Ghettoisierung, eine Ansiedlung von 150 oder 200 Personen zu weiteren Problemen führt. Also, dezentral unterbringen im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten. Die unzuverlässige Bundespolitik und die Koalitionsstreitigkeiten sind das größte Übel. Aber merken Sie etwas: Es ist schon wieder Bundestagswahlkampf für 2017. Generell sehe ich in Eilenburg eine hervorragende Bewältigung der Aufgaben, hinsichtlich der Unterbringung und der Betreuung. Nicht umsonst haben wir den sächsischen Integrationspreis erhalten.

Aber auch im Stadtteil Berg tut sich etwas. Stichwort Aldi-Umsiedlung.

Das angekündigte Gespräch hat nun stattgefunden. Es gibt einen uneingeschränkten Willen, sich auf der vorgesehenen Fläche anzusiedeln, auch ohne verbesserte Verkehrsanbindung. Ich habe dazu einen Entwurf vorliegen mit Varianten der Position des Gebäudes.

Gibt es einen Termin für die Unterschrift unter dem Grundstücksvertrag oder für den Baustart?

Noch nicht. Und wenn alles geklärt ist: Die Verwaltung reagiert schnell. Auch bei der Ziegelstraße hatten die beiden bis jetzt favorisierten Investoren zuerst einen Baustart 2017 in ihren Unterlagen. Sie waren freudig überrascht, als wir gesagt haben, dass es gern eher sein soll. Das Einzelhandelskonzept steht, der B-Plan läuft. Die können im Prinzip sofort anfangen, sobald die Grundstücksfrage geklärt ist.

Was ist ansonsten für den Stadtteil Berg zu erwarten? Nach wie vor steht der Anblick rechts und links der Bergstraße in der Kritik.

Da sind uns genauso die Hände gebunden. Wie an der Ruine an der Muldebrücke. Aber: Der Kreisverkehr ist neu, geplant ist ein medizinisches Versorgungszentrum. Da kommen wir nun auch in die Pötte. Rewe will umbauen. Es sind erneut in der Weinbergstraße Grundstücke zum Verkauf vorgesehen. Selbst hinten in der Wilhelm-Grune-Straße wurde ein kleines Wohngebiet mit bestem Blick entwickelt. Auch am Schlossberg, wo ich jetzt baue, ist die Erschließungsstraße auf Kosten des Eigentümers fast fertig. Auch die Ortsteile dürfen wir niemals unterschlagen, sie sind passabel aufgestellt, aber auch dort darf die Zeit nicht stehen bleiben.

Was macht Eilenburg schöner und besser als andere Städte?

Wir wollen unsere Lage an der Peripherie von Leipzig mit der S-Bahn-Anbindung und die Wohnbauflächen jetzt massiv mit einer Wohnstandortkampagne bewerben: „Wohnen um Leipzig – Eilenburg zieht an“.

Aber mal verglichen mit der Konkurrenz?

Es gibt freie Gewerbeflächen zu einem vernünftigen Preis, ein hervorragendes sportliches und kulturelles Angebot. Das Bürgerhaus wartet in allerbester Weise mit guten Veranstaltungen auf und wird hoch gelobt. Die Schwimmhalle hatte im letzten Jahr 80 000 Besucher, der Tierpark 60 000 , das Burgberggelände ist aufgewertet. Wir haben das Gymnasium, die Oberschule, die Grundschulen, eine schnelle Verwaltung, ein gut funktionierender Wirtschaftsbereich Handwerk, parallel dazu gut funktionierende größere Betriebe, eine gute logistische Anbindung. Und wir brauchen kaum fünf Minuten und sind im dicksten Grün. Das Zentrum des Landkreises befindet sich in Eilenburg. Ein Leben außerhalb von Eilenburg ist zwar möglich, aber sinnlos.

So viel Lokalpatriotismus im OBM-Büro muss bestimmt sein.

Klar, sonst würde ich hier falsch sitzen.

Von Heike Liesaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Eilenburg

Was ist eigentlich los auf dem Lande? Was wird geredet im Dorf? Was bewegt die Menschen? Die LVZ-Serie Unterwegs in Nordsachsen zeigt es. Unsere Reporter fahren in die kleinen Orte der Region und erfahren von den Menschen vor Ort, was sie beschäftigt. mehr

Ausbildungsplätze und Studiengänge in der Region Delitzsch, Eilenburg und Bad Düben finden Sie hier in der LVZ-Beilage zur 9. regionalen Ausbildungsmesse Delitzsch! mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr